28.03.2010 15:32 Uhr - 1. Bundesliga - Felix Buß - hbvf.de

Göppingen sichert mit Derbysieg gegen Sindelfingen endgültig Play-offs

Birute Stellbrink erzielte neun TrefferBirute Stellbrink erzielte neun Treffer
Quelle: sportseye.de
Der VfL Sindelfingen konnte am gestrigen Samstag durch das Unentschieden von SVG Celle gegen Dortmund vorzeitig den Klassenerhalt feiern. Von einem Befreiungsschlag war beim Spiel in Göppingen gegen die Frisch Auf Frauen jedoch wenig zu spüren. Dennoch tat sich Göppingen schwer, Sindelfingen schloss beim 18:15 (35.) nochmals auf drei Tore auf, Göppingen spielte jedoch seine Routine aus und setzte sich auf 21:15 ab. Die Grundlage für den 32:24-Sieg war geschaffen, zu dem Stellbrink neun und Martina Fritz sieben Treffer beisteuerten und dessen sicherer Rückhalt Torfrau Alexandra Meisl war. Freudemann und Weigelt (je 5) waren die besten Schützinnen der Gäste.

Leichte Fehler genehmigten sich beide Teams im Schwabenderby in der Anfangsphase. Alexandra Meisl setzte zwar mit einem gegen Sindelfingens Toptorschützin Iris Cartarius parierten Strafwurf ein erstes Ausrufezeichen, doch Rösler rettete den Abpraller und Cartarius glich zum 2:2 (5.) aus. Kurz darauf konnte sich Göppingen aber erstmals leicht absetzen und führte nur eine Minute später mir 4:2. Sindelfingen schien nervös, doch die Gastgeberinnen waren in dieser Phase nicht in der Lage, von den technischen Fehlern der Gäste zu profitieren. Stattdessen gelang dem VfL schon beim 4:4 (8.) durch Meier wieder der Ausgleich. Sechs Möglichkeiten aus dem Positionsangriff in Folge vergaben die Frisch Auf Frauen, rächen sollten sich die Unzulänglichkeiten jedoch nicht.

Sindelfingens Torfrau Magdalena Chemicz hatte ihre Stärke bisher noch nicht zeigen können und die Polin ging auch aus dem Siebenmeterduell mit Birute Stellbrink zum 5:5-Ausgleich als Verliererin hervor. Da die Sindelfinger Defensive weiterhin zu passiv blieb, hatte Stellbrink beim 7:5 ebenso freie Wurfbahn. Göppingen konnte nun die technischen Fehler der Gäste nutzen und setzte sich nach einer Viertelstunde wieder leicht ab. Doch Optimismus kam bei den Gastgeberinnen nicht auf, beim 8:8 durch Freudemanns Strafwurf war das Zwischenergebnis erneut ausgeglichen. Wieder legte Göppingen nun zwei Treffer zwischen die Kontrahenten, nach dem 11:9 (21.) reichte Sindelfingen allerdings eine einfache Finte, um durch die gut spielende Weigelt zum Anschluss zu gelangen.

Sindelfingen schien dranbleiben zu können und war nach einer schönen Kombination zwischen Cartarius und Fischer am Kreis zum 12:11-Anschluß fünf Minuten vor der Pause noch immer auf Augenhöhe. Doch nach dem zwölften Gegentreffer durch Engel schien ein Ruck durch die Göppinger Defensive zu gehen. Die Grün-Weißen erarbeiteten sich in der Schlussphase vor der Pause einige Bälle und brachte das Spielgerät, im Gegensatz zu einigen Situation zuvor, trotz Unterzahl auch ins Tor. Fritz und Stellbrink mit ihrem fünften Treffer und Breidert sorgten für das 16:12. Anna-Lena Unseld hatte mit der Sirene noch die Möglichkeit, weiter am Spielstand zu schrauben, doch sie scheiterte mit ihrem Gegenstoß an Chemicz.

Fritz eröffnete den Torreigen nach der Pause und distanzierten die Gäste beim 17:12 (31.) erstmals auf fünf Treffer. Aber Sicherheit kehrte nicht ins Göppinger Spiel ein, beim Stand von 18:15 (35.) zitterten die Zuschauer schon wieder. Aufgrund der aussichtsreichen sportlichen Situation Sindelfingens zum Ende des Grunddurchgangs waren über 200 Gästefans in die EWS Arena gekommen, um ihr Team anzufeuern. Sie waren aber weitgehend verstummt, als Magdalena Chemicz sich im Gästetor steigern konnte. Doch wussten ihre Vorderleute daraus keinen Nutzen zu ziehen: Gleich reihenweise wurden gute Möglichkeiten ausgelassen. Göppingen bedankte sich mit drei Treffern in Folge zum 21:15 und gelangte allmählich auf die Siegerstraße, zumal Stellbrink einen Abpraller von Meisl aufsammelte.

