08.12.2009 12:33 Uhr - Weltmeisterschaft - Martin Kloth - dpa / mak

Großes Nesthäkchen: Alle staunen über Mietzner

Franziska MietznerFranziska Mietzner
Quelle: Michael Heuberger
Auf dem Spielfeld staunen die Gegner, beim Stadtbummel in Wuxi die Chinesen: Franziska Mietzner zieht die Blicke auf sich. Mit ihrer stattlichen Körpergröße von 1,92 Meter ist sie für die Gastgeber der Handball-Weltmeisterschaft eine Attraktion, für die Kontrahenten hingegen die personifizierte Torgefahr. 14 Treffer hat die erst 20 Jahre junge Rückraumspielerin in den ersten drei Turnierspielen für die deutsche Mannschaft markiert. Als Nesthäkchen des Teams ist sie aber nicht nur für Tore verantwortlich, sondern auch dafür, dass immer ausreichend Klister, der als Haftmittel für Hände und Ball dient, mit dabei ist. Und sie ist Adressat für Frotzeleien. «Manchmal kommen ein paar Spitzen wie `die Jüngste und die Größte`. Aber ich fühle mich wohl in der Mannschaft», berichtete sie.

Nach drei anstrengenden WM-Partien stand am Dienstag der Sport jedoch weitgehend im Hintergrund. Vielmehr zog die Mannschaft am ersten Ruhetag durch die 4,5 Millionen Einwohner zählende Stadt Wuxi. Verschnaufen bei Geschäftsbummel und Kulturprogramm. «Ich merke die Belastung für den Körper. Der freie Tag tut gut, um neue Kraft zu sammeln», sagte Franziska Mietzner.

In China bestreitet das Talent vom Frankfurter HC sein erstes großes Turnier bei den Frauen, nachdem es bis zum WM-Beginn gerade zwölf Länderspiele absolviert hatte. Und bei ihrem WM-Debüt spielt sie auf der so genannten Königsposition eine entscheidende Rolle. Immerhin vertritt sie dort die ehemalige Welthandballerin Nadine Krause, die wegen einer Schulteroperation fehlt. «`Mietzi` ist trotz ihres jungen Alters eine Schlüsselfigur und ein super Plus für die Mannschaft. Aber man darf keine Wunder von ihr erwarten», meinte Anja Althaus.

Die Kreisläuferin vom Champions-League-Sieger Viborg HK ist Franziska Mietzners Partnerin im Zentrum der Abwehr. «Es ist nicht normal, dass man so eine Riesenfrau in der Abwehr neben sich hat. Das hilft ungemein», bekannte die 27-Jährige. Und auch Bundestrainer Rainer Osmann ist vollauf überzeugt von der Frankfurterin, die er noch für einen Rohdiamanten hält. «Sie ist jetzt auf einem guten Weg in unserer 6:0-Deckung, durch ihre körperlichen Vorzüge entsprechenden Halt zu geben. Gemeinsam mit ihrem Club müssen wir ihre athletische Weiterentwicklung forcieren. Es ist wichtig für ihre Perspektive, am Wurfverhalten zu feilen», urteilte er.

Ihr Vereinstrainer Dietmar Schmidt sieht die Entwicklung von Mietzner ebenfalls positiv. „Man muss mit ihrer Entwicklung sehr zufrieden sein, in den letzten eineinhalb Jahren ist sie richtig gut weitergekommen. Und – sie ist aus meiner Sicht noch lange nicht am Ende angekommen.“ Schmidt setzt dabei auf eine intensive individuelle Arbeit mit der Rückraumspielerin: „Ihr großes Plus in den letzten Monaten war die Verbesserung der konditionellen Grundlagen, ihre bessere Athletik, läuferisch hat sie enorm zugelegt. Wir haben es jetzt auch in ihrem Kopf verankert, dass der Wurf aus den Beinen kommt und ganz speziell an der Anlaufrichtung gearbeitet“, berichtet der Trainer des Frankfurter HC. Seine Spielerin „weiß, was sie noch tun muss“, so Schmidt, der allerdings noch einiges von Mietzner erwartet: „Wenn alles so läuft, wie wir das hoffen, dann ist sie auf dem Weg, eine Handballerin von Weltformat zu werden.“

Das sportliche Talent hat Franziska Mietzner mit in die Wiege gelegt bekommen. Ihre Mutter Katrin war unter ihrem Mädchennamen Krüger 1978 Weltmeisterin und 1980 in Moskau Olympia-Dritte. In der Statistik des Deutschen Handballbundes (DHB) rangiert die heute 50-Jährige mit 1095 Treffern noch immer auf Platz zwei der Torschützenliste hinter Grit Jurack (Viborg/1532). So ist es auch kein Wunder, dass sie vor dem Fernseher mit ihrer Tochter mitfiebert und auch Ratschläge übers Telefon parat hat. «Manchmal versucht sie mir Tipps zu geben. Sie freut sich und hat gratuliert», berichtete die Tochter. Nur Vater Jochen, einst Ruderer, ergreife die Flucht, wenn sie aufläuft: «Papa ist da extremer - er ist ganz aufgeregt und muss bei den Fernsehübertragungen immer aus dem Zimmer gehen.»