10.10.2009 15:49 Uhr - 1. Bundesliga - Roman Knabe / dpa

THC holt zweiten Heimsieg: 32:23 gegen Buxtehude

Verdacht auf Unterarmbruch: Marielle BohmVerdacht auf Unterarmbruch: Marielle Bohm
Quelle: Mario Gentzel
In einem mitreißenden Bundesliga-Spiel konnte der Thüringer HC dem Buxtehuder SV die erste Saisonniederlage zufügen. Zehn Tage nach der Zwölf-Tore-Niederlage gegen Bayer Leverkusen zeigten die Thüringerinnen vor heimischer Kulisse eine starke Leistung. Mit 32:23 (15:11) erkämpfte sich das Team von Dago Leukefeld ein positives Punktverhältnis. Beste Torschützen mit jeweils sechs Treffern waren Nadine Härdter und Martina Knytlova (THC) und Svenja Spriestersbach für Buxtehude. Den THC-Jubel trübte allerdings eine schlechte Nachricht. Bei Mannschaftskapitän Marielle Bohm besteht ein Verdacht auf Unterarmbruch.

Buxtehude begann mit einer offensiv eingestellten Abwehr und legte schon nach 40 Sekunden zum 1:0 durch Isabell Klein vor. Doch dann zeigten sich die Gastgeberinnen im Angriff super eingestellt. Schnelles Spiel und trockene Schlagwürfe von Marielle Bohm sowie Alex Uhlig schlugen im BSV-Kasten ein und der THC lag nach sechs Minuten mit 5:1 in Führung. Gästetrainer Dirk Leun zögerte nicht lange und zog die Grüne Karte. "Wir spielen Abwehr wie in einem Trainingsspiel", war seine lautstarke Kritik an der misslungenen Startphase seiner Damen.

Das zeigte dann auch Wirkung. In der zehnten Minute hatte der BSV den Abstand mit einer konzentrierteren Abwehr auf 3:6 verkürzt. Aber der THC blieb am Drücker, überstand eine erste Zeitstrafe gegen Nadine Härdter und erhöhte dann in der eigenen Überzahl durch einen verwandelten Strafwurf auf 7:3. Jetzt steigerte sich auch die Gästeabwehr und Svenja Spriestersbach konnte zwischenzeitlich auf 5:7 verkürzen. Den Anschlusstreffer verhinderte Maike März im THC-Tor, die einen Siebenmeter von Diane Lamein parierte.

Und damit baute die THC-Torfrau ihr Team weiter auf. Sehenswert, wie Alex Uhlig mit viel Blick für die Mitspielerinnen einen Hüftwurf um die 1,93m große Gästetorhüterin Jana Krause herum legte. Eine große mentale Stärke zeichnete die komplette erste Sieben der Erfurterinnen aus, die bis dahin bei hohem Tempo ohne Pass- oder technische Fehler blieb. Dann war es fast logisch, dass man sogar im Unterzahlspiel Stärken zeigte - Martina Knytlova legte den Ball ins BSV-Tor, das ab der 20.Minute von Debbie Klijn gehütet wurde.

Die Leukefeld-Damen arbeiteten auch in der Abwehr lauf- und kampfstark - nur Svenja Spriestersbach konnte sich in dieser Phase immer wieder freimachen und hämmerte ihre kraftvollen Sprungwürfe an Maike März vorbei ins Tor. Doch der THC spielte weiter schnell und ideenreich - nur der Ball wollte in dieser Phase nicht ins Tor. Doch drei starke Paraden von Maike März ließen den Abstand nicht schwinden. Ein Foul von Isabell Klein an der durchgebrochenen Nadine Härdter brachte eine Zeitstrafe plus Siebenmeter. Petra Starcek trat an und traf auch beim vierten Mal, es stand 14:10 (26.). So ging es nach einer hocchklassigen ersten Hälfte mit 15:11 in die Kabinen.

