06.01.2010 20:09 Uhr - Länderspiele - Felix Buß & Frank Härterich - handball-world.com

Großer Bahnhof für Blacha - Dream Team besiegt DHB-Auswahl

Kathrin Blacha sagte in Göppingen Lebewohl.Kathrin Blacha sagte in Göppingen Lebewohl.
Quelle: Michael Heuberger


Kathrin Blacha hatte sichtlich Spaß bei ihrer AbschiedsvorstellungKathrin Blacha hatte sichtlich Spaß bei ihrer Abschiedsvorstellung
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Nach 222 Einsätzen für die Nationalmannschaft und 436 Treffern sowie sechzehn Jahren als aktive Bundesligaspielerin, zunächst in Diensten des TV Lützellinden, nahm Kathrin Blacha heute im Kreis von Freunden und der Nationalmannschaft ihren Abschied als aktive Spielerin. Bundesligahandball war nach der Saison 2007/2008 passé. Der Kempa Cup, der seit dem Vormittag mit Erst- und Zweitligaclubs, sowie einem Regionalligavertreter, ausgetragen worden war, lockte bereits zur Mittagszeit 1000 Zuschauer in die EWS Arena. Das Abschiedsspiel Blachas gegen die Nationalmannschaft wollten dann über 3000 Fans sehen und tauchten die engagiert geführte Spaßveranstaltung in frohsinnige Stimmung. Nach der Partie trafen sich Beteiligte und Fans zu einer Players´ Party.

In der Pause des Finalspiels um den Kempa Cup betrat Kathrin Blacha am Tag ihres Abschieds als Handballspielerin erstmals die Bildfläche der EWS Arena, knapp 90 Minuten bevor um 18 Uhr das Abschiedsspiel begann. Als Losfee beim Gewinnspiel der Veranstaltung brachte sie unter anderem einem Mitspieler aus ihrem Heimatort Benningen Glück, die insgesamt drei Gewinner fuhren mit einem neuen Handball nach Hause. Der Kempa Cup davor und die Players´ Night danach gaben dem Abschiedsspiel einen würdigen Rahmen, das Damenturnier lockte schon zur Mittagszeit fast tausend Fans in die EWS Arena. Zum Höhepunkt des Tages hatte sich die Zuschauerzahl auf 3000 verdreifacht, Kathrin Blacha mit ihrem Dream Team und die Nationalmannschaft gaben dem wettergrauen Feiertag die nötigen Farbtupfer. Blacha wurde stürmisch begrüßt, schon zu Beginn des Abends war beste Stimmung angesagt.

Das Interesse war groß, obwohl die Nationalmannschaft auf die Spielerinnen des TSV Bayer Leverkusen und des HC Leipzig verzichten mussten. Die beiden Topteams der Liga hatten aufgrund ihrer internationalen Verpflichtungen bereits zu Saisonbeginn einen Ausweichtermin für das Spitzenspiel finden müssen, der HC Leipzig hatte dafür den 6. Januar festgelegt. So fanden sich im Team von Rainer Osmann vor allem Spielerinnen des Frankfurter HC, des Buxtehuder SV und des Thüringer HC. Die junge DHB-Auswahl sah sich einem mit fast 1500 Länderspielen dekorierten Dream Team gegenüber, das nach Paraden von Sylvia Harlander mit Treffern von Petra Cumplova und Kathrin Blacha nach sechs Minuten die Möglichkeit zum 3:1 hatte, zumal Franziska Mietzner einen Strafwurf übers Tor setzte.

DHB-Auswahl zieht jugendlichem Elan zunächst davon

Doch mit jugendlichem Elan stemmte sich die ersatzgeschwächte Nationalmannschaft in der Defensive gegen die im Schnitt fast 39-jährigen Veteraninnen, Dream Team-Trainerin Karin Euler zückte nach zehn Minuten die Grüne Karte zugunsten einer Besprechungspause. Die Mannschaft um Spielmacherin Heike Horstmann hatte noch nicht zusammengefunden und hatte immer wieder das Nachsehen, etwa als sich Franziska Garcia-Almendaris zum 13:6-Konter (22.) davonstahl. Das Team von Rainer Osmann profitierte dabei davon, dass in dieser Phase mit Gubernatis, Klein und Hayn (beide Buxtehude) auf der rechten Angriffsseite eine eingespielte Kleingruppe am Werk war.

