08.01.2006 18:52 Uhr - DHB-Pokal - PM Thüringer HC und Harald Betz (FAG)

Silvia Hofman wirft den THC ins Viertelfinale

Zweitligist Frisch Auf Göppingen bot dem Thüringer HC heute einen packenden Pokal-Fight und musste sich am Ende nur unglücklich geschlagen geben. Die Gastgeberinnen hatten einen zwischenzeitlichen sechs Tore Rückstand wett gemacht und in der Schlußminute beim Stande von 30:30 sogar in Ballbesitz, doch ein technischer Fehler und der entscheidende Wurf von THC-Rückraumspielerin Silvia Hofman zwei Sekunden vor Spielende besiegelten dann das Aus des Zweitligisten.

Michaela Schanze und der THC schafften den ViertelfinaleinzugMichaela Schanze und der THC schafften den Viertelfinaleinzug
Quelle: Heiner Lehmann/www.sportseye.de


Szene aus dem SpielSzene aus dem Spiel
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Ganze zwei Sekunden vor der Schlusssirene erlöste Sivia Hofman die Mannschaft und die mitgereisten Fans mit einem einen fulminanten Fernwurf von der Mittelposition. In den letzten zehn Minuten entwickelte sich die scheinbar vorentschiedene Partie zu einem Pokal-Krimi, in dem der Thüringer HC mit einem blauen Auge, wie es Trainer Dago Leukefeld formulierte, das bessere Ende für sich hatte. Mit dem Einzug ins Viertelfinale hat die Mannschaft die bisher beste Pokal-Platzierung überhaupt erreicht.

Das Spiel lief die ersten zwanzig Minuten auf Augenhöhe. Keine Mannschaft gestattete der anderen eine zwei-Tore-Führung, zu Anfang sorgte für Göppingen insbesondere Jessica Schulz für die Treffer, die ersten vier Tore des Gastgebers gingen allesamt auf ihr Konto. Die Abwehr des THC spielte ohne Bindung zum Nebenmann und gestattete den Gastgeberinnen mehrere einfache Tore. Im Gegenzug konnte der Erstligist aber durch recht effektive Angriffsaktionen immer wieder vorlegen oder ausgleichen.

Dann wandelte sich das Bild. Die THC-Abwehr wurde stabiler und konnte gleich mehrfach den Ball erobern. Auch Michaela Schanze brachte sich jetzt besser ins Spiel, so dass in der 28. Minute der erste komfortable Vorsprung für den Favoriten zu Buche stand. In dieser Phase gelangen vor allem Linda Lempke und Katrin Schröder wichtige Tore im Konter aber auch von den Kreispositonen und so konnte das Team von Dago Leukefeld ein 20:15 mit in die Kabinen nehmen.

In der zweiten Halbzeit aber ließen die Gastgeber den THC nicht weiter davonziehen und warteten auf ihre Chance. Bis zur 43. Spielminute agierten die Thüringerinnen noch abgeklärt, doch als der Bundesligist dazu übergehen wollte, den Vorsprung nur noch zu verwalten, schaltete Göppingen einen Gang hoch. Angeführt von Martina Fritz, die wurfstarke Rückraumspielerin erzielte in der zweiten Hälfte acht ihrer elf Treffer und riss ihre Nebenleute mit, verkürzte Frisch Auf Tor um Tor

Spätestens in der fünfzigsten Spielminute glaubten auch die heimischen Zuschauer wieder an die Sensation und als sich der THC nicht nur zwei unnötige Zeitstrafen einhandelte, sondern auch noch zweimal von der Siebenmeterlinie vergab, schaffte Göppingen wieder den ersehnten Anschluß. Schon beim 24:27 hatte Frisch Auf große Chancen, vollends aufzuschließen, doch die große Verunsicherung der Gäste erfolgte erst mit dem Sprung vom 25:29 (52.) auf 29:29 (56.). So aggressiv, wie die Defensive nun zupackte, hätten sich die begeisternd mitgehenden Fans ihr Team schon etwas früher gewünscht. Im Angriff blieb dafür den Grün-Weißen das Pech treu. Christine Dangel setzte das Leder an den Pfosten, die Thüringerinnen gingen wieder in Führung. Doch nach dem elften Treffer von Martina Fritz ging es mit einem 30:30 in die Schlußminute.

