21.04.2010 18:05 Uhr - 1. Bundesliga - Felix Buß & Frank Härterich - hbvf.de

30:29 - Göppingen vergibt gegen Oldenburg gute Ausgangsposition

Julia Wenzl traf am Ende nach Belieben.Julia Wenzl traf am Ende nach Belieben.
Quelle: Hermann Jack
Bis zum 13:14-Pausenstand hielten Göppingen und Oldenburg die fehlerträchtige Partie offen, Surkova und Meisl lieferten sich im Tor ein Duell auf Augenhöhe. Göppingens „Spielerin der Saison“ konnte in der ersten Hälfte der zweiten Halbzeit an diese Leistung anknüpfen und war so hauptverantwortlich dafür, dass Göppingen zehn Minuten vor Schluss mit 26:21 führte. "Wir haben den Vorsprung in Überzahl verloren", haderte Knezevic aber am Ende, denn Surkova kam zurück. Oldenburg bäumte sich auf und errang trotz der 29:30-Niederlage eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel am Samstag. Martina Fritz erzielte neun Feldtreffer für die Gastgeberinnen, Wenzl (6) dominierte die Oldenburger Aufholjagd.

Die Aufmerksamkeit beider Deckungsreihen währte im Hinspiel des Bundesliga-Viertelfinals zwischen Göppingen und Oldenburg nur kurz. Nach zwei Minuten eröffnete Martina Fritz den Torreigen mit einem Treffer für die Gastgeberinnen, danach erhöhten beide Teams das Tempo. Diese Hatz gipfelte nach Neuendorfs 3:2-Treffer (4.) in einer fehlerreichen Episode, in der Spielerinnen beider Teams abwechselnd das Spielgerät aus der Hand gaben - über vier Minuten fiel kein einziger Treffer. Oldenburg ergriff danach den Spielfaden als erstes, Neuendorf distanzierte Göppingen mit dem 4:2 (8.) erstmals auf zwei Treffer. Göppingen gelang nochmals der Anschluss, aber die zwischen Licht und Schatten agierende Angie Geschke erhöhte postwendend mit einem Doppelschlag auf 6:3 (11.).

Allerdings gelang es den Gästen nicht sich abzusetzen. Stellbrink stellte mit zwei Treffern den Anschluss wieder her und Anna-Lena Unseld parierte nach 19 Minuten Anita Herrs Treffer, indem Sie einen Konterpass von Alexandra Meisl volley versenkte. Leszek Krowicki hatte die Ungarin aufs Feld geschickt um Angie Geschke nach einigen technischen Fehlern eine Pause zu gönnen. Göppingen nutzte diese geschlossene Flanke und Alena Vojtiskova brachten die Göppingerinnen nach dem 9:8 (21.) wiederholt in Führung. Bei Oldenburg sorgte Sabrina Neuendorf dabei jeweils für den Ausgleichstreffer, während ihre Kolleginnen mit der Göppinger Harakiri-Abwehr wenig anfangen konnten. Sie brachte die Gäste mit dem 13:12 (27.) kurz vor der Pause wieder in Vorlage, da Göppingen in punkto Fehlerzahl in den letzten Minuten vor dem Wechsel wieder überlegen war.

Beste Spielerinnen auf dem Feld waren bis zum 14:13-Pausenstand die Torfrauen, Alexandra Meisl und Tatjana Surkova verzeichneten jeweils sechs Paraden. Oldenburg verließ sich in der Offensive nur auf Geschke und Neuendorf, die mit sechs und fünf Toren den Löwenanteil der Treffer gesetzt hatten. Nach erneut zerfahrenem Start konnten die Göppingerinnen ihre Abwehr wieder stabilisieren und sich durch leichte Treffer zum 18:15 (35.) erstmals auf drei Tore absetzen. Doch eine unnötige Zeitstrafe für Stellbrink setzte dem aufkeimenden Lauf der Gastgeberinnen zunächst ein Ende, mit Stange und Wenzl hatten die Flügelspielerinnen der Norddeutschen zwei ihrer bis dahin wenigen Glanzmomente zum 18:17-Anschluss (38.) aus Gästesicht.

Göppingen musste neben dem geschwind geschmolzenen Vorsprung einen weiteren Nackenschlag verbuchen, als Katrin Schröder zum zweiten Mal auf die Sünderbank musste. Doch das Publikum hatte weiter Grund zum Jubeln, denn Meisl parierte drei Würfe infolge, darunter einen Siebenmeter nebst Nachwurf. Zwanzig Minuten vor Abpfiff hatte Göppingen somit noch immer alle Trümpfe in der Hand. Dangel setzte mit ihrem ersten Treffer ein weiteres Ausrufezeichen und Schulz verwertete im Gegenstoß. Nach 47 Minuten lag Göppingen beim 23:19 erstmals mit vier Toren vorne. Die 4:2-Abwehr des VfL stellte die Schwäbinnen nicht vor Schwierigkeiten, Fritz erzielte beim 25:21 bereits ihren achten Treffer. Als Nicole Dinkel ebenfalls traf, war Leben in der Arena.

Während Meisl weiterhin brillierte, konnte Gästetorfrau Tatjana Surkova erst jetzt ihre erste Parade des zweiten Durchgangs verzeichnen und machte auch Dangels Nachwurf zunichte, die ihren Fehler beim 27:22 aber sofort korrigierte. Strittige Schiedsrichterentscheidungen, von denen es nur einige wenige gab, heizten die Atmosphäre zusätzlich auf, aber Oldenburg behielt kühlen Kopf und rückte auf 28:25 (55.) heran. Aggressivität brachte Oldenburg ins Spiel zurück und wahrte die Chance, im Rückspiel für ein positives Ergebnis zu sorgen, weil es Göppingen, vielleicht im Gefühl des sicheren Sieges, an Ideen in der Offensive mangelte und das Team von Alex Knezevic in der Abwehr häufig den entscheidenden Schritt zu passiv war. Julia Wenzl gestaltete die Aufholjagd mit ihren insgesamt sechs Treffern und stellte auch den 29:30-Anschluss her (59.). Den Ausgleich durch Stange konnte am Ende aber Meisl verhindern, sodass das der Spielstand bis zum Abpfiff bestehen blieb. Im Rahmen der Partie wurden die scheidenden Göppinger Spielerinnen sowie der langjährige Betreuer Karl-Fred Hoss emotional verabschiedet.

Stimmen

Leszek Krowicki, Trainer VfL Oldenburg
Wegen der vielen Abschlussfehler und technischen Fehler haben wir das Spiel verloren. Allerdings ist es trotzdem ein gutes Ergebnis, weil wir das Rückspiel zuhause haben. Nach den fünf Toren Rückstand hat meine Mannschaft Moral gezeigt und das ist gut für uns. Das Endergebnis ist akzeptabel, da alles noch offen ist.

Aleksandar Knezevic, Trainer Frisch Auf Frauen
Mit dem Sieg bin ich zufrieden. Schade, dass wir die fünf Tore Vorsprung nicht halten konnten, denn das wäre durchaus realistisch gewesen. Wir haben den Vorsprung in Überzahl verloren, allerdings haben wir noch die Chance in Oldenburg zu gewinnen, wenn wir gut spielen und kämpfen.