04.12.2009 12:00 Uhr - Weltmeisterschaft - Tobias Laure (Eurosport) und Christian Stein

Keine leichte Aufgabe: Die DHB-Gegner im Kurzportrait

Die pausierende Grit Jurack blickt auf die deutsche Gruppe vorausDie pausierende Grit Jurack blickt auf die deutsche Gruppe voraus
Quelle: Michael Heuberger
Fünf Spiele in sechs Tagen - die deutsche Frauennationalmannschaft hat bei der Weltmeisterschaft die wohl ausgeglichenste Vorrundengruppe erwischt. Gegen Dänemark, Kongo, Brasilien, Schweden und Frankreich gilt es auf dem Weg in die Hauptrunde möglichst erfolgreich zu spielen. "Wir fahren nicht chancenlos nach China", hatte Bundestrainer Rainer Osmann vor der Abreise nach China geäußert. handball-world.com stellt die fünf Vorrundengegner gemeinsam mit Grit Jurack vor, die für Eurosport die deutschen Gegner beleuchtete.

Dänemark

Den Tiefpunkt mussten die Däninnen 2007 hinnehmen. In den Play-offs der WM-Qualifikation scheiterte die Mannschaft knapp an der Ukraine. Nicht nur die Titelkämpfe in Frankreich, auch die Titelverteidigung bei den Olympischen Spielen in Peking war nicht mehr möglich. Der Rekord-Olympiasieger leitete danach einen radikalen Umbruch ein. Nur für den elften Rang reichte es bei der letzten Europameisterschaft, in den Play-offs wurde jedoch Portugal mit zwei deutlichen Siegen in die Schranken gewiesen. Mit Laerke Möller, die seit dieser Spielzeit gemeinsam mit Sabine Englert beim FC Midtjylland spielt, obliegt der effektivsten Spielerin der dänischen Liga die Spielgestaltung. Die Statistiken der erfahrenen Louise Mortensen und Youngster Kristina Kristiansen sehen jedoch in dieser Saison nicht weniger beeindruckend aus. „Die Däninnen verfügen über eine gute Abwehr mit starken Torhüterinnen“, erklärte Grit Jurack gegenüber eurosport.yahoo.de. Die Rückraumspielerin, die wegen ihrer Schwangerschaft auf dem Parkett pausiert und die WM als Co-Kommentatorin des Senders verfolgt, ergänzt: „Manchmal spielt Dänemark ein wenig Harakiri, sodass die DHB-Auswahl gut beraten ist, sich auf ihre Tugenden zu konzentrieren.“

Kongo

Mit großem Kämpferherz ausgestattet reist die Nationalmannschaft von Kongo zu den Weltmeisterschaften an, noch nie hat es einen Vergleich mit der deutschen Nationalmannschaft gegeben. Als Dritter der Afrikameisterschaften hat man sich für die Titelkämpfe qualifiziert. Angesichts der schweren Vorrundengruppe gilt Kongo jedoch als klarer Außenseiter. Frankreich-Legionärin Giselle Donguet, bei der letzten Weltmeisterschaft in Frankreich noch Toptorjägerin, steht jedoch nicht zur Verfügung. Torgefahr wird so vor allem von Rückraumspielerin Aurelia Itoua Atsono, in Frankreich für Brest aktiv, ausgehen. Mit Rechtsaußen Jocelyne Movoungou (Dijon) steht eine weitere Profihandballerin im Kader. „Zum Glück ist das Spiel gegen die Republik Kongo nicht das erste Spiel für Deutschland, so kann man sich den eher unbekannten Gegner vorher schon einmal anschauen“, so Jurack. Vor zwei Jahren konnten sich die Afrikanerinnen dank Siege über Japan und Kasachstan den siebzehnten Platz sichern. „Grundsätzlich muss man mit allem rechnen. Letztlich sollte das Team von Bundestrainer Rainer Osmann aber keine Probleme bekommen“, ist sich Jurack sicher.

