07.03.2010 17:37 Uhr - 1. Bundesliga - Felix Buß - hbvf.de

Göppingen trotzt Oldenburg Unentschieden ab

Oldenburg kam erst nach zehn Minuten ins Spiel, gab dann allerdings die Führung bis zum Spielende nicht mehr her. Mehrfach führte die Sieben von Leszek Krowicki mit drei Toren, konnte diesen Vorsprung aber nicht verwalten. Im Schlussspurt zog Göppingen, wie zuvor in Blomberg, mit viel Einsatz in letzter Sekunde mit 25:25 gleich. Taktische Mängel auf beiden Seiten verliehen der insgesamt niveauarmen Partie immer wieder Spannung, letztlich profitierte Göppingen vor allem von den etwa 20 Paraden Alexandra Meisls, Christine Dangel (9/5) verwandelte als beste Schützin alle fünf Strafwürfe. Für Oldenburg waren Geschke und Kethorn je fünfmal erfolgreich, auch VfL-Torfrau Tatjana Surkova machte vor 1000 Zuschauern ein gutes Spiel.

Anna-Lena Unseld traf zwei Sekunden vor Schluss.Anna-Lena Unseld traf zwei Sekunden vor Schluss.
Quelle: sportseye.de
Die Frisch Auf Frauen fanden gegen Oldenburg schnell in die Partie, während die Mannschaft von Leszek Krowicki gedanklich noch im Bus zu sein schien. Nach dem 1:1-Ausgleich durch Geschke traute sich Göppingen nach dem sehenswerten Führungstreffer durch Dangel (4.) immer mehr zu und profitierte beim 3:1 von einem Abpraller, kurz darauf eroberte Schulz den Ball und konterte zum 4:1 (5.). Oldenburg zeigte sich derweil in der Abwehr kämpferisch, scheiterte aber das eine ums andere Mal vor dem Tor der Gastgeberinnen oder an Alexandra Meisl, die hervorragend begann. Oldenburg wirkte dadurch zunehmend irritiert, Leszek Krowicki konnte nicht anders, als nach dem 2:6 (7.) durch Schulz die Auszeit zu fordern.

Das half, Oldenburg blieb dran und schaffte weitere sieben Minuten später die Wende. Zwei Konter führten Oldenburg zunächst auf 5:6 (11.) heran, Stange hatte getroffen. Weitere technische Fehler des VfL konnte Göppingen in dieser Phase nicht nutzen, die Offensive um Martina Fritz entwickelte kaum Ideen, um die Oldenburger Abwehr in Bedrängnis zu bringen. Vier Minuten traf Göppingen somit das Tor nicht, erst die insgesamt blass agierende Birute Stellbrink fasste sich beim 7:5 ein Herz. Doch nun hatte Oldenburg den psychologischen Vorteil. Neuendorf scheiterte zwar an Meisl, aber Kethorn schnappte sich den Abpraller. Kurz darauf traf beim 7:7-Ausgleich Neuendorf selbst von der Strafwurflinie.

Oldenburgs inzwischen druckvolles Offensivspiel hatte die zu Beginn starke Göppinger Deckung auseinander dividiert, Neuendorf und Kethorn zogen nahezu unbedrängt ihre Kreise und brachten den VfL beim 7:9 erstmals in Führung. Eine Göppinger Auszeit unterbrach schließlich den aufkommenden Oldenburger Spielfluss. Dangel hatte beim 9:10-Strafwurf (20.) zudem Glück. Neuendorf distanzierte Göppingen zwar auf 10:13 (23.), doch Oldenburgs Konzentration schwand und Dangel und Schulz führten Göppingen auf 13:14 (29.) heran. Auch den letzten Akzent in der ersten Spielhälfte setzte mit Schulz eine Göppingerin, die in den Schlusssekunden einen Freiwurf zum 15:16 direkt ausführte statt die Sperre zu stellen.

Kurz nach Wiederanpfiff hatte Göppingen erneut Glück: Aleksandar Knezevic schickte in Unterzahl Nicole Dinkel als sechste Frau aufs Feld und der Plan schien nach hinten los zu gehen. Dreimal eroberte Oldenburg den Ball, doch zwei direkte Würfe landeten neben dem leeren Göppinger Tor, der dritte aus dem Positionsangriff wurde zur Beute von Alex Meisl. So überstanden die Gastgeberinnen diese brenzlige Situation ohne Gegentreffer, zumal sich Meisl an ihre starke erste Viertelstunde erinnerte. Allerdings sorgten technische Fehler und schlechte Entscheidungen in der Offensive aufseiten Göppingens immer wieder dafür, dass Oldenburg nicht ernsthaft in Bedrängnis geriet. Schulz brachte als neue Regisseurin keine Struktur ins Göppinger Offensivspiel und so führte Oldenburg nach 40 Minuten beim 20:17 erneut mit drei Toren.

