28.10.2009 22:00 Uhr - 1. Bundesliga - Felix Buß & Frank Härterich - hbvf.de

Göppingen fährt gegen Blomberg ersten Heimsieg ein

FA-Trainer Knezevic feierte den ersten HeimsiegFA-Trainer Knezevic feierte den ersten Heimsieg
Quelle: fa-frauen.de
Mit 33:31 (18:16) hat Göppingen am Mittwochabend gegen ProVital Blomberg/Lippe den ersten Heimsieg eingefahren. „Es gab Vorteile im Göppinger Defensivverhalten heute, Alex Meisl war eine der Matchwinnerinnen“, sparte Gästetrainer André Fuhr nicht mit Lob. Göppingen konnte diese Vorteile Ende der ersten Halbzeit in Unterzahl erstmals in eine Führung verwandeln und zeigte sich auch nach dem Seitenwechsel in Abwehr und Angriff weiterhin kämpferisch. Allerdings schien Göppingen in den Schlussminuten vor der eigenen Führung zu erschrecken und Blomberg erneut stark zu machen. Langkeit verkürzte von 26:22 auf 26:25 (45.). Der Ausgleichstreffer blieb zwar aus, die Spielentscheidung fiel aber erst mit Breiderts 33:29-Treffer (60.). Stellbrink (9/5) und Schröder (6) trafen am besten für die Gastgeberinnen. Neukamp (8/4) und Seiffert (7/1) kamen mit ihren Treffern nicht gegen die bessere Teamleistung Göppingens an.

Die Begegnung zwischen Göppingen und Blomberg lief bereits seit vier Minuten, als Birute Stellbrink die Partie mit einem Lattenknaller eröffnete, den die beiden Schiedsrichter als Treffer werteten. Beide Teams wirkten nervös und produzierten immer wieder technische Fehler, so stibitzte Sabrina Neukamp etwas später den Ball und konterte zum 2:2-Ausgleich. Ein solch schnelles Tor gelang auch Michaela Seiffert, die nach Stellbrinks 3:2-Treffer nur acht Sekunden zum Torerfolg benötigte. Die Göppinger Abwehr blieb oft zu passiv und machte es den Gästen leicht, die ihrerseits eine interessante offensive Variante boten und die Gastgeberinnen manches Mal vor Probleme stellten. Dennoch war die Bilanz bis zu diesem Zeitpunkt identisch, beide Teams hatten für drei Treffer sieben Versuche benötigt.

Blomberg kam danach etwas besser in Tritt und setzte sich auf 4:6 (13.) ab, die acht mitgereisten Fans waren in dieser Phase die lauteste Unterstützung von den Rängen. Die robustere Abwehr kostete die Lipperländerinnen jedoch einige Zeitstrafen und als Alexandra Meisl einen Strafwurf von Seiffert parierte, war auch das Göppinger Heimpublikum erstmals zu hören. Jessica Schulz legte derweil auf Anna-Lena Unseld zum 8:8-Ausgleich ab (17.), doch die Paradenserie Meisls, die in dieser Phase fünf Bälle in Folge parierte, blieb ungenutzt. Auch als Wohlbold für zwei Minuten auf die Sünderbank musste, blieb Blomberg durch Lang und Neukamp vorn, die deutsche Nationalspielerin bot sich bislang mit der Göppingerin Stellbrink nach Treffern einen Zweikampf auf Augenhöhe und war beim 10:11-Nachwurf (24.) in Unterzahl völlig unbedrängt.

