06.04.2010 06:13 Uhr - 2. Bundesliga Süd - Ingo Feiertag - Südkurier

Lena Landenberger: Mehr als nur Blumen, Bussi und Bye-bye

Lena LandenbergerLena Landenberger
Quelle: SV Allensbach
Nach dem 34:21-Heimsieg über den TV Beyeröhde, mit dem der direkte Abstieg verhindert worden war, gebe es „fast nur gute Botschaften, doch ich muss auch ein bisschen melancholisch werden“, sagte Manfred Lüttin, Manager des SV Allensbach. Seit der Verein vor mehr als 20 Jahren in die 2. Bundesliga aufgestiegen ist, erlebt Lüttin solche Momente stets am Saisonende, nach dem letzten Heimspiel. Ein Blumenstrauß als Geschenk, ein Bussi auf die Backe – wie viele Handballerinnen Lüttin in seiner Laufbahn so wohl schon verabschiedet hat? Die Abschiedsküsschen verteilt er meist nur ungern, doch es gibt diese Momente, in denen es besonders wehtut, Ade sagen zu müssen. Am Samstag vorheriger Woche war einer dieser Momente: Lena Landenberger hatte ihr letztes Heimspiel bestritten.

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„Leider, leider und noch mal leider hat Lena Landenberger heute ihr letztes Heimspiel gemacht“, fuhr Lüttin also mit dünner Stimme fort. Ein sehr emotionaler Abschied. Nicht nur, weil die mit Abstand beste Spielerin eine Riesenlücke im Rückraum hinterlassen wird, sondern auch weil eine menschlich überaus wichtige Persönlichkeit den SV Allensbach verlassen wird. Der Grund ist keine neue Herausforderung, sie geht zu keinem anderen Club. Der Grund für den Abschied von Lena Landenberger ist die Gesundheit.

„Ich habe alles versucht, sie zum Weitermachen zu überreden, aber sie hat klipp und klar gesagt, dass es nicht mehr geht“, erklärt Lüttin, „da hilft auch kein Sponsor, der mit den Geldscheinen winkt.“ Zweimal hatte sie sich den Meniskus eingerissen, dabei wurde der Knorpel beschädigt. Zuletzt waren die Schmerzen im Knie so groß gewesen, dass sie alles Positive am Handball in den Hintergrund gedrängt hatten. „Ich habe immer gesagt, dass ich nicht weitermachen werde, wenn die Schmerzen nicht aufhören, und das war der Fall. Irgendwann macht es einfach keinen Spaß mehr“, sagt Landenberger selbst, die bereits im Dezember ihre Entscheidung bekannt gegeben hatte, ehe der Verein am Samstag damit an die Öffentlichkeit ging. Nach dem Training und den Spielen habe das Knie geschmerzt, im Alltag müsse sie aufstehen wie eine alte Frau, sagt die Balingerin. Sie ist 26.

Als sie vor sieben Jahren über Albstadt und Sindelfingen zum SV Allensbach gewechselt war, konnte noch niemand ahnen, wie wichtig sie für diesen Verein einmal werden würde. Gut, fast niemand. „Ich habe sie aus der Regionalliga kommen sehen und schon damals gesagt: Das wird eine ganz Große“, so Manager Lüttin, der ergänzt: „Sie hat das gehalten, was wir uns von ihr versprochen hatten.“ Gleich in ihrer ersten Saison schoss die Rückraumspielerin 136 Tore für den SV Allensbach, nur die heutige Erstligaspielerin Kerstin Wohlbold traf damals häufiger. Insgesamt erzielte Lena Landenberger in ihren sieben Spielzeiten trotz vieler Verletzungsausfälle 872 Treffer für Allensbach.

Derzeit führt sie die Schützenliste der 2. Bundesliga Süd mit 167 Toren an. „Sie hat sich jedes Jahr spielerisch weiter entwickelt. Jetzt ist sie am Zenit. Besser war sie nie“, sagt Trainerin Sonja Pannach, die von 2003 bis 2007 mit Landenberger beim SVA spielte. „Es tut mir unheimlich leid, dass sie ihre Karriere so früh beenden muss.“ Auch wenn Pannach sie vor der Saison 2006 auf der Allensbacher Homepage als „Wurfverweigerungsmaschine“ bezeichnet hatte, torgefährlich war Lena Landenberger schon immer. Jetzt glänzt sie aber auch als Abwehrchefin, eiskalte Siebenmeterschützin und als perfekte Passgeberin für ihre gute Freundin Babsi Harter am Kreis.

Nicht nur wegen ihrer tollen Tore und der präzisen Pässe ist Lena Landenberger „eine Institution beim SV Allensbach, die gar nicht wegzudenken ist“, wie Manager Lüttin sagt. „Sie ist eine starke Persönlichkeit, auch neben dem Feld“, ergänzt Trainerin Jenny Wiedenmaier. Für Lüttin ist Landenberger „menschlich ein Riesentyp“. Es werde eine große Aufgabe, „diese Lücke einigermaßen zu schließen“, sagt Lüttin, der Landenberger in dieser Saison Leistungen „absolut auf Erstliganiveau“ bescheinigt. Mit einigen potenziellen Nachfolgerinnen stehe er in besten Kontakten. Trotzdem befürchtet Trainerin Jenny Wiedenmaier: „Lena kannst du nicht 1:1 ersetzen“, und bittet um Geduld für Neuzugänge: „Man muss ihrer Nachfolgerin eine Chance geben. Lena hat in ihrem ersten Jahr auch nicht so gut gespielt wie jetzt.“ Jetzt, im besten Handballeralter, im besten Jahr ihrer Karriere, die am 10. April gegen 20.30 Uhr in Metzingen wohl zu Ende sein wird.

Wobei: „Ganz ohne Handball kann ich nicht“, sagt Landenberger. Sie will und wird dem SV Allensbach, dem Verein in ihrer „zweiten Heimat“, erhalten bleiben, in welcher Funktion ist noch nicht sicher. Natürlich würde sie am liebsten weiterspielen und nicht gerade jetzt aufhören, wo es am schönsten ist. Das Wichtigste ist im Moment aber natürlich ihre Gesundheit. Die und der Klassenerhalt, den der SV Allensbach in Metzingen endgültig sichern möchte.