Anscheinend war dies das Signal für Göppingen für einen Zwischenspurt, der jedoch zunächst an der Umrandung des gegnerischen Tores sowie an Tatjana Surkovas Armen oder Beinen hängen blieb. So konnten die Gastgeberinnen die zahlreichen Impulse ihrer Torfrau nicht aufgreifen, der 19:20-Anschlusstreffer blieb trotz mehrerer Möglichkeiten aus. Erst nach 48 Minuten gelang Vojtiskova das 19:21, während Oldenburg an der Göppinger Abwehr zu verzweifeln schien. Kurz darauf war es die aufs Feld zurückgekehrte Martina Fritz, die den 20:21-Anschlusstreffer setzte. Meisls vierzehnte Parade nutzte Verena Breidert nur Sekunden später zum umjubelten 21:21-Ausgleichstreffer. Zehn Minuten vor Abpfiff war das Spiel wieder offen.

Bei einem Unentschieden sollte es letztlich bleiben, obschon Anita Herr von der Siebenmeterlinie nach 55 Minuten für die Oldenburger 24:21-Führung sorgte. Kurz zuvor war Kethorn nach einer empfindlichen Ballberührung mit dem Kopf allerdings ausgefallen und dieses, wenn auch kurzzeitigen, Personalproblem schienen die Gäste nicht kompensieren zu können. Dangel erzielte das 22:24 Dinkel setzte sich zum 23:24 durch. In den verbleibenden zwei Minuten gelang den Gästen nur noch ein Treffer, während Dangel und Unseld, zwei Sekunden vor Schluss, Göppingen zum unerwarteten und angesichts des Spielverlaufs glücklichen 25:25-Punktgewinn trugen. Oldenburg hatte mehrfach mit drei Toren geführt, konnte diesen Vorsprung aber nie verwalten verwalten und muss im Kampf um Rang drei mit nur einem Punkt leben. Göppingen hat das erste Etappenziel "Klassenerhalt" erreicht und bewahrte im dramatischen Endspurt die Ruhe.

Stimmen

Leszek Krowicki, Trainer VfL Oldenburg
Ich musste am Anfang gleich ein Time-out nehmen, um unsere Fehler abzustellen. Dann haben wir ständig geführt. Deswegen bin ich nicht unbedingt zufrieden. Am Ende doch noch den Ausgleichstreffer zu bekommen, ist doch ein Stück weit ärgerlich. Aber der Rückraum von Göppingen war immer gefährlich. Insgesamt haben wir ein gutes und spannendes Spiel gesehen. Wir haben mit sehr wenigen Wechseln gespielt, ich muss darüber zukünftig nachdenken. Ich denke, dass beide Trainer heute nicht enttäuscht sind. Mehr als einen Punkt haben wir heute wahrscheinlich nicht verdient. Ich hoffe, dass wir den dritten Platz verteidigen können. Wir haben noch etwas, was wir gern erreichen wollen, aber dafür müssen wir leider noch kämpfen und arbeiten. Wir möchten uns gern für Riesa qualifizieren und die nächste Runde im Europapokal der Pokalsieger erreichen. Hoffentlich hilft uns da wieder das Heimpublikum, vor allem im Pokal gegen Blomberg. Wenn die Platzierungen so bleiben, wir Dritter und Göppingen Sechster, treffen wir in den Playoffs wieder auf einander. Ich nehme das gerne, es gibt keine Wunschgegner. Wir müssen erst einmal sehen, dass wir unser Ziel erreichen. Wir haben gegen Celle drei Punkte verloren, da sollten wir nicht rechnen, gegen welche Mannschaft wir am liebsten spielen wollen.

Aleksandar Knezevic, Trainer Frisch Auf! Göppingen
Heute war eine Wiederholung des letzten Spiels in Blomberg. Wir sind am am Ende mit drei Toren zurück gelegen, haben dann aber mit viel Kampf, viel Glauben dass es reicht, einen Punkt geholt. Nach unserer guten Phae zu Beginn haben wir die Linie verloren und ein bisschen Angst bekommen. Wir müssen vor allem an unserem Timing im Angriff arbeiten. Am Ende hatten wir ein bisschen mehr Kraft und diesen Punkt gewonnen. Oldenburg hat vielleicht geglaubt, dass das Spiel schon vorbei sei. Das war ähnlich wie in Blomberg. Unser Ziel Klassenerhalt haben wir heute erreicht, aber unser Ziel Rang sechs wollen wir verteidigen. Leistung von Meisl war klasse heute. Sie hat etwa 20 Bälle gehalten. Auch Surkova im gegnerischen Tor hat eine super Leistung gezeigt, das Spiel wurde von den Torfrauen dominiert. Wir stehen kurz vor der Verlängerung zweier weiterer Spielerinnen, da können wir hoffentlich in den nächsten Tagen Vollzug melden.