22.06.2010 10:42 Uhr - 1. Bundesliga - PM VfL Sindelfingen

Iris Cartarius: "Wenn es menschlich passt, werden wir Erfolg haben"

Iris CartariusIris Cartarius
Quelle: VfL Sindelfingen
Seit Jahren gehört Iris Cartarius beim VfL Sindelfingen zu den absoluten Leistungsträgerinnen. Die 27-Jährige war für den Bundesligisten in der vergangenen Saison sozusagen die Lebensversicherung: Sie erzielte 154 Treffer und gehörte damit zu den besten Torschützinnen der Liga. Mit ihren Toren hatte sie großen Anteil daran, dass der VfL die Klasse hielt. Dennoch ist sie nicht rundum zufrieden: „Wir hätten aus der letzten Spielrunde etwas mehr rausholen können,“ meint die Rückraumspielerin.

Iris CartariusIris Cartarius
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Man merkt: Iris Cartarius ist ehrgeizig. Deshalb möchte sie in der kommenden Spielzeit auch die Play-Offs erreichen. „Mit Maren Baumbach, Marielle Bohm, Verena Breidert, Marcella Deen und Nadine Härdter haben wir uns klasse verstärkt, die Qualität der Mannschaft konnte dadurch gesteigert werden. Wenn es menschlich passt, werden wir Erfolg haben“, ist sich die gebürtige Sindelfingerin sicher. Sie möchte außerdem dafür sorgen, dass die Defensivleistung verbessert wird und die Mannschaft schneller von Abwehr auf Angriff umschaltet. „Da haben wir noch Defizite. Mit den neuen Spielerinnen werden wir diese aber beheben können.“

Mit dem Handballsport kam Iris schon früh in Berührung, in der Grundschule begann sie damit. Einige Freundinnen von ihr spielten beim SV Böblingen und die kleine Iris ging dann einfach mit zum Training. Da es ihr gefiel, blieb sie dem Handball treu. „Ich bin heute die einzige, die noch spielt. Meine Freundinnen von früher haben alle aufgehört“, erzählt sie schmunzelnd. Mit 17 folgte dann der Wechsel zum VfL Sindelfingen in die Regionalliga. Das Team kämpfte um den Aufstieg in die 2. Bundesliga – allerdings konnte sich die Mannschaft nicht durchsetzen. „Teilweise fehlte uns ein einziges Tor zum Aufstieg, das war wirklich frustrierend. Deshalb bin ich 2004 nach Metzingen in die 2. Bundesliga gewechselt,“ erzählt die 27-Jährige.

Hier konnte sie sich weiterentwickeln – sowohl sportlich als auch menschlich. Allerdings gelang dem Metzinger Team nicht der erhoffte Aufstieg in das Oberhaus. Eine ganz bittere Pille musste Cartarius in der Saison 2006/07 schlucken: Die Mannschaft hatte sich durch die Play-Offs gekämpft und sportlich für die 1. Bundesliga qualifiziert, weil aber eine nicht spielberechtigte Spielerin auf der Bank saß, wurden Metzingen sechs Punkte aberkannt. Die Folge: Die Play-Offs waren weg. „Das war für mich richtig bitter, ich war wochenlang enttäuscht. Als Sportler versteht man das nur sehr schwer“, erinnert sich die Rückraumspielerin.

Zur Saison 2008 entschied sie sich gemeinsam mit ihrer Teamkollegin Milena Rösler zum Wechsel nach Sindelfingen. „Hier hatte sich einiges bewegt, das Konzept hatte Hand und Fuß. Außerdem musste ich mit dem Auto nicht mehr so lange ins Training fahren“. Ihr gefällt es beim VfL, auch wenn ihrer Meinung nach die Infrastruktur noch verbessert werden muss. „Es ist aber normal, dass der Verein noch nicht so weit ist. Wir Spielerinnen haben ein unglaubliches Tempo vorgelegt, in zwei Jahren von der Regionalliga in die 1. Bundesliga. Um erstklassige Rahmenbedingungen zu schaffen, braucht auch der Club Zeit.“

Für Iris Cartarius ist es wichtig, dass es auch abseits des Spielfeldes passt. Aktuell wohnt sie in Breitenstein, einem Ortsteil von Weil im Schönbuch. Hier hat sie gemeinsam mit ihrem Freund Marco, mit dem sie seit neun Jahren zusammen ist, ein Haus gekauft. „Zurzeit stehen bei uns einige Renovierungsarbeiten an. Die Wohnbereiche sind fertig, im Keller und im Garten muss jedoch noch einiges getan werden.“ Auch beruflich ist bei ihr alles im Lot: Nach ihrem Abitur 2002 hatte sie zuerst ein Jahr lang in England gearbeitet, dann fing sie in Fellbach eine Ausbildung als Physiotherapeutin an.

„Ich wollte schon immer in den Bereich Sportmedizin gehen, der Beruf ist dafür ideal und er macht mir sehr viel Spaß. Ein normaler Bürojob wäre für mich nichts gewesen. Ich kann mir außerdem gut vorstellen, nach meiner aktiven Karriere eine Mannschaft als Physiotherapeutin zu betreuen,“ verrät sie. Bis dahin möchte Iris Cartarius aber natürlich noch ein paar Jahre für die Bundesliga-Handballerinnen des VfL Sindelfingen auflaufen.