In der Schlussphase der ersten Hälfte kam Göppingen jedoch in Vorlage. Stellbrink verwandelte ihren dritten Strafwurf zum 14:14 und ausgerechnet in Unterzahl konterte die eingewechselte Nicole Dinkel einen Strafwurf Neukamps zum 15:15-Ausgleich (28.) und hielt Göppingen auch im Folgeangriff im Unentschieden. Alexandra Meisl parierte gegen Wohlbold und Lang, und nach einer Göppinger Auszeit war es die eingewechselte Frances Günthel, die von ihren Mitspielerinnen sehenswert zur 18:16-Pausenführung in Szene gesetzt wurde. Göppingen war in Tritt gekommen und zeigte sich auch nach dem Seitenwechsel in Abwehr und Angriff weiterhin kämpferisch. Jessica Schulz, ein Doppelschlag von Katrin Schröder sowie der siebente Treffer Stellbrinks zum 22:18 (38.) ließen die Heimfans jubeln.

Allerdings gesellten sich erneut technische Fehler zum Göppinger Spiel, die der Tabellenzweite gern annahm. Mißling und Ilyes bedankten sich mit dem 22:20 und Neukamp setzte beim 24:22 (41.) bereits ihren achten Treffer. Nicole Dinkel versenkte kurz darauf zum 26:22, doch die eingewechselte Josipa Bundovic hatte die ProVital-Abwehr besser im Griff als die zuvor eingesetzte Katrin Schröder. Über Ballgewinne und Treffer von Langkeit kam Blomberg somit zum 26:25-Anschlusstreffer (45.), die Partie schien eine Viertelstunde vor Abpfiff wieder offen, zumal sich die Gäste in der Abwehr gesteigert hatten und erfolgreich in die Nahtstellen im Göppinger Spiel stieß.

Blomberg verpasste jedoch in dieser guten Phase den Ausgleichstreffer. Stattdessen erkämpfte Frances Günthel gegen Saskia Lang eine weitere Überzahlsituation, die Stellbrink von der Linie und Vojtiskova mit einem schnellen Treffer zum 29:26-Zwischenstand nutzten. Indessen hielt es Blombergs Juniorentorfrau Nancy Oldenburg nicht mehr auf der Bank, sie musste stehend mit ansehen, wie Aleksandar Knezevic mit der Einwechslung von Daniela Stratmann den richtigen Riecher bewies. Die Rückraumrechte legte zunächst auf Breidert, dann auf die wiedergekommene Schröder ab und glänzte als Vorbereiterin der 31:28-Führung (55.).

Göppingen schienen dennoch die Nerven einen Strich durch die Rechnung „Erster Heimsieg“ zu mache. In der Defensive wackelten wohl die Knie, im Angriff ließen sich die Gastgeberinnen auf eine Tempoverschärfung der Gäste ein. So konnte Blomberg immer wieder auf zwei Treffer verkürzen und die Spannung blieb der Partie erhalten, als Schröder und Breidert jeweils ohne Gegenspielerin die Vier-Tore-Führung vergaben. Nach einer Auszeit von Blombergs Trainer Fuhr beendete allerdings auch Katja Langkeit den angesagten Kempaspielzug ohne Treffer für die Gäste. Die Partie war letztlich entschieden, als Meisl einen Konter von Langkeit ablief und hinter das Tor lenkte. Breidert verwertete diese Vorlage zum 33:29 (60.). Ilyes und Wohlbold blieb aus einer offenen Deckung nur noch die Möglichkeit der 33:31-Ergebniskorrektur.