Der THC wackelte, aber er fiel nicht, auch weil sich das Glück in der Schlußminute auf die Seite des Favoriten schlug. Zunächst schien Göppingen die Trümpfe in der Hand zu haben: Vierzig Sekunden vor Spielende kam Göppingen in Ballbesitz, Trainerin Heike Kemmner nahm die Auszeit und schwor ihre Truppe auf den Sieg ein. Nach zwanzig Sekunden passierte dann aber ein technischer Fehler und der Ballbesitz wechselte. Die Leukefeld-Schützlinge zeigten jetzt die nötige Cleverness, hielten den Ball und Silvia Hofmans Mut und Nervenstärke wurden mit dem entscheidenden Treffer aus dem Rückraum belohnt.

"Das war nichts für schwache Nerven, aber am Ende zählt nur der Sieg. Bis zur 50. Minute haben wir einen guten Job gemacht, dann sind wir in der Abwehr aber in Schönheit gestorben", sagte Leukefeld. "Das war wieder eine schlechte Phase mit frühen Abschlüssen", wollte sich FA-Trainerin Heike Kemmner mit den schlechten zehn Minuten vor dem Seitenwechsel nicht lange aufhalten. Zu sehr plagten sie die letzten Minuten der zweiten Hälfte. "Im Prinzip bin ich zufrieden und im Prinzip bin ich todunglücklich", beschrieb Kemmner ihre verrückt spielenden Gefühle. Zufrieden musste sie sein "mit der Art, wie wir uns präsentiert haben", aber: "Wir haben mehr verdient, als jetzt mit leeren Händen dazustehen."

Stimmen zum Spiel:

Heike Kemmner (Trainerin TPSG Göppingen):
Glückwunsch an den THC. Ich bin mit meiner Mannschaft heute sehr zufrieden. Wir haben sehr gut gespielt und gekämpft und waren dem Sieg sehr nah. Deshalb ist die Niederlage für uns schon ein wenig bitter. Ich habe allerdings heute gesehen, dass wir bei optimalem Einsatz auch gegen Mannschaften der ersten Liga mithalten können.

Dago Leukefeld (Trainer Thüringer HC):
Wir sind heute mit einem blauen Auge davon gekommen. In der Endphase war das Glück auf unserer Seite. Zweimal hat uns auch der Pfosten geholfen. Im Angriff haben wir sehr ordentlich gespielt, in der Abwehr aber viel zu viele Fehler begangen.

Frisch Auf Göppingen - Thüringer HC 30 : 31 (15:20)

FA Göppingen:
Andrea Siffermann, Carina Fuchs
Christine Maric (n.e.), Verena Breidert (4), Christine Dangel (5/2), Dröfn Saemundsdottir (n.e.), Jessica Schulz (6/1), Martina Fritz (11), Anna-Lena Unseld (2), Isabelle Glauner (1), Simona Munteanu, Dagmar Siegert, Tina Habiger (1)

Thüringer HC:
Michaela Schanze, Elisabeth Wehr (n.e.)
Julia Jurack (3), Linda Lempke (5), Beatrix Mosert (n.e.), Kristin Kartheuser (2), Silvia Hofman (3), Svetlana Minevskaja (8/3), Saskia Mulder (3), Katrin Schröder (7)

Zuschauer: 650
Schiedsrichter: Pritschow / Pritschow (Stuttgart)
Strafminuten: 2 - 10
Siebenmeter: 5/2 - 5/3

Beste Spielerinnen:
Martina Fritz - Katrin Schröder