25.10.2009 14:27 Uhr - 2. Bundesliga Süd - Felix Buß - handball-world.com

SG BBM Bietigheim pulverisiert HSG Bad Wildungen im Aufsteigerduell

In Top-Form: Franziska BeckIn Top-Form: Franziska Beck
Quelle: Björn Steinecke - SG BBM
„Wir haben nur zwölf Minuten Widerstand geleistet“, musste Bad Wildungens Trainer Gernot Weiß am Ende der Partie bei Mitaufsteiger SG BBM Bietigheim unzufrieden mit der Leistung seiner Schützlinge sein. Lediglich Cristina Ioana Mihai mit 11/6 Treffern zeigte sich in Normalform, die aggressive offene Abwehr bereitete den Gastgeberinnen nur anfangs Probleme. „So weit vorgezogen hatten wir die gegnerische Deckung nicht erwartet“, kommentierte BBM-Trainer Hagen Gunzenhauser, der sich doch über den weiteren Spielverlauf freuen konnte. Bietigheim zog unter der Regie von Lana Holder (9/5) bis zur Pause auf 15:9 davon und setzte nach dem 19:14 (41.) über 26:17 (52.) zu einem vehementen Schlussspurt an bis zum 35:22-Endstand. Franziska Beck traf zwölfmal für BBM, das mit diesem Sieg die Begegnung in Bensheim an Allerheiligen zu einem Spitzenspiel macht.

Bereits in der dritten Spielminute zeigte Franziska Becks Konter im Aufsteigerduell zwischen der SG BBM Bietigheim und der HSG Bad Wildungen die Spielstärke der Gastgeber, die in der Bissinger Jahnhalle seit 967 Tagen ungeschlagen sind. Beate Scheffknecht hatte kurz darauf das 2:0 auf der Hand, sie fand jedoch noch nicht ins Spiel. Stattdessen ging aufseiten der Gäste Gefahr von Cristina Ioana Mihai aus, die Bad Wildungen beim 4:2 und 5:4 in Führung brachte.

Die Rumänin hatte zu diesem Zeitpunkt bereits viermal getroffen und zwei Strafwürfe erzwungen. Zwar tat sich Bietigheim gegen die sehr aggressive Deckung der Gäste schwer, doch auch die Hessinnen waren aus dem gebundenen Spiel nur selten gefährlich. Spielmacherin Esther Meyfarth gelang es trotz lautstarker Ansagen nicht Struktur ins Spiel der Gäste zu bringen, die verletzte Shooterin Sabine Heusdens fehlte dem Team von Gernot Weiß sichtlich.

BBM-Trainer Hagen Gunzenhauser reagierte auf das starke Spiel Mihais und gab Lana Holder Anweisung, die Rumänin zu decken. In einer durchwachsenen Phase blieben zunächst beide Teams ohne Treffer und verloren häufig den Ball. „Nach der Niederlage in Nellingen waren wir anfangs etwas verkrampft, aber dann haben wir das einfach durchgezogen“, kommentierte Hagen Gunzenhauser. Doch Lana Holder traf und Jenny Karolius setzte bei ihrem Comeback nach kuriertem Bänderriss Franziska Beck in Szene. Die Ex-Nürnbergerin startete für die Gastgeberinnen eine 3:0-Serie und erhöhte auf 9:5(18.), ehe Bad Wildungens Trainer Gernot Weiß seine Auszeit beantragte um die mittlerweile sechsminütige Torflaute seiner Schützlinge zu beenden.

Allerdings bewies nun erneut Bietigheims Spielmacherin Lana Holder Übersicht und schraubte vom Kreis weiter an der Führung. So lag Bad Wildungen bereits mit fünf Treffern zurück, als Cristina Ioana Mihai zum 11:6 traf. Auch in Überzahlsituation gereichte den Gästen nicht zum Vorteil, die häufig an Anja Friedrich im Bietigheimer Kasten scheiterten. Mittlerweile waren bei Bietigheim einige tatkräftige Spielerinnen der Aufsteigermannschaft aufs Feld gerückt und so führte BBM zur Pause überlegen mit 15:7.

