21.04.2010 04:00 Uhr - 1. Bundesliga - Ole Rosenbohm - VfL Oldenburg

Oldenburgerinnen wollen in Göppingen Grundstein legen

Am Dienstag um 16.30 Uhr sind die Bundesliga-Handballerinnen des VfL Oldenburg in den Mannschaftsbus gestiegen, am Mittwoch treten sie bei Frisch Auf Göppingen zu ihrem ersten Play-off-Spiel an. Die Entscheidung, wer das Halbfinale gegen den Sieger des Duells Bayer Leverkusen gegen Frankfurter HC erreicht, fällt dann am kommenden Samstag um 16.30 Uhr in der EWE Arena. Nicht dabei ist die erkrankte Monic Burde.

Der VfL will unbedingt die Runde der letzten Vier erreichen, auch um kommende Saison wieder in einem internationalen Wettbewerb zu spielen. Konkurrenzfähigkeit auf internationaler Ebene bewies der Rückrunden-Meister der Bundesliga-Hauptrunde spätestens am vergangenen Samstag, als KIF Vejen im dänischen Kolding mit 25:22 besiegt wurde. "Wir haben schon im Hinspiel gemerkt, dass wir mithalten können. Doch da hatten wir noch zu viel Angst und waren verkrampft", blickte Oldenburgs Sportlerin des Jahres 2009 Wiebke Kethorn auf das letztlich bereits entscheidende erste Spiel gegen Vejen zurück und merkte zu Spiel zwei an: "Im Rückspiel lief es richtig gut. Es hat nicht gereicht, aber wenigstens haben wir Selbstvertrauen gesammelt."

Das seit Monaten nur durch wenige Aussetzer unterbrochene anhaltend gute Niveau soll dem VfL nun das erste Mal seit 1985 wieder in ein Halbfinale um die Meisterschaft bringen. Damals spielten die beiden besten Teams der Bundesligen Nord und Süd die Vorschlussrunde aus. Insgesamt vier Mal war der VfL dabei: 1981 (Halbfinale), 1983 (Vizemeister), 1984 (Halbfinale) und 1985 (Halbfinale). Nach Einführung der eingleisigen Ersten Liga gab es in den 1990er Jahren keine Playoffrunde, diese wurden erst zur Saison 2004/05 wieder eingeführt, erst mit acht, in den vergangenen vier Spielzeiten mit vier und nun erstmals wieder mit acht Teams.

Negativ auswirkenden Druck will Kethorn in Göppingen nicht spüren: "Nein, überhaupt nicht. Über die Saison gesehen spielen wir sehr konstant. Alle bei uns im Team sind besser geworden, und in den wichtigen Spielen sind wir sowieso immer da." Gleichwohl ist auch ein Aus im Viertelfinale möglich. Gegen Göppingen tat sich Oldenburg schon öfter schwer. Das Heimspiel am 13. Januar gewann der VfL zwar noch deutlich mit 32:26, zwei Monate später kam das Team von Trainer Aleksandar Knezevic in letzter Sekunde zum 25:25-Ausgleich. Am ehesten erinnert sich Kethorn, die in dieser Saison in Meisterschaft (22), Pokal (3), Europapokal (8), Supercup (1) und Nationalmannschaft (21) 55 Spiele seit Anfang September absolviert hat an das 24:33 am vorletzten Spieltag der vergangenen Saison, womit der VfL zwei Wochen nach dem DHB-Pokalsieg den Einzug in die damals ausgespielten Vierer-Play-offs verpasst hatte. Kethorn: "Das wird uns diesmal nicht wieder passieren."

Optimistisch ist auch Leszek Krowicki. Auf die Frage, ob Oldenburg Göppingen angesichts von sechs Spielen gegeneinander in dieser und der vergangenen Spielzeit noch überraschen könne, antwortete der Coach mit einem klaren "Ja". Der VfL habe noch taktische Mittel in der Hinterhand. "Auch im Europacup haben wir gelernt, dass wir sehr viel können, dass wir in allen Bereichen Fortschritte gemacht haben." Allerdings wird der VfL auf Monic Burde verzichten müssen, die wegen einer Magen-Darm-Erkrankung ihre Mitfahrt absagen musste. Dazu fehlt weiter Anna Badenhop (Knorpelschaden), sonst sagte niemand ab. Vor ihrem ersten Einsatz auf der Platte nach ihrem Kreuzbandriss steht sogar Linksaußen Kim Birke. "Sie arbeitet sehr, sehr gut und drängt auf ihr Comeback. Das muss ich wohl irgendwann, vielleicht schon am Mittwoch oder Samstag, mit einem Einsatz belohnen", sagt Krowicki, der noch anfügt: "Wir sind alle sehr fertig, im Team sind nur zwei oder drei vollständig gesund."

Prunkstück des Göppinger Spiels ist der Rückraum mit den wurfstarken Birute Stellbrink, Alena Vojtiskova oder Martina Fritz. Krowicki verrät, was ohnehin klar ist: "Gegen die zweite Reihe Göppingens müssen wir aggressiv und beweglich spielen. Das hat schon gegen Vejen vorzüglich geklappt." Der VfL verbringt die Nacht vor dem Hinspiel im von Oldenburg 500 Kilometer entfernten Mannheim, fährt die letzten 175 Kilometer am Mittwoch. Zurück geht es in einem Zug nach dem Spiel. Dann will das Team auch eine gute Ausgangsposition für die Partie am Samstag im Gepäck haben.