19.09.2009 17:24 Uhr - 1. Bundesliga - Felix Buß - hbvf.de

Sindelfingen unterliegt Oldenburg nach großem Kampf

Iris Cartarius und der VfL Sindelfingen forderten Oldenburg bis in die SchlußphaseIris Cartarius und der VfL Sindelfingen forderten Oldenburg bis in die Schlußphase
Quelle: Eibner Pressefoto
In einem temporeichen Beginn konnte sich Oldenburg in Sindelfingen zunächst absetzen, allerdings gaben sich die Gastgeberinnen nicht so leicht geschlagen und kamen zum 15:15-Ausgleich (24.). Eine klare Steigerung, die Oldenburg zum 16:24 (35.) trug, war letztlich eine zu große Hypothek für den Aufsteiger, bei dem besonders Cartarius (9) und Sommerlund (6) überzeugten. Sindelfingen verkürzte zwar von 26:32 (51.) auf 29:32 (55.), doch neben dem Kampfgeist fehlte beim 32:35-Endstand noch die Routine, da Wenzl (8) und Geschke (10) wichtige Treffer setzten. "Wir haben zu viele individuelle Fehler gemacht", identifizierte Sindelfingens Trainer Jörg Plankenhorn den entscheidenden Unterschied zwischen dem Ligafrischling und dem etablierten Gast.

Das Spiel zwischen dem VfL Sindelfingen und dem VfL Oldenburg nahm sofort volle Fahrt auf, die Gäste setzten das gegen Trier gezeigte Tempospiel unvermittelt fort. Der Aufsteiger hielt zunächst dagegen und kam durch Engel zum 3:3-Ausgleich (4.), danach brachten Treffer von Wenzl und Parchina jedoch die Gäste von der Küste beim 3:5 (5.) erstmals in Vorlage und Julia Wenzl schraubte nach einem Pass von Geschke beim 5:8 (8.) weiter am Vorsprung. In einem irrsinnigen Tempo fielen weitere Treffer, wobei der VfL die mangelnde Routine Sindelfingens auskonterte. Beim Stand von 6:11 (11.) griff Jörg Plankenhorn zur Grünen Karte, Strafwürfe für Oldenburg zeugten von zu langsamen Beinen in der Deckung, zudem agierte die Sindelfinger Offensive zu durchsichtig für den amtierenden Challenge Cup-Sieger.

Durch die Ansprache des Trainers fassten die Schwäbinnen offenbar neuen Mut: Rösler und Sommerlund gelangen mit dem 8:12 und 9:13 (15.) sehenswerte Treffer und Magdalena Chemicz konnte sich ebenfalls steigern. Die Sonderbehandlung von Freudemann gegen Geschke störte die Gäste ebenfalls und Leszek Krowicki beantragte seinerseits die Auszeit um neue Impulse zu setzen. Monic Burde sollte den Angriff neu ordnen, allerdings konnte auch sie die folgende zerfahrene Phase nicht verhindern, aus der sich Sindelfingen als erstes freikämpfte. Ein Doppelschlag von Nicola Freudemann bedeutete das 12:15 (21.), Cassandra Engel stach beim 13:15-Gegenstoß durch die rechte Nahtstelle im Angriffsspiel des VfL Oldenburg, kurz darauf fiel der 14:15-Ausgleichstreffer (23.) durch die Ex-Leverkusenerin Silke Meier. Oldenburg hatte kurzfristig den Faden verloren.

So war der 15:15-Ausgleich (24.) durch Cassandra Engel per Hüftleger folgerichtig, erst Julia Wenzl beendete mit einem Gegenstoßtreffer die fünfminütige Torflaute der Gäste. Sie war zwischenzeitlich auf den Regisseursposten gerückt und hielt Oldenburg beim 15:18 (27.) quasi im Alleingang in der Spur. Schwache Abschlüsse der Gastgeberinnen angesichts einer Steigerung der gegnerischen Abwehr spielten dem VfL allerdings in die Karten. So konnten die Niedersächsinnen Sindelfingen, das zunehmend ideenlos wirkte und keinen aussichtsreichen Weg mehr zum Tor fand, kurz vor der Pause erneut unter Druck setzen, Kethorn erzielte vom Kreis das 15:20, zugleich der Pausenstand, da Milena Rösler Sekunden vor dem Pfiff an Surkova scheiterte.

