07.12.2009 15:00 Uhr - Weltmeisterschaft - Matthias Kornes - handball-world.com

Deutschland nach Sieg gegen Brasilien auf Kurs

Die deutsche Deckung stand größtenteils sicher<br><a href="http://galerie.redsport.de/index.php?option=com_joomgallery&func=viewcategory&catid=1&Itemid=53" target="_blank"><small>» Galerie zum Spiel</small></a>Die deutsche Deckung stand größtenteils sicher
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Quelle: Michael Heuberger
Mit einer über weite Strecken guten Vorstellung sichert sich die deutsche Nationalmannschaft den zweiten Sieg bei der WM in China. Am Ende stand es 32:30 (19:12) im Duell mit Brasilien, ein Ergebnis, welches sich Deutschland durch eine gute Bewegung im Angriff sowie im ersten Durchgang eine solide Deckung erarbeite hatte. In der zweiten Hälfte fand das deutsche Team nicht mehr zur Konsequenz und Qualität der ersten dreißig Minuten, verlor aber nie die Kontrolle über das Spiel. Mit dem Sieg hat Deutschland seine Chancen auf das Erreichen der Hauptrunde verbessert und kann nun in den kommenden Spielen das Minimalziel schaffen.

Clara WolteringClara Woltering
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In der Anfangsphase hatte das deutsche Team mehr Probleme mit der dubiosen Regelauslegung der Unparteiischen als mit dem eigenen Spiel. Die Männer aus Spanien hatten ihre eigene Auffassung von klaren Torgelegenheiten und dem Einsatz der progressiven reihe bei Körperkontakt. Da wurde denn schon einmal eine offensive Sperre übersehen, aber in der Folgehandlung Franziska Mietzner zwei Minuten auf die Bank geschickt, Nina Wörz verabschiedet sich nachdem ihre Gegenspielerin weitgehend unbedrängt durchspringen konnte, Ania Rösler sah Gelb wegen Schauspielerei bei einer Offensivfoulentscheidung gegen ihre brasilianische Gegnerin – Tiefpunkt war aber ein zurückgepfiffener Konter der Brasilianerinnen im zweiten Durchgang, der mit Zeitstrafe gegen Anna Loerper endete, die Torchance für Brasilien war futsch. Die Aufgaben im Spiel löste das deutsche Team hingegen gut, mit viel Bewegung und viel Präzision bewegte der deutsche Angriff die gegnerische Deckung. Deutschland ging schnell in Führung, nach de, 4:2 nach schöner Kreuzung durch Mietzner schwamm sich das Team von Rainer Osmann zunehmend frei.

Die Brasilianerinnen deckten mit einer offensiven Variante, deren eigentliche Struktur aber nur selten erkennbar war, weil die Brasilianerinnen ihre offensiven Positionen nicht halten konnten außerdem wirkte das Team des dänischen Trainers Morten Skoubak unbeweglich und nicht schnell genug auf den Beinen. So verkraftete Deutschland auch die Anschlusstreffer von Ana Rodrigues zum 6:5 oder Fabiana Dinz zum 7:6. Ein Grund dafür war Sabine Englert, die nur bei Siebenmetern ins Tor kam und gegen Rodrigues gleich Wurf und Nachwurf parierte und auch im weiteren Spielverlauf im Duell Werferin und Torfrau Angst und Schrecken verbreitete. Als Susann Müller den langen Weg ins Zentrum nahm und einfach zum 8:6 traf, Neukamp auf 9:6 erhöhte, war Deutschland im Spiel angekommen.

Vielleicht waren dieses Zwischenergebnis allerdings etwas zu hoch, nach Wiederanpfiff fehlte dem deutschen Team die Beinarbeit sowie die schnellen Hände, immer wieder ließ man sich von schnellen Würfen düpieren oder die schaffte die Seitwärtsbewegung nicht, so dass die Außen treffen konnten. Auch Torfrau Barbara Arenhart steigerte sich und parierte vor allem freie Würfe in Serie. Aber Brasilien kam nicht heran, die Fehlerquote der Südamerikanerinnen war ähnlich hoch wie die ihrer Gegnerinnen. Deutschland behauptete die Führung, Althaus spielte mit Auge auf Härdter am Kreis zum 22:14, danach kam Brasilien besser auf und traf über Neukamps Deckungsposition zweimal hintereinander.

