24.10.2009 04:54 Uhr - 1. Bundesliga - Ole Rosenbohm & Jürgen Poestges - Cellesche Zeitung

Oldenburgerinnen nehmen gegen Celle Favoritenrolle an

Weiter dem noch verlustpunktfreien Meister HC Leipzig auf den Fersen bleiben möchten die Bundesliga-Handballerinnen des VfL Oldenburg. Am Sonntag trifft der zuletzt viermal in Serie erfolgreiche Pokalsieger auf Aufsteiger SVG Celle. Die Favoritenrolle nimmt Oldenburgs Trainer Leszek Krowicki an, so klar wie Kollege Martin Kahle sieht er sein Team allerdings nicht im Vorteil. "Wir müssen das ganz realistisch sehen, in Oldenburg sind wir ohne Chance", meint der Trainer des Tabellenzehnten. "Selbst mit voller Besetzung hätten wir nur geringe Chancen." Aktuell stehen beim SV hinter den Einsätzen von Kreisläuferin Desiree Comans (Schulterprobleme), mit 23 Toren bisher erfolgreichste SVG-Torschützin, sowie der Halbrechten Waleria Galouza Fragezeichen.

„Unsere Punkte gegen den Abstieg müssen wir sicherlich gegen andere Mannschaften machen. Aber wir haben uns schon ein paar Dinge vorgenommen“, sagt Martin Kahle weiter. Seine Gedanken richten sich da schon mehr in die Folgewoche, wenn DJK/MJC Trier in die HBG-Halle kommt. "Diese Aussage hat keine Bedeutung", kontert Krowicki die Zurückhaltung Kahles: "Jede Mannschaft in dieser Liga hat eine Chance, in allen Spielen. Gerade für unser schnelles Spiel brauchen wir erstmal eine vernünftige Einstellung. Gegenstöße können wir nur dann spielen, wenn alle hellwach sind. Nein, unsere Favoritenrolle müssen wir erstmal bestätigen." Nichts desto trotz gehen die Gedanken des Celler Trainers aber schon ein Woche weiter. Am Sonnabend, 31. Oktober (19.30 Uhr) kommt mit DJK/MJC Trier ein Team in die HBG-Halle, gegen die sich die Garßener etwas ausrechnen. „Deshalb“, sagt Kahle“, ist es eigentlich so, dass wir Oldenburg vor Augen haben, aber Trier im Sinn.“

Der Favoritenrolle des VfL helfen kann auch Kim Balthazar. Die 19-jährige Kreisläuferin, die sonst im Kader des VfL-Regionalligateams steht, wird erstmals in dieser Serie für das Erstligateam spielen: "Das ist auch eine Belohnung für ihre Entwicklung und ihren Ehrgeiz", lobt der Coach: "Sie hat schon öfter bei uns trainiert, sie kennt die Abläufe." Nicht nur Balthazar brenne in ihrem zweiten Bundesligaspiel auf einen Einsatz: "Die ganze Mannschaft ist motiviert, will nach der langen Pause unbedingt wieder angreifen." Zuletzt hatte der VfL am 10. Oktober bei Borussia Dortmund (29:26) gespielt. Am gleichen Tag hatte Celle gegen ProVital Blomberg-Lippe mit 21:27 verloren. Ihren ersten Einsatz hatte Balthazar schon als gerade 17-Jährige, als Oldenburg am 31. März 2007 mit 19:29 bei Bayer Leverkusen verlor.

Ein besonderes Spiel ist die Partie auch für Monic Burde. Die 23-jährige Aufbauspielerin verließ Celle nach drei erfolgreichen Jahren zu Saisonbeginn Richtung Oldenburg. "Das wird bestimmt ein komisches Gefühl sein, gegen meine alte Mannschaft zu spielen. Den größten Teil der Spielerinnen kenne ich gut, ich habe mich dort auch wirklich sehr wohl gefühlt", sagt Burde, kündigt aber an: "Das muss man trennen, wir wollen unbedingt gewinnen." Ihre Ex-Mannschaft werde es dann schwer haben, "wenn wir ins schnelle Spiel kommen". Stärken bei Celle sieht Burde in der guten Deckung. Im Angriff verfüge das Team etwa mit Jolanda Robben um schnelle Außenspielerinnen sowie um einen groß gewachsenen und "frechen" Rückraum: "Die werden jede Gelegenheit zum Wurf nutzen", sagt Burde: "Und auch Desiree Coemans am Kreis ist schwer zu halten. Ich weiß aber nicht, ob sie spielen kann." „Sie hat immer noch mit ihrer Schulterprellung zu kämpfen“, berichtet Kahle. „Für das Heimspiel gegen Blomberg haben wir sie fit gespritzt. Ob sie in Oldenburg spielt, weiß ich noch nicht. Wir werden sie auf jeden Fall im Hinblick auf das kommenden Heimspiel nicht verheizen.“ Nur freundliche Worte findet Martin Kahle unterdessen für seine ehemalige Spielerin: "Ein guter Griff für Oldenburg, sie hat sich drei Jahre hier gut entwickelt", sagt er: "Mich freut es sehr, dass sie beim VfL zurechtkommt."

Anfang Januar traf Burde mit Celle im DHB-Pokal auf den VfL. Oldenburg erreichte damals mit einem 42:28-Erfolg fast problemlos das Viertelfinale. "Aus diesem Spiel können wir keine Lehren ziehen", sagt ihr neuer Trainer Leszek Krowicki: "Die Mannschaften haben sich verändert, und sowieso kann man aus Niederlagen viel besser lernen als aus Siegen." Martin Kahle hingegen hat das Pokalspiel noch gut in Erinnerung, so rechnet er sich ohne zwei Stammspieler beim VfL auch nicht viel aus. „Wir werden Erfahrungen sammeln und einiges ausprobieren, das uns dann im weiteren Verlauf der Saison durchaus weiterhelfen kann.“ Eine Überraschung gelang dem SVG am zweiten Spieltag in Göppingen, als Challenge-Cup-Teilnehmer Frisch Auf mit 36:33 geschlagen wurde. „Oldenburg kann es sich gerade zu Hause nicht leisten, irgendeinen Gegner zu unterschätzen. Und seitdem wir die Partie in Göppingen gewonnen haben, werden wir nicht mehr zu leicht genommen“, weiß aber auch der SVG-Trainer.

Die Oldenburgerinnen konzentrierten sich in der vergangenen Trainingswoche  wieder verstärkt auf taktische Elemente. "Die sind in der Länderspielwoche zu kurz gekommen", sagt Krowicki, der neben Balthazar auch andere Spielerinnen aus dem Kader der Zweiten im Training dabei hatte, "um mit Sieben gegen Sieben" üben zu können. Bereits am kommenden Mittwoch (19.30 Uhr, Salza-Halle, Bad Langensalza) tritt der VfL beim Thüringer HC an, danach reist die Mannschaft am Freitag ins portugiesische Lagos, wo am Samstag (17 Uhr) bei CDES Gil Eanes die erste Hürde im Europapokal der Pokalsieger übersprungen werden soll.