20.01.2010 10:00 Uhr - 1. Bundesliga - Matthias Kornes

Ab jetzt genießen: Katja Schülke zum Erfolg des HCL

Riesenfreude: Katja SchülkeRiesenfreude: Katja Schülke
Quelle: Sebastian Brauner - sportSnine
Seit 2008 spielt Katja Schülke beim HC Leipzig. Nach der Meisterschaft in der vergangenen Saison konnte die deutsche Nationalspielerin mit dem HCL am letzten Wochenende den Einzug in die Hauptrunde der Champions League feiern. „Unter den besten acht in Europa zu sein, ist sowohl für die Mannschaft als auch für mich persönlich ein großer Erfolg“, sagt Schülke, die beim Frankfurter HC ihr Handwerk lernte und nun ein starker Rückhalt beim HCL ist. Wie die Vorbereitung auf das Spiel gegen Byasen Trondheim ablief und was die entscheidenden Faktoren zum Sieg waren, das verrät Schülke im Gespräch mit handball-world.com.

Es war ganz sicher kein normales Spiel, auch nicht für Nationalspielerin Katja Schülke - schließlich ging es um das Vorstoßen der besten acht Teams Europas. Trotzdem, Besonderes habe sie vor dem Spiel nicht gemacht, verrät die 25-Jährige: „Nein, es gab keine Besonderheiten oder Rituale. Die Vorbereitung auf dieses Spiel lief genauso ab, wie bei allen anderen Spielen. Es gab ein kurzes Video mit Informationen über einzelne Spielerinnen und anschließend ein Taktiktraining. Jeder von uns war bewusst, wie wichtig dieses Spiel ist und was zu tun ist, um zu gewinnen. Daher waren keine Besonderheiten nötig.“

Dass es auf eine starke Leistung im Tor ankommen würde, war vorher klar, umso wichtiger war die gezielte Vorbereitung auf den Gegner für Leipzigs Keeperin: „Auch meine Vorbereitung auf dieses Spiel lief ab wie immer“, erzählt Schülke, „ich habe mir im Vorfeld ein paar Minuten von unserem Spiel in Byasen angeschaut, da wir dort sehr schlecht gespielt haben. Beim Video stelle ich mich einfach auf die Stärken von jedem Spieler ein und weiß damit, welche Würfe von welcher Spielerin kommen. Natürlich hat das auch gegen Byasen geholfen.“

Mit den Partien in der Champions League standen Highlights für das Team an und auch die in Frankfurt/Oder geborene Katja Schülke genießt jede Minute internationalen Flairs: „Die internationalen Spiele sind für mich immer etwas besonderes, weil man sich mit den besten Teams und sehr guten Spielern messen muss. Sieg oder Niederlage hat meistens eine höhere Bedeutung als in der Bundesliga und die eigene Leistung ist dabei entscheidend. Die Champions League ist eine große Herausforderung, aber ich bekomme auch viel zurück. Das Erreichen der Hauptrunde ist ein toller Moment für uns alle gewesen und hat neue Kräfte freigesetzt.“

Neue Kräfte hatte der HCL insbesondere in der Abwehr gegen Byasen Trondheim mobilisiert, hier legten die Leipzigerinnen den Grundstein für den Sieg. „Eine gute Abwehr ist die Grundlage des Spiels vom HCL, denn dadurch können wir unseren Gegenstoß aufbauen“, bestätigt Schülke: „Ich habe das Glück, viele gute Abwehrspielerinnen in meinem Team zu haben. Die Chefs in der Abwehr sind dabei Sara Holmgren und Renate Urne, sie haben die Aufgabe die gesamte Abwehr zu organisieren. Die Spieler und ich haben dabei natürlich Regeln, an die wir uns halten müssen. Unsere Zusammenarbeit ist dabei vor allem durch Kommunikation geprägt. Wenn beispielsweise eine gegnerische Spielerin sehr erfolgreich ist, muss man schnell absprechen, was zu ändern ist: Soll die Deckung offensiver agieren, muss der Block korrigiert werden oder war es mein Fehler“, gibt die Torfrau Einblick in die Arbeit beim HCL.

Änderungen durchzubringen und flexibel zu agieren, das war auch gegen Trondheim nötig, denn lange Zeit lief es nicht, wie man sich das beim deutschen Meister gewünscht hatte. „Man hat von Beginn an gesehen, dass es für beide Mannschaften um viel ging. Wir haben in der Offensive viele Fehler gemacht, standen aber die gesamten sechzig Minuten gut in der Abwehr“, bestätigt Schülke, „das wir uns am Ende absetzen konnten, lag daran, dass wir zu keinem Zeitpunkt nachgelassen haben. Uns war klar, dass dieses Spiel erst am Schluss entschieden wird. Wir waren mental absolut da und haben unsere Chancen am Ende gut genutzt.“ Wie lange es gedauert hat, bis man sich beim HCL endgültig sicher sein konnte, dass dieses Spiel gewonnen war, dass weiß Katja Schülke noch ganz genau: „Erst zwei Minuten vor Schluss, als Susanne Müller mit ihrem Hüftwurf zum 25:21 getroffen hat, war mir klar, wir sind in der Hauptrunde“, berichtet sie.

Ihren Teil zum späten Sieg beigetragen haben auch die 4.800 Fans in der Arena Leipzig. „Es war einfach großartig, dass so viele Zuschauer zur Unterstützung in der Arena waren. Das pusht uns Spielerinnen und war gerade in der heißen Schlussphase ein entscheidender Faktor“, hat Schülke jetzt noch, mehrere Tage nach dem Spiel, ein wenig Gänsehaut ob der Kulisse gegen die Norwegerinnen, „wir haben in dieser Saison sowie auch in der letzten kein internationales Heimspiel verloren. Mit dem Einzug in die Hauptrunde der CL haben wir auch den Fans einen kleinen Traum erfüllt.“

Einen Traum hat sich auch die Mannschaft erfüllt, sagt Katja Schülke, die nun mit ihrer Mannschaft unter den Top acht Europas steht. „Das Erreichen der Hauptrunde war unser gemeinsames Ziel, für das wir hart gearbeitet haben. Es gab nicht viele, die uns realistische Chancen ausgerechnet haben, aber wir haben alles für unser Ziel gegeben“, sagt die 1,78 große Schlussfrau. „Ich bin sehr stolz, dass wir das geschafft haben. Unter den besten acht in Europa zu sein, ist sowohl für die Mannschaft als auch für mich persönlich ein großer Erfolg.“

Die Hürden werden nun naturgemäß noch höher, Leipzig erwischte mit Larvik, Ljubljana und Györ eine schwere Gruppe - darauf freut sich Schülke: „Alle Teams sind sehr stark und wir sind in jeder Partie nur Außenseiter. Ich denke, dass liegt uns und vielleicht ist die ein oder andere Überraschung möglich. Wir können wieder viel Erfahrung sammeln, die uns als Team weiterentwickelt. Die Hauptrunde haben wir uns selbst verdient und deshalb sollten wir es genießen.“