Brasilien

Brasilien gilt als große Unbekannte im Wettbewerb, denn die Südamerikanerinnen verpatzten mit einer neuen Mannschaft die Panamerikameisterschaften und unterlagen im Finale dem Dauerrivalen Argentinien. Auch jetzt müssen die Südamerikanerinnen auf einen Großteil ihrer Stars verzichten. Die beim österreichischen Serienmeister Hypo Niederösterreich unter Vertrag stehenden vier Brasilianerinnen haben die Reise nach Asien ebenso wenig angetreten, wie die ehemalige HCL-Torfrau Chana Masson. Trotzdem erzielte man beachtliche Ergebnisse. Nur mit viel Mühe setzte sich Südkorea bei einem heimischen Vorbereitungsturnier mit 30:28 durch und die Nationalmannschaft von Angola wurde mit 30:25 besiegt. Vor allem der Rückraum mit Ana Paula Rodrigues, Jaqueline Anastacio und der in Györ spielenden Eduarda Amorim wird zu beachten sein. „Die Südamerikanerinnen können mit Europas Spitzenmannschaften absolut mithalten. Zudem hat Brasilien mit Morten Soubak einen dänischen Coach. Herauszuheben ist sicher auch die sehr starke Physis, dennoch halte ich unsere Mannschaft für stärker“, ist Jurack optimistisch. Der historische Vergleich gibt ihr Recht. In den bislang fünf absolvierten Länderspielen verließ die deutsche Auswahl stets als Sieger das Parkett. Beim dritten Spiel hintereinander könnte aber auch die körperliche Verfassung den Ausschlag geben.

Schweden

Nach dem ersten Ruhetag der WM kommt mit Schweden ein äußerst unangenehmer Gegner auf die deutsche Mannschaft zu. „Die Spielerinnen sind physisch enorm stark und teilen auch mal gerne aus. Wenn man sich davon einschüchtern lässt, kann man gegen Schweden leicht unterliegen“, erklärt Grit Jurack. Mit Sara Holmgren und Lisa Wiren stehen auch zwei Spielerinnen vom Bundesligaspitzenreiter Leipzig im WM-Aufgebot. Den Großteil stellt trotz der zehn Legionärinnen der schwedische Meister IK Sävehof mit fünf Spielerinnen. „In der jüngeren Vergangenheit haben wir nur bei den Olympischen Spielen in Peking gegen die Skandinavierinnen verloren. Ich denke also, dass das mentale Plus auf unserer Seite ist. Wir müssen aber konzentriert und mannschaftlich geschlossen auftreten“, erläutert Jurack. Mit deutlichen Siegen über Tunesien und Japan tankte das Tre-Kronor-Team viel Selbstvertrauen vor der WM.

Frankreich

Trainer Olivier Krumbholz gilt als Taktikfuchs. Das drohende Aus in der WM-Qualifikation vor Augen, gelang es dem Trainer mit einer Abwehrumstellung noch das Ticket für China zu ergattern. „Der Weltmeister von 2003 ist aufgrund seiner unorthodoxen Art des Handballs sehr schwer zu spielen. An manchen Tagen liegen die uns total, an anderen überhaupt nicht. Die machen im Spiel oft Sachen, mit denen man nicht rechnet“, erläutert Grit Jurack. Der Großteil des Teams ist in der heimischen Profiliga aktiv. Mit Paule Baudoin (Esbjerg), Marion Limal (Hypo NÖ), sowie Amelie Goudjo und Raphaelle Tervel (beide Bera Bera) stehen nur vier Legionärinnen im Kader. Das letzte Testspiel vor der WM konnte Frankreich gegen Gastgeber China mit 30:21 für sich entscheiden.

» Die komplette Vorschau von Grit Jurack bei eurosport.de

Die WM bei Eurosport:
Ab diesen Samstag, 5. Dezember 2009, berichtet Eurosport live und exklusiv von der WM der Frauen aus China. Vom 5. bis 20. Dezember sind insgesamt 19 WM-Spiele live im TV geplant, darunter alle Vorrundenspiele der deutschen Nationalmannschaft und das Finale am 20. Dezember in Nanjing. Eurosport-Reporter Hans Finger begleitet die deutschen Frauen vor Ort und erzählt im Magazin "Schnelle Mitte" durch Interviews und Reportagen deren ganz persönlichen WM-Geschichten. Als Kommentatoren sind Jürgen Höthker und Ulf Kahmke für Eurosport bei der WM im Einsatz. Unterstützt werden sie von den Eurosport-Expertinnen Grit Jurack und Sandra Polchow.