Trotz der deutlichen Führung beantragte Osmann kurz vor der Pause eine Auszeit, die eingewechselte Kim Naidzinavicius schraubte den Spielstand danach mit einem Doppelschlag auf 17:7, zudem parierte Jana Krause zwei Strafwürfe. Mit dem Nachwurf war Heike Horstmann jedoch der 8:20-Schlusspunkt nach einer temporeichen ersten Halbzeit, in der die DHB-Auswahl vor allem über Ballgewinne und schnelle Treffer dominant war und den Respekt vor der geballten Länderspielzahl der Gegnerinnen schnell abgelegt hatte. Dem Dream Team fehlten dagegen bislang sowohl das Tempo als auch die taktischen Möglichkeiten um dagegenzuhalten.

Harlander ließ das Dream Team jedoch kurz nach Wiederanpfiff jubeln, nach einem Ballgewinn traf sie ins leere DHB-Tor, da Rainer Osmann Franziska Mietzner mit einem Leibchen als zusätzliche Feldspielerin testete. In dieser Phase kam Blachas Bahnhof auf 13:20 (34.) heran, wozu die Kreisläufern drei Treffer in Serie beisteuerte und die mangelnde Abstimmung zwischen Franziska Mietzner und Melanie Herrmann rigoros ausnutzte. Unter dem Jubel des Publikums wurde der Spielstand danach vom hochkarätig besetzten Schiedsgericht auf 20:20 „korrigiert“ und Anika Ziercke brachte das Dream Team mit ihren Treffern vier und fünf in Front.

Dream Team schöpft nach „korrigiertem“ Spielstand neue Hoffnung und dreht die Partie

Zwar wurden die sieben gutgeschriebenen Treffer alsbald zurückgenommen, sie hatten die junge DHB-Mannschaft dennoch irritiert. Nach einem Treffer von Kathrin Blacha zum 20:23 (43.) war das Dream Team in Schlagdistanz. Während Isabell Klein beim Abschiedsspiel für Blacha eine Doppelrolle ausfüllte und in der zweiten Hälfte im Trikot des Dream Teams eine gute Figur machte, tat sich die DHB-Auswahl mit Kerstin Wohlbold als Spielmacherin schwer. Eine Viertelstunde vor Schluss erzielte Ingrida Radzeviciute den 23:24-Anschlusstreffer. Rainer Osmann blieb nur das Mittel der Auszeit um sein Team neu zu sortieren, gegen Anika Ziercke, bei der HSG Stemmer/Friedewalde eine der wenigen aktiven Spielerinnen der Auswahl von Blacha, war beim Ausgleichstreffer jedoch weiterhin kein Kraut gewachsen. Ingrida Radzeviciute brachte das Blacha-Team kurz darauf mit 26:25 (49.) tatsächlich in Front.

Nach einem von Horstmann verwandelten Abpraller zum 29:25 (53.) schien das Dream Team als sicherer Sieger aus dem Vergleich mit der DHB-Auswahl hervorzugehen. Mit Nadine Härdter, Franziska Garcia-Almendaris, Kim Naidzinavicius, Kerstin Wohlbold, Friederike Gubernatis, Maxi Hayn und Melanie Herrmann im Tor ließ die Mannschaft von Rainer Osmann jegliche Koordiniertheit missen, ein Gegenstoß von Hayn bedeutete zwar das 29:31, eine der wenigen Herrmann-Paraden blieb jedoch ungenutzt. Die Zuschauer in der EWS hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits von den Sitzen erhoben und verabschiedenden Blacha, die fast durchgespielt hatte, mit stehenden Ovationen. Sandra Polchow traf noch einen Strafwurf für Deutschland, Ingrida Radzeviciute zementierte jedoch den 33:31-Sieg des Dream Teams. „Wir haben mit einer Mischung aus Erfahrung, Leidenschaft und Ehrgeiz gewonnen. Es hat uns richtig motiviert, so junge Spielerinnen zu vernaschen“, kommentierte Anika Ziercke den Spielverlauf.

