03.02.2010 21:22 Uhr - 1. Bundesliga - Felix Buß / Frank Härterich - hbvf.de

Leipzig bleibt bei 31:24-Sieg in Sindelfingen lange gefordert

Mette Ommundsen war mit acht Toren erfolgreichste Werferin beim Meister.Mette Ommundsen war mit acht Toren erfolgreichste Werferin beim Meister.
Quelle: sportseye.de
Im ersten Spiel nach er Ära Plankenhorn, die Trennung erfolgte erst gestern, präsentierte sich der VfL Sindelfingen willensstark. Allerdings reichten eine gute erste Hälfte und eine 15:13-Pausenführung am Ende gegen den HC Leipzig nicht. Der amtierende Meister tat sich ohne Kudlacz und Wirén lange schwer und geriet nach der Pause gar mit 14:18 (35.) in Rückstand. Doch Leipzig spielte besonnen weiter und bekam mit einer soliden Abwehrarbeit Iris Cartarius (10/3) unter Kontrolle. Nach einer Tempoverschärfung setzte sich der Tabellenführer danach vorentscheidend von 21:20 (47.) auf 28:20 (56.) ab. „Konditionell und mental waren wir dann unterlegen“, musste Maja Sommerlund eingestehen. Müller (7), Ommundsen (6/4) und Augsburg (6) trafen am häufigsten für den Favoriten.

Sowohl Sindelfingen als auch Leipzig fanden schwer ins Spiel. Beide Teams beharkten sich über konzentrierte, aggressive Abwehrreihen, produzierten dabei aber im Angriff auch unbedrängt technische Fehler, sodass es in der zunächst beherzt geführten Partie nach sieben Minuten erst 2:2 stand. Zweimal hatte Sindelfingens Iris Cartarius dabei den Ball unhaltbar in den Winkel geworfen. Kurz darauf führten dann erstmals die Gastgeberinnen, als Ina Großmann einen Gegenstoß für den VfL zum 4:3 verwandelte. Die Partie nahm allmählich Fahrt auf, beide Mannschaften kombinierten nun zusehends besser und gestalteten das Spiel lebendig. Beim 6:5 (11.) bewies Cartarius erneut ihre Zielgenauigkeit und Sindelfingen blieb knapp vorn.

In dem Maße wie die Offensive beschleunigte, nahm die Abwehrqualität beider Teams ab, zumal weder Magda Chemicz noch Katja Schülke im Tor bislang ins Spiel gefunden hatten. Nach einer Viertelstunde hatte Sindelfingen dabei die Möglichkeit auf 9:7 zu erhöhen. Doch Sommerlund wurde beim Anspiel gehalten, statt eines Freiwurfs konterte Leipzigs Natalie Augsburg zum 8:8-Ausgleich. Zwei Sindelfinger Fehlwürfe nutzten die Gäste aus Sachsen daraufhin, um wieder in Vorlage zu gehen. Die Partie wogte weiterhin hin und her, Sindelfingen hielt sich mit hohen Würfen schadlos und Leipzig profitierte gleichermaßen von der Unachtsamkeit der Abwehr der Schwäbinnen. Augsburg als Einläuferin irritierte die Sindelfingerinnen, die durch einen Doppelschlag von Cartarius beim 13:12 (24.) dennoch wieder in Front gingen.

Auf Leipziger Seite wechselte nun Julia Plöger ins Tor. Zudem schickte Heine Jensen die groß gewachsene Kreisläuferin Luisa Schulze aufs Feld. Doch der Schachzug ging nicht auf, Chemicz parierte gegen Müller und Cartarius verwertete einen von Sommerlund erwirkten Strafwurf zur 15:13-Führung für den VfL Sindelfingen (29.). Die Gastgeberinnen kämpften verbissen um den Vorsprung und zwangen die Gäste zu Verlegenheitswürfen, so nahm Sindelfingen den knappen Vorsprung mit in die Kabine. „Wir haben es uns so schwer vorgestellt, weil eine abstiegsgefährdete Mannschaft immer kämpft“, kommentierten Natalie Augsburg und ihr Trainer Heine Jensen den Spielverlauf danach unisono.

