28.05.2010 08:55 Uhr - 1. Bundesliga - Tobias Frey - PM VfL Sindelfingen

Zum Glück gab es keine passende Fußball-Mannschaft: Ina Großmann im Portrait

Ina Großmann im Urlaub auf der SkihütteIna Großmann im Urlaub auf der Skihütte
Quelle: VfL Sindelfingen
Nur einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, dass Ina Großmann bei den Bundesliga-Handballerinnen des VfL Sindelfingen aktiv ist. Denn in ihrer Kindheit wollte sie in ihrer Heimstadt Holzgerlingen lieber Fußball spielen. „Das hat damals aber nicht geklappt, weil es keine passende Mannschaft für mich gab. Zufälligerweise ist dann der Trainer der Handball-Minis des SV Holzgerlingen auf mich aufmerksam geworden und er meinte, dass ich mal beim Training vorbeischauen sollte. Ich denke, es war die richtige Entscheidung für mich“, erzählt Großmann.

Mit sechs fing sie mit dem Handball an und seitdem geht es stetig bergauf. Mit der HSG Schönbuch schaffte sie es bis in die Landesliga, dann holte Jens Bermanseder die heute 19-Jährige zum VfL Sindelfingen. „Ich war sehr stolz, als der Wechsel 2008 geklappt hat. Der Sprung von der Landesliga in die 2. Bundesliga war natürlich riesig und ich brauchte ein paar Wochen um reinzufinden. Es ist sowohl vom Tempo als auch von der Spielqualität her ein großer Unterschied. Jeder Fehler wird knallhart bestraft.“ Auch körperlich musste die pfeilschnelle Großmann zulegen, um in der 2. Bundesliga bestehen zu können. „Die ersten sechs Wochen Training damals waren brutal. Ich bin jeden Abend total kaputt ins Bett gefallen.“ Doch die Holzgerlingerin biss sich durch und entwickelte sich zu einer festen Größe im Team des VfL Sindelfingen. Auch in der vergangenen Saison bekam sie ihre Spielanteile in der 1. Bundesliga und konnte in 21 Partien 18 Tore erzielen. Ihre guten Leistungen fielen auch dem deutschen Handballbund auf: Im vergangenen Jahr bekam sie eine Einladung zu einem Lehrgang der U-20-Nationalmannschaft und ist seitdem ein fester Bestandteil des Juniorinnen-Nationalteams.  

„Es ist einfach nur geil in der Nationalmannschaft zu spielen. Ich kannte das ja bislang nur aus dem Fernseher. Wenn man da plötzlich mit dem deutschen Trikot auf dem Spielfeld steht und die Hymne läuft – das ist wahnsinnig cool.“ Anfang April gab sie ihr Länderspieldebüt in einem Testspiel gegen Portugal, konnte dabei sogar direkt ihr erstes Tor erzielen. Auch bei der WM-Qualifikation im holländischen Wognum überzeugte die Linksaußen-Spielerin: In drei Partien kam sie auf insgesamt zwölf Treffer. „Ich verstehe mich super mit meinen Teamkameraden beim VfL Sindelfingen und mit den Nationalspielerinnen. Ich wurde echt toll aufgenommen. Mein Ziel ist jetzt ganz klar die Weltmeisterschaft im Juli in Südkorea.“ Experten gehen davon aus, dass ihre Chancen für eine Teilnahme bei der WM nicht schlecht stehen.  

Nicht nur im Handball ist Ina Großmann erfolgreich, auch beruflich läuft es bei der 19-Jährigen. In knapp zwei Wochen wird sie ihre Ausbildung als CAD-Konstrukteurin bei der Firma Eisenmann in Böblingen beenden. „Die meisten Prüfungen habe ich hinter mir und die letzten Klausuren packe ich auch noch. Der Beruf macht mir sehr viel Spaß und es ist genau mein Ding.“ Als CAD-Konstrukteurin zeichnet sie unter anderem Aufstellungspläne oder Konstruktionspläne für Anlagen in der Oberflächentechnik, zum Beispiel für Lackieranlagen. „Ich könnte mir nicht vorstellen, am Band zu stehen oder BWL zu studieren. Deshalb ist der Beruf für mich ideal.“ Nach der Ausbildung wird sie weiter in ihrem Betrieb arbeiten können, den Übernahmevertrag hat sie schon in der Tasche. „Ich freue mich schon darauf, als ausgelernte Konstrukteurin bei großen Projekten mitzuarbeiten.“  

Wenn sie mal nicht auf dem Handballfeld steht oder im Geschäft zeichnet, ist sie meistens zu Hause bei ihrer Familie in Holzgerlingen oder mit Freunden unterwegs. „Meine Eltern haben mich immer unterstützt und deshalb ist mir die Familie sehr wichtig. Ansonsten lasse ich mich auch gerne bekochen, wir haben mit meinem jüngeren Bruder Tim einen klasse Koch in der Familie.“ Ihr Lieblingsessen ist typisch schwäbisch: Rostbraten, am liebsten mit Pommes frites. Außerdem geht Ina im Sommer gerne mit Freunden ins Freibad und im Winter geht es in die Berge zum Skifahren. Dass es mit dem Fußball nicht geklappt hat, ist für Ina übrigens kein Problem: „In meiner Freizeit bin ich oft auf dem Bolzplatz zu finden und auch im Handballtraining kicken wir oft zum Aufwärmen“, erzählt sie schmunzelnd.