24.09.2009 19:37 Uhr - GF World Cup - Felix Buß - handball-world.com

Olympiasieger Norwegen besiegt Deutschland mit dem letzten Wurf

Franziska Mietzner erzielte 7 ToreFranziska Mietzner erzielte 7 Tore
Quelle: Katja Boll
Sowohl Deutschland als auch Norwegen hatten sich mit zwei Siegen bereits für das Halbfinale qualifiziert und schienen heute auf die zweite Reihe zu setzen. Rainer Osmann ließ Krause, Althaus, Englert und Wörz regenerieren. Die Konstellation erlaubte der deutschen Auswahl bei ihrer ersten Maßnahme unter Osmann zu experimentieren und dies nutzte Deutschland in Perfektion, sodass Norwegens Trainer Thorir Hergeirsson bereits zum Ende der ersten Spielhälfte seine Erste Garde aufbieten musste um letztlich einen glücklichen mit dem letzten Wurf erzielten 26:25-Sieg zu sichern. Franziska Mietzner erzielte dabei sieben Treffer, ebenso wie Ania Rösler. Norwegen trifft im Halbfinale auf Dänemark, das deutsche Team trifft auf Rumänien.

Die DHB-Auswahl benötigte zunächst einige Minuten um sich zu sortieren und musste zwischenzeitlich Gegentreffer von Löke und Seglem zum 1:3-Rückstand (3.) hinnehmen, doch die einstudierten Abläufe funktionierten zunehmend besser. Zunächst steigerte sich die deutsche Sieben im Angriff, und setzte die taktischen Vorgaben in sehenswerter Manier um. Mietzner, Müller und Härdter sorgten für den 4:4-Ausgleichstreffer nach acht Minuten, die Abwehr stellte Norwegen vor Probleme.

Norwegen ging zwar nochmals in Vorlage, doch die Einwechslung von Anja Edin für HCL-Spielerin Renate Urne wirkte sich nicht zu ihrem Vorteil aus. Von einem Pfostenwurf der gut spielenden Ania Rösler ließ sich die deutsche Auswahl nicht irritieren, vielmehr rückte sie in der Defensive zusammen und konnte sich in Überzahl aufgrund von Ballgewinnen und gutem Stellungsspiel erstmals absetzen. Rösler sperrte für Neukamp beim 6:6 (14.) und traf danach viermal in Folge zum 10:7 (16.).

Thorir Hergeirsson, in der norwegischen Presse kürzlich als „Vulkan“ tituliert, hatte genug gesehen und zückte die Grüne Karte zur Auszeit. Mit Riegelhuth, Frafjord, Herrem, Breivang und Urne sollten es jetzt die arrivierten Kräfte richten, aber Deutschland stibitzte unbeeindruckt den Ball und schickte Sabrina Neukamp zum 11:7-Gegenstoß (18.). Herrem lief zwar kurz darauf den ersten norwegischen Konter, doch weitere Würfe landeten am Holz oder wurden zur Beute von Katja Schülke. Trotz einiger pausierender Stammkräfte bot das DHB-Team dem Olympiasieger mehr als nur Paroli.

Zwar schlichen sich nun einige Unkonzentriertheiten ins deutsche Spiel, und auch nach einer Auszeit von Rainer Osmann tat sich Deutschland weiterhin etwas schwer, denn die Norwegerinnen konnten sich stabilisieren. Die eingewechselte Anna Loerper traf allerdings zum 13:9 (27.) und Müller war beim 14:10 erfolgreich. Erst nach dem Sitenwechsel mit einem Pausenstand von 14:11 schmolz der Rückstand in den ersten Minuten des zweiten Abschnitts. Der Olympiasieger agierte dabei nun in Bestbesetzung, Herrem, Breivang und Nöstvold trafen zum 15:15-Unentschieden (36.).

Dennoch gelang es Deutschland zunächst oben auf zu bleiben, Franziska Mietzner mit ihrem fünften Treffer und Wiebke Kethorn sorgten für das 17:16. Es war mit einem Gegenstoß dann aber Marit Malm Frafjord, die beim 17:18 (40.) die erste norwegische Führung seit den Anfangsminuten herstellte. Weitere Würfe der Norwegerinnen verpufften, aber auch der Spielfluss der deutschen Auswahl schien unterbrochen.