Sindelfingen machte auch nach Wiederanpfiff das Spiel. Einem sehenswerten Treffer Karin Weigelts ließ Spielmacherin Julia Högl einen Hüftwurf zum 17:14 (34.) folgen, eine Chemicz-Parade nutzte Sommerlund und erhöhte erstmals auf vier Treffer. Die Führung schien kurz darauf in Unterzahl zu wanken, aber Leipzig leistete sich gegen Chemicz drei Fehlwürfe. Die Polin parierte unter anderem einen Strafwurf von Ommundsen. Der Vorsprung betrug nach 40 Minuten noch immer zwei Tore, doch die Sindelfinger Offensive agierte nun zu lahm, um Leipzig in Verlegenheit zu bringen. Die Gäste zeigten sich jetzt vor allem individuell stärker. Müller steckte den Ball an der Hüfte von Högl vorbei zum 18:17-Anschluss ins Tor und Ommundsen brachte die Sächsinnen beim 19:18 (42.) erstmals wieder nach vorn.

Über eine unaufgeregte und sichere Abwehrarbeit hatte sich Leipzig in einen Lauf gespielt, die Auszeit von Sindelfingens Interims-Trainergespann Klopfer / Bermanseder eine Viertelstunde vor Spielende war dringend geboten. Der Effekt währte jedoch nur sehr kurz. Cartarius gelang mit einem Strafwurf zum 20:21 (47.) nochmals der Anschlusstreffer. Doch die Beine Sindelfingens waren nun zu schwer, um den Favoritinnen den Sieg noch streitig zu machen. Ulbricht und Ommundsen brachten Leipzig beim 26:20 (54.) endgültig auf den Weg Richtung Sieg. Acht Minuten waren die Gastgeberinnen zu diesem Zeitpunkt ohne Treffer. Zudem war Sindelfingen nach einer Bankstrafe nur noch zu viert auf dem Platz, doch gerade in dieser Phase beendete Meier die VfL-Durststrecke mit dem 22:30 (58.). Bis zum 24:31-Endstand konnte der VfL danach lediglich noch etwas Ergebniskosmetik betreiben.

Stimmen zum Spiel

Heine Jensen, Trainer HC Leipzig
Wir wissen, dass es auswärts immer schwierig ist. Wir kennen die Situation in Sindelfingen von außen. Das ist keine einfache Zeit, aber auch eine Zeit, in der man eng zusammenrückt. Wir hatten erwartet, dass Sindelfingen eine kämpferische Leistung zeigen würde. Wir haben nach der ersten Halbzeit gesehen, dass wir uns steigern müssen und das haben wir dann auch immer besser geschafft. Rings um uns herum reden zurzeit alle nur über die Champions League, aber wir müssen auch in der Bundesliga spielen. Ich muss mich bei meinen Mädels bedanken, dass sie den Fokus auf die Liga halten. Man muss immer den Gegner mit Respekt behandeln. Es ist normal, dass alle von uns erwarten, dass wir überall gewinnen. Ich wünsche dem VfL Sindelfingen viel Erfolg.

Jens Bermanseder, Manager VfL Sindelfingen
Leipzig hat verdient gewonnen, keine Frage. Aber ich möchte meiner Mannschaft ein Kompliment machen, wir haben hier einen couragierten Auftritt hingelegt. Wir haben ein paar spannende Tage mit vielen Emotionen hinter uns. Wir haben in den letzten Tagen mehr gesprochen als trainiert. Wir haben heute mit einer anderen Mittelposition gespielt, Ina Großmann hat heute auch wieder gezeigt, dass sie sehr wertvoll für die Mannschaft ist. Wir müssen jetzt sehen, dass wir möglichst schnell einen Trainer bis Saisonende finden, das heute mit Claudia Klopfer war eine Interimslösung, die wir aus der Not geboren haben.

Natalie Augsburg, HC Leipzig
Wir haben es uns so schwer vorgestellt, weil eine abstiegsgefährdete Mannschaft immer kämpft. Da die Abwehr in der zweiten Halbzeit besser war, hatten es die Torhüter dann leichter. So haben wir das Spiel gewonnen.

Maja Sommerlund, VfL Sindelfingen
Nach den Ereignissen der letzten Tage waren die Köpfe natürlich nicht hundertprozentig frei. Die erste Halbzeit hat viel Kraft gekostet, weil sehr stark gekämpft haben. Konditionell und mental waren wir dann unterlegen.