Stimmen

Andre Fuhr, Trainer ProVital Blomberg/Lippe
„Ich gratuliere Alex und seiner Mannschaft zum verdienten Heimsieg. Wir hatten uns vorgenommen, den Gegner von Beginn an unter Druck zu setzen. Wir wussten, das Göppingen angeschlagen ist. Das haben wir aber nicht geschafft, wir haben das Spiel mit drei Ballverlusten begonnen. Besonders Ende der ersten Hälfte haben wir Göppingen quasi eingeladen in Vorsprung zu gehen, später als wir wieder dran waren haben wir ähnliche . Es gab Vorteile im Defensivverhalten heute, es gab Vorteile auf der Torhüterposition, Alex Meisl war eine der Matchwinnerinnen. Wenn wir irgendwann mal den Ausgleich schaffen, wird es für Göppingen vielleicht schwierig, sie haben enge Spiele bisher gegen Leverkusen, in Buxtehude usw. verloren. Aber das haben wir nicht geschafft. Wir müssen jetzt gegen die Großen spielen, Buxtehude, Leverkusen und Leipzig. Wir hatten sicher ein leichtes Auftaktprogramm, haben die Punkte aber bis auf heute mitgenommen. Wir wissen, dass wir bis zur WM-Pause ein richtig schweres Programm haben. Die Instabilität in der Abwehr und leichte Fehler waren entscheidend, die Umstellung von Seiffert an den Kreis erfolgte, weil ich uns im Rückraum zu leicht berechenbar gesehen haben. Wir sind dabei, eine konkurrenzfähige Situation zu etablieren. Aber auf Augenhöhe mit Leipzig sind wir finanziell gewiss nicht.“

Michaela Seiffert, Spielerin ProVital Blomberg/Lippe
„Wir haben uns in Einzelaktionen verzettelt und sind vorne und hinten nicht zu unserem Spiel gekommen. Alex Meisl hat uns dann den Rest gegeben.“

Aleksandar Knezevic, Trainer Frisch Auf Frauen
„Eine große Last und ein großer Druck sind jetzt weg, der Sieg auf den wir so lange gewartet haben, ist endlich da. An erster Stelle möchte ich mich bedanken beim Publikum. Auch in den Phasen, in denen es nicht so gut lief, haben die Leute weiter geklatscht und uns unterstützt. In Sachen Einstellung und Zusammenhalt war es ein klarer Schritt nach vorn für uns. Wir haben in vielen Phasen geduldig gespielt, aber die Geduld hat uns immer verlassen, wenn wir vorn lagen. Da müssen wir weiter arbeiten. Wir können uns jetzt richtig auf den Europapokal freuen, aber wir haben nur noch zwei Tage Zeit. Wir trainieren noch zweimal, aber der Gegner ist total unbekannt. So ein Spiel ist immer schwer. Ich erwarte eine aggressive Abwehr in Griechenland, Drama ist sehr heimstark. Ich denke, wir sind Favorit, aber es wird keine leichte Aufgabe sein.“

Thomas Pientka, Manager Frisch Auf Frauen
"Unsere Kosten im Challenge Cup sind immens. Ich möchte die Zuschauer einladen, jeder der kommt, hilft uns weiter. Allein der technische Delegierte in Göppingen kostet uns 850 Euro. Wir haben keine speziellen Sponsoren für die erste Runde. Vielleicht wollen wir gucken, dass wir da in der zweiten Runde einsteigen um die Kosten zu refinanzieren. Wir fliegen am Freitagmorgen nach Thessaloniki und werden dann hoffentlich von den Griechen abgeholt. Am Samstag spielen wir und am Sonntag geht es auch schon wieder nach Hause, weil wir ja am Montag alle wieder arbeiten müssen.“

Nicole Dinkel, Spielerin Frisch Auf Frauen
„Ich bin glücklich über diesen Sieg. Wir sind als Mannschaft aufgetreten und nicht als Einzelspielerinnen. Über unser schnelles Tempo von hinten heraus haben wir diesen Sieg verdient.“

Katrin Schröder, Spielerin Frisch Auf Frauen
„Für uns war dieser Sieg sehr wichtig. Wir hatten einige Spiele, die wir mit wenigen Toren verloren haben. Es ist immer schlimm, wenn man solche Spiele nicht gewinnt. Jetzt müssen wir sehen, dass wir diesen Sieg nutzen und im Europapokal auch so auftreten.“

Alena Vojtiskova, Spielerin Frisch Auf Frauen
„Wir haben gut gekämpft, die Abwehr war super und dann sind wir nach vorne losgerannt.“