21.05.2010 13:14 Uhr - 1. Bundesliga - Christian Stein und Christian Ciemalla

Natalie Augsburg: "Es ist die Qualität unserer Ziele, die die Qualität unserer Zukunft bestimmt"

Karolina Kudlacz und Natalie Augsburg feierten in einer Cocktailbar die MeisterschaftKarolina Kudlacz und Natalie Augsburg feierten in einer Cocktailbar die Meisterschaft
Quelle: Sebastian BraunerSebastian Brauner
Es waren zwei hart umkämpfte Finalpartien, in denen am Ende der HC Leipzig in der Meisterschaft die erfolgreiche Titelverteidigung feiern konnte. Mit einer herausragenden Leistung in der Abwehr, die Bayers Linkshänderinnen kaum Freiraum ließ, hatte Natalie Augsburg großen Anteil am sechsten gesamtdeutschen Meistertitel des HCL. Im Gespräch blickt die Flügelspielerin auf das Meisterschaftsfinale zurück und wagt einen Blick voraus auf die EM-Qualifikation mit der Nationalmannschaft und die neue Saison mit dem HCL.

Herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Titelverteidigung in der Meisterschaft. Wie hast Du den Triumph erlebt?

Natalie Augsburg:
Es war das erwartet schwere und hart umkämpfte Finale. Die fast 6000 Zuschauer haben eine besondere Atmosphäre geschaffen, sodass es ein wunderschöner und sehr emotionaler Triumph war. Noch nie zuvor sind mir nach einem Titelgewinn die Tränen geflossen.

Und danach. Wo und wie lange wurde gefeiert?

Natalie Augsburg:
Erstmal haben wir die gute Stimmung in der Arena voll ausgekostet und uns gegenseitig, so wie unsere Trainer und Manager mit Sekt geduscht. Dabei fiel auch die Eine oder Andere auf den nassen Parkettboden, mich eingeschlossen.
Danach ging es in die City in eine Cocktailbar, wo wir bis in den frühen Morgen feierten.

Es war ein hartes Stück Arbeit in den Endspielen gegen Leverkusen. Was waren Deiner Meinung nach die Knackpunkte in dieser bereits im Vorfeld erwarteten "engen Kiste"?

Natalie Augsburg:
Ein Knackpunkt war sicherlich unsere kämpferische Einstellung und natürlich auch die große Erfahrung, die unsere Mannschaft mit sich bringt. Wir haben als Kollektiv funktioniert und jeder wusste seine Rolle zu realisieren. Ausschlaggebend war unter anderem natürlich auch, vor eigenem Publikum das Endspiel bestreiten zu können und die Energie, die von der großartigen Kulisse ausging für unser Spiel zu nutzen. Zudem legten wir den Grundstein in der ersten Halbzeit des ersten Finalspiels, indem wir eine 8-Tore-Führung herausspielten. Das gab uns das nötige Selbstbewusstsein, das wir dann letztendlich auch in das letzte Spiel transportierten und somit einen gelungenen Abschluss feiern konnten.


Beeindruckende Kulisse - Fast 6.000 Zuschauer beim Endspiel in Leipzig


Im DHB-Pokal hatte Leverkusen noch die Nase vorn. War das Aus im Viertelfinale noch einmal ein Schub Extra-Motivation?

Natalie Augsburg:
Mit Sicherheit. Wir wollten das Final Four in Riesa erreichen, und dass Leverkusen uns dann in eigener Halle geschlagen hat, war noch einmal ein großer Motivationsschub. Wir wollten eine erfolgreiche Revanche und natürlich eine super Saison mit einem Titel krönen.

Zurück zum Stichwort "Harte Arbeit": Du warst in der Deckung gefordert, hast mit einer herausragenden Leistung in der Defensive mitgeholfen den Grundstein zu legen. Wird Deiner Meinung nach diese Leistung auch entsprechend gewürdigt, oder haderst Du damit, dass Tore-Werfen hipper ist als Tore-Verhindern?