Nach Wiederanpfiff hatte Bad Wildungen den Kampfgeist wiederentdeckt, nach dem Helena Franks 17:9 (36.), konterte Vilte Duknauskaite und Sabine Kirmse stibitzte den Ball zum 17:11. Die Gastgeberinnen zeigten sich jedoch unbeeindruckt und fanden auf die weiteren Treffer von Dukauskaite und Mihai stets sofort die richtigen Antworten. So kam Bad Wildungen zwar beim 19:14 (41.) auf fünf Tore heran, aber Holder und Scheffknecht hielten die Gastgeberinnen beim 22:14 (44.) in der Spur. Auch in Unterzahl hatte der Acht-Tore-Vorsprung bestand, ehe Linda Mack mit zwei Gegenstößen auf 26:17 (52.) erhöhte.

Damit war die Vorentscheidung gefallen, aber Bietigheim hatte sein Feuerwerk noch nicht abgebrannt: Beck und Holder steuerten vier weitere Treffer zum 30:19 bei und Brecska traf nach 56 Minuten erstmals aus dem rechten Rückraum. Auf zwölf Tore war der Vorsprung der Gastgeberinnen da bereits angewachsen und die Treffer acht und neun von Holder, sowie der zehnte von Beck zum 34:21 pulverisierten den Mitaufsteiger aus Hessen, für den Karina Mühlhausen in der Endphase zwei sehenswerte Torerfolge erzielte. Linda Mack war der Schlusstreffer zum 35:22 vorbehalten.

Stimmen

Gernot Weiß, Trainer HSG Bad Wildungen
„Ich will die Leistung nicht an einer fehlenden Spielerin festmachen. Glückwunsch an Bietigheim, sie spielen einen sehr aggressiven modernen Handball, wir haben viele Videos gesehen. Ich wusste spätestens nach der Verletzung von Sabine Heusdens, dass es nicht einfach wird für uns. Aber dass wir so unter die Räder kommen, hätte ich nicht gedacht. Ich hätte mir mehr Gegenwehr gewünscht. Das war ab der 12. Minute nicht mehr da. Das ist zu wenig, die Mannschaft weiß das. Das war eine Lektion für uns, wir müssen uns jetzt aufbauen für das nächste Spiel. Wir werden das Spiel kurz noch ansprechen und die Schlüsse ziehen. Zuhause müssen wir die Punkte gegen Allensbach holen, diesem Spiel gilt jetzt alle Konzentration. Unten wollen wir nicht reinrutschen. Es wird kein einfaches Spiel aber die Mädels haben das Potential die beiden Punkte zu holen.“

Hagen Gunzenhauser, Trainer SG BBM Bietigheim
„Meine Mannschaft hat sehr gut gefightet und dem Gegner keinen Meter Platz geschenkt. Die Fehler, die wir am Anfang gmeacht haben, sind dadurch nicht ins gewicht gefallen. Mit der sehr offensiven Abwehr sind wir gar nicht zurecht gekommen, das haben wir nicht so klar in den Videos gesehen. Aus einer guten beweglichen Abwehr heraus haben wir danach aber ein gutes Spiel gemacht. Dann sind wir ins Rollen gekommen. Das haben wir uns vorgenommen, dass wir uns diese Gelegenheiten erarbeiten und dann leichte Tore machen. Dass der Sieg am Ende so hoch ausfällt, hätte ich mir in den kühnsten Träumen nicht ausgemalt. Bad Wildungen hat in der Vorbereitung gegen Erstligisten sehr gute Ergebnisse erzielt, dadurch waren wir gewarnt. Nach der Niederlage in Nellingen waren wir anfangs etwas verkrampft, aber dann haben wir das einfach durchgezogen. Wir freuen uns, dass wir uns für das Auswärtsspiel in Bensheim diese Ausgangssituation erarbeiten haben. Wir wollen dort genauso frech auftreten und nach Punkten jagen. Im dritten Anlauf wollen wir dann auswärts die ersten Punkte holen.“