Der Vorsprung schien den Gästen Sicherheit zu geben, Neuendorf verwertete vom rechten Flügel ein grandioses Zuspiel von Geschke, weitere Treffer von Geschke, Kethorn und Wenzel sorgten für den 16:24-Zwischenstand (35.). Nur elf Minuten nach dem 15:15-Ausgleichstreffer fiel somit die Vorentscheidung, Sindelfingen schien dem Oldenburger Tempospiel nicht mehr gewachsen, allerdings nagte der Vorsprung an der Aufmerksamkeit der Gäste. Cartarius verkürzte auf 19:25 (40.) und Leszek Krowicki schickte die ausgeruhte Anita Herr für neue Ideen aufs Feld, die kurz darauf das 19:27 herstellte. Wieder lagen acht Treffer zwischen den Kontrahenten und erneut zeigte Sindelfingen Moral. Freudemann gelang aus sieben Metern das 23:29 und Rösler konterte zum 24:29 (46.).

Mithin bestrafte besonders Angie Geschke jeden schwachen Pass der Gastgeberinnen, ihr 24:30-Gegenstoß war bereits ihr neunter Treffer. Der VfL blieb angesichts dieses vermeintlich bequemen Vorsprungs gefordert, die Fans in der Sindelfinger Sommerhofenhalle unterstützten ihr Team weiter nach Kräften, das in der Schlussphase die Möglichkeit hatte auf vier Treffer zu verkürzen, die pfeilschnelle Ina Großmann münzte schließlich einen Konter zum 28:32 (54.) und Iris Cartarius traf zum 29:32. Gästetrainer Leszek Krowicki hatte durchgewechselt und gab Schirmer, Hetmanek und Parchina Einsatzzeiten, darunter litt der Spielfluss.

So konnte Sindelfingen die Tür zur Überraschung wieder aufstoßen, beide Teams lieferten sich einen Fight auf Augenhöhe und Neuendorf donnerte beim möglichen 31:35 (58.) die Spielentscheidung an den Pfosten. Oldenburg behielt dennoch kühlen Kopf und gab Sindelfingen keine Chance zum 32:34. Julia Wenzl konterte stattdessen nach einem Ballgewinn zum 31:35, die anschließende Auszeit von Jörg Plankenhorn kam zu spät. Dennoch zeigte der Aufsteiger gegen den Challenge Cup-Sieger insgesamt eine Klasseleistung, Oldenburg konnte sich trotz acht Toren Vorsprung erst siegessicher sein, als Julia Wenzl den VfL beim 31:35 erlöste. "Wir haben zu viele individuelle Fehler gemacht", identifizierte Sindelfingens Trainer Jörg Plankenhorn den entscheidenden zwischen dem Ligafrischling und dem etablierten Gast.

Stimmen zum Spiel:

Leszek Krowicki, Trainer VfL Oldenburg
Sindelfingen ist ein guter Gegner, der einige Wertvolle Spieler verpflichtet hat. Es war ein sehr schöner Kampf, insgesamt geht der Sieg aber aus meiner Sicht in Ordnung. Wir hatten zwar zwei Schwächephasen, aber wir haben uns daraus befreit und fahren daher verdient mit zwei Punkten nach Hause. Wir haben fleißig Videos studiert und kannten die Deckungsformationen von Sindelfingen, mit dem Angriff kann ich insgesamt nicht unzufrieden sein.

Jörg Plankenhorn, Trainer VfL Sindelfingen
Zuerst Glückwunsch, Oldenburg war die bessere Mannschaft. Aber das wussten wir vorher. Meine Mannschaft hat die Qualität gezeigt, die sie auszeichnet, sie hat sich immer wieder herangekämpft. Wir haben zuviele persönliche Fehler gemacht, die uns immer wieder in Schwierigkeiten gebracht haben. Wir wollten eigentlich ohne Respekt zeigen, das ist uns in der ersten Phase nicht gelungen. Wir waren zu passiv und mussten uns dann ins Spiel kämpfen. Wir arbeiten daran, unsere Fehler arbeitet. Die Spielerinnen sind engagiert und wollen weitere Fortschritte machen. Wir haben erst drei Spiele gespielt, wir jammern nicht, sondern versuchen das beste daraus zu machen. Ich bin aber etwas enttäuscht, wie wenige Zuschauer da waren. Diese Mannschaft hat mehr Leute verdient!