Kathrin Blacha bedankte sich nach Abpfiff im Rund für den schönen Abend: „Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass es so schön wird, wie es heute war. Es gibt unheimlich viele Menschen, die zu diesem gelungenen Tag beigetragen haben. Ich möchte mich nachher bei allen Beteiligten persönlich bedanken. Aber so ein Event geht eigentlich nur durch jeden Zuschauer, der heute hier in der Halle ist. Deswegen ein großes Dankeschön an alle, die heute hier sind. Ganz besonders hervorheben möchte ich einem Fanbus, der aus Belgien angereist ist. Die sind dort mit meiner Familie, Freunden und Bekannten gestartet. Ein besonderer Dank gilt auch meinen Eltern, wenn sie mich nicht so auf den Weg gebracht hätten, hätte ich meine Karriere nie so starten können.“ Sandra Polchow und Jana Krause unterstrichen unisono die „großartige Kulisse“. „Es war ein würdiger Rahmen für Kaddl“, so die jüngere der beiden Torfrauen.


Kathrin Blacha wurde von beiden Teams gefeiert
Photo: Michael Heuberger - pressefoto-heuberger.com


Weitere Stimmen

Wiebke Kethorn
„Sie war mein Vorbild, weil sie auf der gleichen Position spielt, wie ich. Es war schön, heute gegen sie zu spielen. Sie hilft mir immer im Training und gibt mir wichtige Tipps.“

Sylvia Harlander
„Es hat einen riesigen Spaß gemacht, die ganzen Mädels wiederzusehen und mit denen auf dem Spielfeld zu stehen. Wir Junggebliebenen können es halt immer noch und wollten es allen zeigen.“

„Kathrins Dream Team“
Sylvia Harlander (Thüringer HC, 7 Paraden), Sandra Polchow (TV Lützellinden, 3 Paraden)
Anika Ziercke (geb. Schafferus, VfL Sindelfingen, 8/2 Treffer), Petra Cumpolva (HC Sachsen Neustadt, 1/1), Heike Reinhardt (geb. Murrweiß), Silvia Schmitt (HC Sachsen Neustadt), Nikola Pietzsch (HC Leipzig), Heike Horstmann (geb. Schmidt, VfL Oldenburg, 5/1), Manuela Fiedel (Borussia Dortmund), Ingrida Radzeviciute (HC Leipzig, 8), Raissa Tichonowitsch (HSG Sulzbach-Leidersbach, 2), Stefanie Subke (Thüringer HC), Nikola Pietzsch (Thüringer HC), Kathrin Blacha (Thüringer HC, 7).

DHB-Auswahl
Jana Krause (Buxtehuder SV, 7/1 Paraden), Melanie Herrmann (Frankfurter HC, 5 Paraden)
Nadine Härdter (Thüringer HC, 2 Treffer), Franziska Mietzner (Frankfurter HC, 1), Nadja Nadgornaja (DJK/MJC Trier), Kerstin Wohlbold (ProVital Blomberg/Lippe, 1), Kim Naidzinavicius (HSG Bensheim/Auerbach, 5), Isabell Klein (Buxtehuder SV, 1), Friederike Gubernatis (Frankfurter HC, 3), Christine Beier (Frankfurter HC, 3), Sabrina Neukamp (ProVital Blomberg/Lippe, 4/3), Maxi Hayn (Buxtehuder SV, 3), Wiebke Kethorn (VfL Oldenburg, 3), Franziska Garcia-Almendaris (Thüringer HC, 3)