Eine zerfahrene Situation für beide Teams, auf die Rainer Osmann mit zwei Spielmacherinnen das richtige Instrument fand. Loerper und Rösler rückten aufs Feld und die Neu-Leipzigerin verwandelte einen Strafwurf zum 20:19 (48.). Immer wieder brachte das DHB-Team die Norwegerinnen in Verlegenheit und hielt sich bei wieder ansteigender Torfrequenz vorn. In der Schlussphase dieses eigentlich bedeutungslosen Spiels sollte daher ausschlaggebend sein, welche der beiden gleichwertigen Mannschaft konsequenter agierte.

Norwegen ließ fünf Minuten vor Schluss abwechselnd Spielerinnen aus der Deckung heraustreten und Löke drehte mit dem 24:23-Treffer die Führung erneut. Früh sah sich Rainer Osmann daher zur Auszeit genötigt um den Glauben an die Überraschung am Leben zu erhalten, die offensiven Abwehrformationen der Norwegerinnen irritierten Deutschland sichtlich - auch wenn mehrfach sehenswerte spielerische Lösungen gelangen.Beide Teams boten nun eine Energieleistung auf höchstem Niveau, Linn Jörum Sulland schien mit dem 25:24 zu Beginn der Schlußminute aber ein vorentscheidender Treffer gelungen zu sein.

Deutschland zeigte sich aber keineswegs beeindruckt, das DHB-Team spielte die Uhr etwas herunter und suchte dann nach einem Freiwurf die Entscheidung. Mietzner traf sehenswert rechts unten, doch Norwegen blieben noch neun Sekunden, als der Olympiasieger seine Auszeit nahm. Breivang nutzte diese mit einem sehenswerten Hüftwurf zum glücklichen 26:25. Werbung für sich konnte bei dem Aufeinandertreffen jedoch vor allem Außenseiter Deutschland betreiben, der das derzeit dominierende Team im Frauenhandball bis in die Schlußsekunde forderte und somit wichtiges Selbstbewusstsein für das Halbfinale am Samstag sammelte, dann geht es für das DHB-Team gegen Rumänien. Im zweiten Halbfinale stehen sich Norwegen und und Gastgeber Dänemark gegenüber.

Stimme zum Spiel:

Bundestrainer Rainer Osmann:
Sicher ist man ein bisschen enttäuscht, wenn man nach so einer tollen Leistung gegen den Olympiasieger verliert. Die Fachleute, die das Spiel gesehen haben, haben gesehen, was wir versucht haben. Es ist jetzt das dritte Spiel, in dem wir kämpferisch überzeugt haben. Auch spielerisch ist uns das heute gelungen. Man muss damit zufrieden sein, vor allen Dingen in Anbetracht der wenigen Trainingseinheiten, die wir hatten. Auch Franziska Mietzner hat heute eine gute Leistung gezeigt. Wir wollten dieses Spiel bewusst als Testmöglichkeit für junge Spielerinnen nutzen, und sie haben mich nicht enttäuscht. Am spielfreien Freitag laden wir die Akkus auf, und dann wollen wir auch im Halbfinale etwas bewegen.

:: GF World Cup
:: Gruppe 2
Pl. Team Sp. g u v   Tore Diff. Pkt.
1. Norwegen 3 3 0 0   88 : 62 +26 6 : 0
2. Deutschland 3 2 0 1   82 : 73 +9 4 : 2
3. Ungarn 3 1 0 2   63 : 79 -16 2 : 4
4. Frankreich 3 0 0 3   61 : 80 -19 0 : 6
 
Sp. Beg. Spiel Resultat
Dienstag | 22.09.2009
1. 14:00 Ungarn - Deutschland 26:30 (16:11)
1. 18:00 Frankreich - Norwegen 24:29 (11:15)
Mittwoch | 23.09.2009
2. 14:00 Deutschland - Frankreich 27:21 (13:12)
2. 18:00 Norwegen - Ungarn 33:13 (17:5)
Donnerstag | 24.09.2009
3. 14:00 Frankreich - Ungarn 16:24 (10:12)
3. 18:00 Norwegen - Deutschland 26:25 (11:14)
* Bemerkungen zu dieser Begegnung finden Sie auf der Detailseite.