25.12.2009 20:37 Uhr - 1. Bundesliga - cie, PM HCL

"National abräumen" - Ania Rösler will angreifen

Ania Rösler im Trikot des HCLAnia Rösler im Trikot des HCL
Quelle: Sebastian Brauner
Die WM endete mit einem Fingerbruch. "Nicht so schlimm", so Ania Rösler im Gespräch mit den Nürnberger Nachrichten. Entscheidende Spiele in der Champions League stehen kurz bevor, doch bereits am Sonntag könnte Rösler den ersten Titel der neuen Saison gewinnen. In Rotenburg an der Fulda wird ab 17 Uhr der Supercup der Frauen ausgespielt. Hinter der Teilnahme von Rösler steht ein Fragezeichen, doch es könnte der erste Schritt für die Nationalspielerin auf dem Weg zu ihrem Ziel sein. "National abräumen", so die ehemalige Nürnbergerin, die mit zehn Siegen aus zehn Spielen mit dem HCL eine Saison nach Plan absolviert. Der Titel in der Champions League scheint noch zu weit weg, doch ein Vorstoß unter die besten acht Teams Europas liegt weiterhin im Bereich des Möglichen.

Gerade einen Tag war sie in Leipzig und sprach schon voller Begeisterung von ihrer neuen Heimat. "Ich bin gleich sehr herzlich empfangen worden", freute sich Ania Rösler. Der Top-Neuzugang vom 1. FC Nürnberg bekam noch vor dem öffentlichen Trainingsauftakt Mitte Juli von Torfrau Katja Schülke die City gezeigt. "Ich bin überrascht wie schön Leipzig doch ist. Die Stadt hat sich richtig toll entwickelt", sagt die 27-Jährige, die zuletzt anlässlich eines C-Jugend-Turniers in der Messestadt weilte. "Damals wohnten wir in einer Schule. Rundum waren nur Plattenbauten. Das war nicht so schön. Aber jetzt muss ich mein Bild wohl korrigieren."

Mit dem HC Leipzig will sie unbedingt an ihre erfolgreiche Zeit beim 1. FC Nürnberg anknüpfen. "Wir haben beim HCL die beste Mannschaft. Logisch, dass wir Meister werden wollen." Zudem verfügt die deutsche Nationalspielerin bereits über positive Erfahrungen in der Champions League, überstand schon einmal die so schwierige Gruppenphase. Ungeschlagen in der Meisterschaft, im Pokal noch im Wettbewerb und in der Champions League noch die Möglichkeit auf den Einzug in das Viertelfinale, unter die besten acht Teams Europas - auch weil zuletzt ein Unentschieden gegen Titelverteidiger Viborg gelang. Doch zunächst hält die in Paris geborene Tochter einer Venezolanerin und eines Deutschen die Bälle flach, will sich weiter integrieren, um dann vielleicht die Ansprüche zu erhöhen.

Führungsspielerin war sie beim 1. FC Nürnberg, feierte mehrfach Titel. "Die fünf Jahre in Nürnberg waren ein wildes Karussell, aber ich möchte davon nicht ein einziges Jahr missen", so die 27-Jährige nach der Rückkehr von der WM in China im Gespräch mit den Nürnberger Nachrichten. Mehrfach stand der FCN vor dem Ruin, im Mai dieses Jahres war das Schicksal unumgänglich. "Das war eine Schule fürs Leben. Welche Handballerin befasst sich sonst schon mit Arbeits- und Insolvenzrecht", gewinnt Rösler gegenüber den Nürnberger Nachrichten auch diesem Rückschlag etwas Positives ab. Generell habe es mehr Licht als Schatten gegeben. Während der Verein einen Neuanfang in der Oberliga wagte, blieb die Nationalspielerin der Liga erhalten. "Ich wollte nicht immer bangen, ob es morgen mit meinem Verein noch weitergeht", erklärte Rösler den Schritt nach Leipzig, dort herrsche Ruhe und ein "perfektes Umfeld".

Ihren neuen Verein hat sie gleich in den ersten Wochen ins Herz geschlossen, wie auch ihre neue Wohnung - die im gleichen Haus wie die von Katja Schülke und Mette Ommundsen liegt. "Es ist unglaublich, wie hier gearbeitet wird. Die Organisation ist der Hammer. Das sieht man schon am Aufbau der Geschäftsstelle und der Verteilung der Aufgaben", so die Nationalspielerin im Hallenheft zum Supercup. Die Ergebnisse, die der Verein erziele, seien kein Zufall, so Rösler weiter. Beim Supercup am Sonntag soll bereits der nächste Titel für den Verein erfolgen, der Erste für Rösler im Trikot des HCL. Hinter ihrem Einsatz steht allerdings ein Fragezeichen, sie brach sich im letzten Hauptrundenspiel der WM den Finger. "Nicht so schlimm", so die Rückraumspielerin, allerdings stehen auch entscheidende Spiele in der Champions League auf dem Programm.

Auch ihr neuer Trainer Heine Jensen weiß, was er an Rösler, die in ihrer Jugend vor dem Handball noch Schwimmen, Leichtathletik und Judo ausprobierte, hat. "Sie ist eine tolle Spielerin und wird uns auf dem Weg zu mehr Konstanz weiterhelfen. Da bin ich mir ganz sicher", so der Däne bereits bei der Vertragsunterzeichung. Die Erwartungen konnte Rösler bislang erfüllen, in Champions League wie auch in der Bundesliga, wo sie an allen zehn Siegen nicht nur mit ihren 35 Toren beteiligt war, sondern auch immer wieder mannschaftsdienlich ihre Mitspielerinnen in Szene setzte. Der ehemaligen Nürnbergerin scheint dabei durchaus auch gut zu tun, dass das Spiel nicht mehr nur von ihr abhängig ist, wie zuletzt beim Club. "Wir haben 14 fast gleichwertige Spielerinnen", so Rösler gegenüber den Nürnberger Nachrichten. Und mit diesem Team will sie angreifen, "national abräumen", wie sie sagt. Den Beginn soll der Supercup am Sonntag in Rotenburg machen.

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