Mehr verkürzen konnte Brasilien nicht, dazu hätte das Team von Skoubak besser decken müssen. So konnte Nina Wörz immer wieder die richtigen Aktionen setzen, Deutschland spielte zwar deutlich statischer aber immer noch gut genug, um das Spiel zu kontrollieren. Mit Anna Loerper versuchte Rainer Osmann dann neue Ideen ins Spiel zu bringen, der kurze Auftritt der Leverkusenerin war allerdings glücklos, Loerper fand keine Bindung und wurde schnell wieder abgelöst. Mehr Glück hatte Sabine Englert, die einen Strafwurf von Pinheiro halten konnte, obwohl sie sich bei deren erster Wurftäuschung schon auf den Hosenboden gesetzt hatte.

Als in der Schlussphase Brasilien schneller warf, offenbarten sich zunehmende Lücken in der deutschen Defensive. Christine Beier wurde gegen Eduarda Amorim alleine gelassen, den resultierenden Strafwurf nutzte da Silva zum 29:24, Brasilien pirschte sich heran. Althaus scheiterte zweimal an Arenhart, Brasilien verkürzte auf 30:26 und Nina Wörz musste zwei Minuten runter. Susann Müller setzte einen wichtigen Durchbruch zum 31:26, Woltreing parierte hinten -. Deutschland schien das Tief überwunden zu haben. Aber dann ging Amorim nach Gesichtstrefer bei Müller, in Überzahl ließ Deutschland sofort den Ball fallen – ihre Gegnerinnen machten es allerdings auch nicht besser, der Versuch eines Kempa ging meilenweit daneben. Als Pinheiro zum 31:28 einnetzte, wackelte Deutschland noch einmal ein wenig, aber Althaus, die gerade vorher erst den Wurfarm von Pinheiro bei deren Treffer ins Gesicht bekommen hatte, setzte nun den entscheidenden Wurf zum 32:28.

Rainer Osmann: "Mannschaft und Torwart haben in der ersten Hälfte gestanden"

Brasiliens Trainer Morten Soubak war nach Spielende deprimiert, sein Team hatte sich deutlich mehr vorgenommen. Aber, meinte der Däne: „Wir haben in der ersten Halbzeit leider ohne Torwart gespielt und vier Siebenmeter vergeben. Das war der Unterschied heute und wir sind sehr enttäuscht.“ Eduarda Amorim, die eine der wenigen Europalegionärinnen – in Ungarn bei Györ – im Team Brasiliens ist, ärgerte sich „Natürlich sind wir nicht glücklich mit dem Ergebnis. Deutschland ist eine große Mannschaft und wir sind im Spiel nicht richtig wach geworden. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“

Anders sah die Stimmungslage bei Bundestrainer Rainer Osmann aus: „Ich bin froh, dass wir gewonnen haben. Über weite strecken hatten wir Brasilien im Griff, schließlich hatten wir vor der Mannschaft großen Respekt nach den Spielen, die sie die letzten Tage gezeigt hat. Mit unseren hauseigenen Problemen konnte man nicht sicher sein, dass wir das so gestalten, wir wir es dann getan haben. Mannschaft und Torwart haben in der ersten Hälfte gestanden, haben ruhig und konstant gespielt und sich auch nicht durch die Schiedsrichterentscheidungen de ersten Viertelstunde aus dem Konzept bringen lassen.“ Der Coach kritisierte allerdings auch: „Nicht ganz zufrieden bin ich mit dem Endphasenverhalten. Vierzig, fünfundvierzig Minuten haben wir guten Handball gespielt, der Rest war nicht O.K.. Generell bin ich froh, das wir gewonnen haben. Die Konzentration von heute müssen wir nutzen, um weitere Punkte zu bekommen. Es ist noch nichts passiert, das normale ist eingetreten, wir haben jetzt vier Punkte, das ist eine gute Ausgangsposition. Mit sechs Punkten kann man weiterkommen, das ist aber nicht sicher. Es wäre dumm, wenn wir das weggeben würden, was wir uns erarbeitet haben“, schaute Osmann voraus.