Natalie Augsburg:
Ich würde mal behaupten, dass ich selbst mein größter Kritiker bin. Tore-Werfer stehen in der Presse schon öfters im Vordergrund, was für mich überhaupt kein Problem ist. Kenner der Handballszene wissen auch die Abwehrleistung zu schätzen. Ich kann meine Leistung sehr gut selbst einschätzen und brauche prinzipiell keine Würdigung. Falls es dann doch mal ein Lob gibt, dann freue ich mich natürlich.
Außerdem steht hinter einem guten Angriff auch eine gute Abwehr, sodass man beides auch generell zusammen betrachten sollte. Ich freue mich für jede Spielerin die viele Tore macht, aber auch für Mitspielerinnen, die in der Abwehr super Arbeit geleistet haben und auch der Torhüterin bessere Möglichkeiten geboten haben.

Es heißt immer "Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Meisterschaften", gilt das in diesem Jahr auch für den HCL?

Natalie Augsburg:
Meiner Meinung nach gewinnt man alle Spiele in der Defensive und das war und ist unser Motto. Durch eine starke Abwehrleistung wird der Torhüterin zu viele Paraden verholfen und dadurch kann das schnelle Tempospiel aufgezogen werden. Diese Saison war das einer unserer Stärken.


Natalie Augsburg ließ Denisa Glankovicova keinen Freiraum


Die Saison ist für Dich noch nicht beendet. In der kommenden Woche darfst du bei den Qualifikationsspielen zur EM in der deutschen Nationalmannschaft debütieren. Wie fühlt man sich als Neunationalspielerin?

Natalie Augsburg:
Zunächst möchte ich erwähnen, dass ich mich nicht als Nationalspielerin fühle und auch noch lange keine bin, denn dazu gehört eine konstante Teilnahme an Lehrgängen des DHB und die damit verbundenen Länderspiele.
Aber ich fühle mich natürlich geehrt und bin super stolz dabei sein zu dürfen und freue mich auf den Lehrgang.

Die DHB-Auswahl ist bereits für die Europameisterschaft qualifiziert. Die Gegner heißen nun Italien und Slowenien. Mit welcher persönlichen Zielsetzung gehst Du in diese Partien?

Natalie Augsburg:
Ich persönlich möchte mich für weitere Nominierungen empfehlen und zeigen was in mir steckt. Zudem möchte ich, wie beim HCL, eine Menge Spaß, Leidenschaft und Freude zeigen bzw. diese auch verbreiten.

Die Teilnahme an der Europameisterschaft im Dezember also ein klares Ziel?

Natalie Augsburg:
Ich habe grundsätzlich hohe Ziele in meinem Leben und bin mit dem momentan Erreichten nie zufrieden. Bis zur EM sind es allerdings noch ein paar Monate, sodass ich versuchen werde mich in der Bundesliga für höhere Aufgaben zu empfehlen und auch mehr selbst noch an Qualität zu gewinnen, denn es ist die Qualität unserer Ziele, die die Qualität unserer Zukunft bestimmt.

Internationale Erfahrung durftest Du in diesem Jahr mit dem HCL auch in der Champions League sammeln, etwas besonderes?

Natalie Augsburg:
Die Champions League war auf jeden Fall etwas Besonderes. Dass wir die Hauptrunde erreicht hatten war ein großer Erfolg. Wir haben leider kein Spiel gewonnen, aber gesehen, dass wir nicht so weit weg sind von der Weltspitze. Für mich persönlich, da ohne Länderspielerfahrung, war es etwas besonderes gegen Spielerinnen wie Kristine Lunde, Grit Jurack oder Katalin Palinger zu spielen.

In diesem Jahr ging es mit dem HCL unter die besten acht Teams Europas, ist nächste Saison vielleicht noch mehr drin?

Natalie Augsburg:
Wir sind sehr glücklich, dass wir uns durch die Meisterschaft wieder direkt für die Champions League qualifiziert haben. Schön wäre, wenn wir wieder die Hauptrunde erreichen würden und dann nicht nur einen Sieg sehr knapp verpassen, sondern auch ein paar Punkte holen könnten. Aber bis zum Beginn der Champions League vergehen noch ein paar Monate. Jetzt heißt es noch mal die Meisterschaft zu genießen und auf die Nationalmannschaft freuen.


Meister 2010: HC Leipzig - Fotos: Sebastian Brauner