13.09.2009 15:04 Uhr - 1. Bundesliga - Felix Buß - hbvf.de

Celle nutzt Göppinger Schwäche zu 36:33-Auswärtssieg

Antje Lenz war ein starker RückhaltAntje Lenz war ein starker Rückhalt
Quelle: SVG Celle
„Ich habe den ganzen Tag gehofft, dass es regnet“, kommentierte Göppingens Pressesprecher Holger Riegel nach der Partie gegen Aufsteiger SVG Celle, zu der trotz des Stadtfestes beachtliche 1.200 Zuschauer gekommen waren. Verhagelt wurde die Laune der Gastgeber jedoch durch die Leistung der eigenen Mannschaft. „Unsere Abwehr war viel zu passiv“, klagte Aleksandar Knezevic, der ansehen musste, wie sich beim 21:29 (44.) ein Debakel anzubahnen schien. Göppingen nutzte zwar nachlassende Kräfte der Gäste noch zum 31:35 (56.), letztlich siegte Celle aber verdient mit 36:33. „Wir haben viel Aufwand betrieben“, war auch SVG-Trainer Kahle stolz, unter anderem auf Comans (8), Robben (7), Valyushek (6) und Verschuren (6/3). Bei Göppingen erreichte einzig Neuzugang Nicole Dinkel (7) Normalform.

Einen denkbar schlechten Start hatte Challenge Cup-Teilnehmer Göppingen gegen den SVG Celle. Abspielfehler nutzte der frech aufspielende Aufsteiger um Spielmacherin Waleria Galouza nach Katrin Schröders 3:3-Ausgleich (4.) durch Desiree Comans zur 3:6-Führung (7.). Auch eine Auszeit von Aleksandar Knezevic konnte die Göppingerinnen nicht beruhigen, vielmehr blieb Celles Torfrau Antje Lenz beim möglichen 5:8 (12.) gegen Jessica Schulz aus sieben Metern Siegerin, weitere Würfe endeten am Holz oder die Angriffe wurden bereits zuvor durch technische Fehler zunichte gemacht. So erhöhte Celles Linksaußen Jolanda Robben auf 4:11 (14.). Göppingen suchte weiterhin die Einstellung zum Spiel.

Viel zu leicht gelang Celle der Durchmarsch durch die Göppinger Abwehr, doch den schwachen Start wollte der Favorit nicht unkommentiert lassen: Über eine offensivere Abwehrvariante verkürzten die Schwäbinnen durch Breidert und Dinkel auf 8:12 (17.) und forderten damit SVG-Trainer Martin Kahle heraus, der seinerseits die Grüne Karte zur Auszeit zückte. Er forderte zum aufmerksamen Spiel der Startphase zurückzukehren um weiterhin von Göppingens durchsichtigen Angriffsbemühungen zu profitieren. Die Gäste konnten die taktischen Vorgaben umsetzen, Waleria Galouza unterstrich mit ihren Treffern zum 9:15 (20.) die gute Vorstellung des Aufsteigers.

Bis zur Pause fiel den Schwäbinnen weiterhin wenig ein um die Cellesche Abwehr vor Unwägbarkeiten zu stellen. Mit Treffern von Kateryna Valyushek, Renee Verschuren und Desiree Comans zwang der Aufsteiger dem ideenlos auftretenden Tabellenfünften der Vorsaison sein Spiel auf. Nicole Dinkel und Jessica Schulz konnten den Rückstand nach 28 Minuten lediglich deswegen auf 13:19 verringern, weil Celle einige schwache Momente hatte. Hannah Breitigers 14:19-Treffer (30.) war einer der wenigen Gegenstöße, doch bezeichnenderweise musste Göppingen mit dem Pausenpfiff einen Treffer von Susanne Büttner zum 14:20 hinnehmen.