In einer langsam verflachenden Partie setzte die eingewechselte Nicole Dinkel zwölf Minuten vor Schluss mit einem lauten Kracher ein Signal, von der Latte tropfte der Ball zum 24:18 ins Tor. Gästetrainer Emir Hadzimuhamedovic bestellte seine Schützlinge zum Zuhören an die Seitenlinie. Er verlangte mehr Engagement und Sindelfingen sammelte ein wenig Selbstbewusstsein, sodass eine lebendige Schlussphase entstand. Unseld korrigierte eine unglückliche Aktion von Jessica Schulz mit dem 29:22-Abstauber (56.), ehe Schulz selbst erfolgreich konterte. Der letztlich Göppinger 32:24-Erfolg lässt die Tür zu einer besseren Platzierung für die Play-offs offen, die nun erreicht sind.


Stimmen

Emir Hadzimuhamedovic, Trainer VfL Sindelfingen
Wir haben uns für das Spiel mit Sicherheit einiges vorgenommen. Die Brisanz des Spiels in der Nähe war bestimmt auch ein Grund dafür, dass ein spannendes Spiel zu erwarten war. Man sagt nicht umsonst, so ein Derby hat eigene Gesetze. Trotz der Tatsache, dass wir bestimmt nicht so gut besetzt sind wie Göppingen, hatten wir uns einiges vorgenommen. Wir wollten hier ein spannendes und gutes Spiel anbieten, das ist uns aber leider nur am Anfang phasenweise gelungen. Um hier etwas zu reißen, hat uns heute die Aggressivität gefehlt und die Bereitschaft, mehr zu investieren. Was ganz typisch ist für unsere Mannschaft: Wenn wir Spiele gewinnen wollen, dann müssen unsere Leistungsträger auch einen richtig guten Tag erwischen. Das war heute nicht der Fall. Insgesamt, auch durch die dummen Tore in unseren guten Abwehrphasen, ist das Fünkchen Hoffnung, dass wir das Spiel drehen können, leider nicht gekommen. Wir waren in der zweiten Halbzeit einmal auf drei Tore dran, haben aber wieder technische Fehler gemacht. Heute war Göppingen eindeutig die bessere Mannschaft. Wir haben mit ein paar angeschlagenen Spielerinnen zu kämpfen gehabt. Der Sieg von Göppingen geht somit in Ordnung.

Aleksandar Knezevic, Trainer Frisch Auf Frauen
Ich bin sehr zufrieden. Das Spiel heute war sicher wichtig für uns. Zum einen haben wir durch diesen Sieg die Play-offs erreicht und außerdem wollten wir dieses prestigeträchtige Derby gewinnen. Wir haben es geschafft, nicht in Hektik zu verfallen und haben mit klarem Kopf agiert. Seit ein paar Wochen spielen wir eigentlich Play-offs, jedes Spiel war wichtig für uns, sodass wir heute dafür qualifizieren konnten. Die Abwehr hat heute ein großes Lob verdient, Alex Meisl hat heute gut da gestanden und wir haben auch nicht zu viele technische Fehler gemacht. Jetzt kommt das Finale der Hauptrunde gegen Frankfurt/Oder. Da können wir noch einen Schritt nach vorne machen und vielleicht Sechster werden. Als Achter würden wir auf Leipzig treffen, die haben zwar momentan eine kleine Krise, aber die sind immer noch eine Topmannschaft. Deshalb müssen wir acht geben. Die Gegner in der Spitzengruppe sind alle sehr stark, das wird sehr knapp. Für die nächste Saison ist alles noch offen, insbesondere im Tor und auf der Mitte haben wir Sorgen Ersatz für unsere Leistungsträgerinnen Meisl und Fritz zu finden, die aufhören werden. Das ist alles noch offen. Wir wollen da Spielerinnen finden, die uns weiterbringen, da müssen wir gründlich suchen.

Anna-Lena Unseld, Frisch Auf Frauen
Wir schauen allgemein von Spiel zu Spiel und wir müssen eigentlich immer hundertprozentigen Einsatz geben. Dass wir heute sicher in den Play-offs sind, ist ein wichtiger Schritt. Jetzt schauen wir, was da zu reißen ist. Heute war ich schon aufgeregt, wir haben in der Videobesprechung darüber geredet, dass wir nur erfolgreich sein können, wenn wir als Mannschaft auftreten. Emir kennt unsere Schwächen. Ich denke, dass ist uns auch ganz gut gelungen. Heute ging es auch um Ruhm und Ehre und das haben wir heute für uns entscheiden können.