Nach der Pause hielt der THC das Niveau weiter hoch. Erster Angriff und Siebenmeter sowie Zeitstrafe nach Foul an der durchgebrochenen Lucie Fabikova – ein optimaler Auftakt für das Leukefeld-Team. Erneut gab es das Duell Petra Starcek gegen Jana Krause - und wieder blieb die heute nervenstarke Kroatin Siegerin. Die Überzahl wurde weiter genutzt, Nadine Härdter erhöhte auf 17:11. Nach 36 Minuten gab es die nächste Zeitstrafe für die Gäste. Die Überzahlsituation - bisher eher keine Stärke der THC-Damen – konnten Uhlig, Härdter und Knytlova mit dreio Toren zum 21:13 nutzen. Und dann trat dem Fleiß auch das Glück zur Seite. Maike März hielt reaktionsstark und ein Gewaltwurf von Spriestersbach landete an der Latte, der THC konnte mit vier Toren in Folge auf 22:13 davonziehen.

Jetzt setzte Buxtehude alles auf eine offensive Abwehr, um an den Ball zu kommen, aber der THC spielte mit hoher Konzentration weiter und leistete sich keine Fehler. Es gab allerdings noch einen Schockmoment in der Halle, als Marielle Bohm einen Freiwurf ins Netz setzte, ihr Arm in der Abwehr landete und die Rückraumspielerin verletzt vom Feld musste. Ein weiterer Einsatz kam nicht infrage, nach dem Spiel ging es zum Röntgen in die Klinik. Alexandra Uhlig kam und machte auch von halblinks richtig Druck. Nach einem schönen Treffer von Martina Knytlova gab es dann auch die erste Zehn-Tore-Führung. Dago Leukefeld brachte Shenia Minevskaja, die gleich beim ersten Ballkontakt das 26:15 erzielen konnte. In den jetzt folgenden Minuten klappte beim THC fast alles. Julia Jurack konnte mit einem Heber die heraus laufende Jana Krause überwinden, Martina Knytlova zog erfolgreich durch und die 16jährige Jugendnationalspielerin Shenia Minevskaja bewies mit ihrem zweiten Fernwurftreffer gewachsene Nervenstärke in der höchsten Spielklasse der Damen.

Die Anzeigetafel zeigte in der 54.Minute ein 31:18 - und die 835 Zuschauer hielt es nicht mehr auf den Sitzen. Dago Leukefeld brachte jetzt auch Neuzugang Ulrike Jahn und die erzielte mit einem verwandelten Strafwurf ihr erstes Tor im THC-Dress. Dass Buxtehude noch ein wenig Ergebniskosmetik gelang, störte jetzt niemanden mehr im Lager der Gastgeberinnen. Eher gab es erste Gedanken und Fragen nach dem Befinden von Marielle Bohm. Aus dem Krankenhaus kam leider keine Entwarnung. Nach erster Auswertung der Aufnahmen sprach Mannschaftsarzt Dr. Lutz von einem Verdacht auf Unterarmbruch. Genauere Auskunft wird erst ein MRT am Montag geben.

Stimmen zum Spiel:

Dago Leukefeld (Trainer Thüringer HC):
Die Mannschaft hat das Versprechen nach der Auswärtspanne gegen Leverkusen heute mehr als eindrucksvoll eingelöst. Wir haben in dieser Woche viel gegen die bewegliche 3:2:1 Abwehr des BSV gearbeitet und das hat den Erfolg gebracht. Kompliment der Mannschaft und ein Extra-Lob an Lucie Fabikova für ihre Leistung in Abwehr und Angriff.

Dirk Leun (Trainer Buxtehuder SV):
Der Thüringer HC hat das Spiel dominiert und es auch in dieser Höhe verdient gewonnen. Heute haben wir gesehen, warum die Mannschaft in die Bundesliga gehört. Der THC war in allen Zweikämpfen deutlich überlegen und hat so das Spiel entschieden.