Göppingen zeigte auch zu Beginn der zweiten Halbzeit Nerven, Anna-Lena Unselds Pfostentreffer beim Strafwurf beantwortete Jolanda Robben mit einem Gegenstoß zum 14:21. Weiterhin sammelte Celle die Abpraller von Torfrau Antje Lenz und so fielen aufgrund der jetzt besseren Angriffsleistung der Gastgeberinnen lediglich mehr Treffer, ohne dass das Kräfteverhältnis der vorher erwarteten Rollenverteilung gerecht wurde. Nach einer Parade der spät eingewechselten Celia Schneider hatte Verena Breidert immerhin das 20:25 (39.) in der Hand, das im Gegenstoß Schulz gelang. Göppingen spekulierte offenbar darauf, dass Celle sich müde kämpfte, doch weiterhin sprach das flüssige Spiel für die Niedersächsinnen, während die Frisch Auf Frauen überhastet ihre Möglichkeiten vergaben.

Jolanda Robben setzte im Gegenstoß aus spitzem Winkel mit dem 21:29 (44.) ein weiteres Ausrufezeichnen. Auch Kreisläuferin Desiree Comans narrte die Göppinger Abwehr immer wieder und so steuerte Celle unaufhaltsam auf den ersten Auswärtssieg der jungen Saison zu. Immer wieder genügten einfachste Spielzüge, um die Abwehr der Gastgeberinnen völlig aus dem Konzept zu bringen und so schien die Unterstützung der Fans längst verebbt, die Trommler der Gästefans dominierten die Kulisse und ließen sich durch Fritz´ 27:33 (51.) nicht beirren.

Dangels 28:34-Treffer rief zwar die heimischen Fans wieder auf den Plan, doch selbst bei doppelter Überzahl verpasste Göppingen zunächst das 31:35 (56.) und konnte weitere technische Fehler nicht nutzen. Erst kurz vor Abpfiff schien das Pendel kurzzeitig umzuschlagen, doch Vojtiskova, Stellbrink und verpassten das 33:35 (59.), sie scheiterten an Celles zweiter Torfrau Jasmina Jankovic, die nach dem 33:36-Schlusstreffer von ihrer Mannschaft gefeiert wurde. Göppingen wird versuchen schnellstmöglich die Lehren aus dieser Niederlage zu ziehen um beim Thüringer HC zu bestehen und dort eine positive Grundlage für die Spiele gegen Leipzig, Leverkusen und in Buxtehude zu schaffen. Celle hingegen scheint die Aufstiegseuphorie trotz der 24:33-Niederlage gegen Erfurt in die 1. Liga gerettet zu haben.

Stimmen zum Spiel:

Martin Kahle, Trainer SV Garßen Celle
„Ich bin stolz auf meine Mannschaft. Wir hatten eine sehr gute Vorbereitung auf das Spiel, konnten unterwegs trainieren und uns auf den Gegner vorbereiten. Wir haben die taktischen Aufgaben umgesetzt. Durch die zwei Zeitstrafen am Schluss haben wir uns beinahe nochmals in Bedrängnis gebracht, haben dann aber den Göppinger Wurf pariert. Da erst habe ich an den Sieg geglaubt. Den Sieg hat sich die Mannschaft echt verdient. Das Spiel hätte am Ende durchaus noch kippen können, wir haben viel Aufwand betrieben und konnten kaum wechseln, konnten die Kräfte nur ein wenig verteilen. Am Ende wurden wir dann etwas leichtsinnig und haben auch einen Strafwurf vergeben, aber wenn hier alles perfekt gelaufen wäre, wäre auch irgendwas falsch.“

Aleksandar Knezevic, Trainer Frisch Auf Frauen
„Gratulation an Celle, sie haben gut gespielt und haben gezeigt, was man machen kann. Wir haben heute nicht kompakt gestanden in der Abwehr. Ich entschuldige mich für diese Leistung bei den Fans, das war sehr schlecht. Nicole Dinkel hat bei ihrem Debüt sehr gut gespielt, am Ende war sie zwar müde und ich musste sie auswechseln, aber sie war die einzige Spielerin mit Normalform. Alexandra Meisl ist in Dortmund auch nicht gut gestartet, deswegen habe ich darauf vertraut, dass sie sich steigern kann. Deswegen habe ich Celia Schneider erst sehr spät gebracht. Unsere Abwehr war viel zu passiv, wir haben vielleicht fünf Fouls gemacht in den ersten vierzig Minuten.“