08.05.2010 13:02 Uhr - 1. Bundesliga - PM Vereine

Oldenburgerinnen geben Rennen um Finaleinzug noch nicht auf

Im Hinspiel ganz stark: Tatiana SurkovaIm Hinspiel ganz stark: Tatiana Surkova
Quelle: Thorsten Helmerichs
Geht die Saison am Sonntag zu Ende, oder gibt es noch zwei weitere Spiele? Mit dieser Fragestellung müssen sich gleich zwei Mannschaften auseinandersetzen, wenn am kommenden Sonntag die Bundesliga-Handballerinnen des VfL Oldenburg bei Bayer Leverkusen zum Halbfinal-Rückspiel der Meisterschafts-Playoffs antreten. Kann der Supercupgewinner die Hinspielniederlage (21:24) wettmachen, kommt es in der kommenden Woche zu den Finalspielen gegen den HC Leipzig oder ProVital Blomberg. Oldenburg muss beim neuen DHB-Pokalsieger mit wenigstens drei Toren Differenz gewinnen und dabei mindestens 25 Tore werfen. Sollte die Partie 24:21 für den VfL ausgehen, entscheidet ein Siebenmeterwerfen.

Mehr denn je besitzen die Bayer-Elfen nach dem Sieg am vergangenen Mittwoch in der Oldenburger EWE ARENA die besseren Chancen. "Für Leverkusen sieht es besser aus", gibt VfL-Coach Leszek Krowicki zu. "Wir fahren aber mit der Hoffnung im Gepäck, dass wir nochmal ins Spiel kommen." Auch Renate Wolf weiß, dass der Finaleinzug nicht nur Formsache ist. „Die Ausgangsposition ist wirklich gut, aber ausruhen dürfen wir uns darauf nicht“, betont die Elfen-Trainerin.

Die Partie in Oldenburg zeigte allerdings, wie wenig die beiden Mannschaften inzwischen trennt. Wie bereits beim 21:20-Sieg des VfL im Hauptrundenspiel neutralisierten die beiden hervorragenden Deckungen weitgehend die jeweiligen Offensivaktionen des Gegners. "Im Angriffsverhalten müssen wir uns steigern", sagt auch Krowicki.

Spielerinnen, um aus der zweiten Reihe mehr Druck zu machen, besitzt der VfL, auch abseits der gesetzten Angie Geschke und Sabrina Neuendorf. Die Halbrechte Anita Herr etwa spielt nach einer verständlicherweise schwierigen Eingewöhnungsphase in der Hinrunde immer besser, auch Monic Burde hat sich in ihrem ersten Jahr in der Bundesliga längst zu einer ernstzunehmenden Alternative im Aufbauspiel entwickelt. Per Schlagwurf gelang Burde am Mittwoch das 17:17, zu selten allerdings kam Oldenburg so oder über die Außen und den Kreis zu gefährlichen Aktionen. Leverkusen hatte dort in Denisa Glankovicova und - in der zweiten Halbzeit - Laura Steinbach mehr zu bieten.

Krowicki gibt zwei Tage vor der Partie auch eine positive Mitteilung zur personellen Situation ab: "Wir kommen mit 13 Spielerinnen." Einzig weiterhin fehlen wird Anna Badenhop (Knorpelschaden). Bayer-Trainerin Renate Wolf bangt dagegen noch um Linksaußen Elisabeth Garcia Almendaris, die schon in Oldenburg wegen einer Grippe fehlte, von Allrounderin Lyn Byl aber gut vertreten wurde.

Mehr Sorgen dürfte sich Wolf über den Frische-Grad ihrer Spielerinnen machen. Noch am vergangenen Wochenende mussten die Leverkusenerinnen zwei Pokalspiele in Riesa überstehen. "Ich bin schon ziemlich platt", gab Heike Ahlgrimm in Oldenburg zu. Die Mittelspielerin beendet am Saisonende ihre Karriere und warnte vor allzu großer Leichtigkeit: "Das war erst die erste Halbzeit."

Ähnlich äußerte sich Torhüterin Clara Woltering: "Uns muss bewusst sein, dass wir noch 60 Minuten gegen einen starken Gegner vor uns haben. Wir werden das allen eintrichtern." Die Nationaltorhüterin spielte eine entscheidende Rolle im Hinspiel, parierte 17 Oldenburger Würfe und war nicht nur nach Wolfs Meinung die beste Spielerin ihres Teams. Auf der anderen Seite aber stand in Tatiana Surkova eine ebenso gute. Surkova hatte es in der ersten Hälfte noch verhältnismäßig leicht, auf bereits elf Paraden zu kommen, riss aber spätestens nach der Pause die 1580 Zuschauer regelmäßig zu Begeisterungsstürmen hin: Sagenhafte 26 Bälle der Gäste parierte die 28-Jährige, darunter drei Siebenmeter und drei freie Würfe. Dass es trotz dem Plus der Torhüterparaden noch zu einem Auswärtssieg für die Elfen reichte, zeigt wie gut der Deckungsverbund der Rheinländerinnen arbeitete. Immerhin galt es noch drei Zeitstrafen zu kompensieren, während Oldenburg bei ähnlicher Spielweise ohne Unterzahlsituation blieb.

Hinten Surkova, davor die Abwehr um Neuendorf und Parchina, ein gefürchteter Gegenstoß und starke Außen: Der VfL muss lediglich noch ein Mittel gegen die Leverkusener Defensive im Positionsspiel finden. Dann kann das Duell um den Finaleinzug noch ungeahnt dramatisch werden. Darauf setzen auch die Oldenburger Fans, die in dreistelliger Anzahl ihre Mannschaft in der Smidt-Arena unterstützen werden. Die Elfen haben sich auch etwas besonderes einfallen lassen, um vor einer stattlichen Kulisse zu spielen.

Ein Blumenhändler stellt am Muttertag für die ersten 150 Mütter jeweils eine Rose zur Verfügung. Wer zudem mit einem roten Oberteil kommt, zahlt anstelle des regulären Eintrittspreises von zehn Euro nur 7 Euro. „Wir werden kämpfen bis zum Umfallen, um die Spiele zu gewinnen! Mit Eurer Unterstützung im Rücken kann es nur leichter werden“, verspricht Elfen-Captain Clara Woltering, die mit Blick auf den Sonntag erklärt: „Lasst uns gemeinsam die Smidt-ARENA zu unserer Festung machen!“

Bei der traditionellen Verlosung bekommen gleich zwei begehrte Objekte einen neuen Besitzer. Verlost wird unter anderem ein Siegershirt vom vergangenen Sonntag mit den Unterschriften der kompletten Mannschaft und auch ein Trikot von Heike Ahlgrimm, die gemeinsam mit Anne Müller als beste Spielerin des Turniers ausgezeichnet wurde, wird verlost.