15.11.2009 16:00 Uhr - Champions League - Martin Kloth - dpa / red

Nach Coup gegen Viborg: Zwei Finals für Leipzig

Freut sich einen Punkt: Ania RöslerFreut sich einen Punkt: Ania Rösler
Quelle: Sebastian Brauner
Nach ein paar letzten bangen Sekunden entlud sich die Anspannung in Jubeltänzen: Durch den abgewehrten letzten Angriff sicherte sich der deutsche Handball-Meister HC Leipzig am Samstag in der Champions League ein unerwartetes Remis gegen den Titelverteidiger. Nach dem 20:20 gegen Viborg HK aus Dänemark haben sich die Leipzigerinnen zwei Endspiele im Januar um den Verbleib in der «Königsklasse» erkämpft. Mit Siegen bei Podravka Koprivnica (Kroatien) und gegen Byasen HE aus Norwegen ist noch Platz zwei in der Gruppe A und damit Runde zwei in Sicht. «Der zweite Platz ist noch nicht weg», sagte Manager Kay-Sven Hähner nach dem Coup.

Im Hinspiel zwei Wochen zuvor hatte der HC Leipzig in Viborg noch eine bittere 23:32-Pleite erlitten. Im zweiten Vergleich war der deutsche Meister dem Champions-League-Sieger auf Augenhöhe. «Das war ein schöner Punktgewinn», gab Nationalspielerin Anja Althaus zu, die Kreisläuferin war ansonsten im Spiel weitgehend von der beweglichen HCL-Abwehr abgemeldet. Althaus hatte Viborg in dem umkämpften Spiel mit 19:17 (55.) in Front gebracht. Doch geschlagen war Leipzig dadurch noch nicht. «Wir haben hervorragend gekämpft. Gegen eine Spitzentruppe wie Viborg noch einmal zurückzukommen, das muss man erstmal machen. Ich bin sehr stolz darauf», bekannte Leipzigs Trainer Heine Jensen.

Garant für den Punktgewinn war neben Susann Müller als bester Torschützin vor allem Schlussfrau Katja Schülke. Mit glanzvollen Paraden auf laufenden Band vereitelte die Nationaltorhüterin Chance um Chance der Däninnen. «Katja hat phänomenal gehalten. Aber auch Viborgs Katrine Lunde Haraldsen war gut. Das war eine Abwehrschlacht mit tollen Torhüterinnen», befand Leipzigs Spielmacherin Ania Rösler. Die stabile 6:0 Defensive der Gastgeberinnen machte es Nationalkeeperin Schülke phasenweise auch einfach, die Kooperation gegen den wurfstarken dänischen Rückraum klappte. Dabei profitierte Leipzig auch davon, dass die norwegische Nationalspielerin Kristine Lunde nur in der Abwehr eingesetzt werden konnte. Jpohanna Ahlm und Gorica Acimovic waren von der Leipziger Deckung hingegen weitgehend unter Kontrolle. So konnte sich der HCL auf die treffsicheren Außen Mikkelsen und Varzaru konzentrieren, Schülke hatte in der Schlussphase gegen Mikkelsen einige entscheidende Paraden.

Vor der sechswöchigen WM-Pause stehen für den verlustpunktfreien Bundesliga-Ersten ein Sieg, ein Remis und zwei Niederlagen in der «Königsklasse» zu Buche. «Für Viborg ist die Champions League normal, für uns ist das neu. Aber wir sind auf einem guten Weg. Daumen hoch», sagte Trainer Heine Jensen. Vor allem im Kopf seiner Spielerinnen hat der Däne einen Aufwärtstrend ausgemacht. «Wir sind mit neuem Selbstvertrauen aufgetreten, wir haben uns geglaubt, dass wir siegen können. Wenn man das nicht macht, wird man von einer Mannschaft wie Viborg überfahren», erklärte er den wesentlichen Unterschied zum Hinspiel. Mit einem besseren Überzahlspiel wäre sogar ein Sieg für die Leipzigerinnen möglich gewesen

Nun hoffen die Leipziger noch auf vier Punkte und die zweiten Gruppenphase in der Champions League. Sollte dies nicht gelingen, hat Manager Hähner aber noch Plan B parat. «Wir müssen noch ein Spiel gewinnen, das gegen Norwegen, dann sind wir Dritter. Der dritte Platz ist das Minimalziel», erklärte er. Die Drittplatzierten der vier Champions-League-Gruppen steigen in den Europacup der Pokalsieger ab und bleiben damit weiter international im Einsatz.