16.05.2009 00:01 Uhr - Champions League - Sandra Pleines - handball-world.com

Kampf um die Königsklasse - Györ empfängt Viborg

Mehr als 5.000 Zuschauer in der Halle in Veszprem, tausende Fans vor einer Videoleinwand in Györ und Millionen Ungarn vor dem Fernseher fiebern dem Finalrückspiel in der Champions League der Frauen entgegen. Im frauenhandballverrückten Ungarn sind die Erwartungen hoch, denn die Mannschaft von Györi Audi ETO hat die Chance, den höchsten Titel im Vereinshandball nach Ungarn zu holen. Dies gelang zuletzt dem Rivalen Dunaferr SE im Jahr 2000. Die Ausgangsposition ist gut für den ungarischen Meister. Mit dem 26:24 Hinspielerfolg bei Viborg HK wurden die Weichen gestellt und nun greifen die Spielerinnen von Trainer Csaba Konkoly nun nach dem begehrten Pokal. Doch entschieden ist die Partie, die am heutigen Samstag um 16.15 Uhr angepfiffen wird, noch nicht. Zu nah sind noch die Erinnerungen an die letzte Saison, wo Györ im Halbfinalhinspiel beim späteren Sieger Zvezda Zvenigorod gewinnen konnte, im Rückspiel aber klar verlor.

Katalin Palinger will auch nach der Partie jubelnKatalin Palinger will auch nach der Partie jubeln
Quelle: Christopher Monz
Damit dies nicht mehr passieren kann, hat man aus Fehlern gelernt. Csaba Konkoly erwartet ein schweres Spiel, ein harter Kampf um die Krone, den beide Teams gewinnen wollen. Da die eigene Halle in Györ zu klein ist, wird das Spiel in Veszprem ausgetragen, einer Stadt in der Nähe des Plattensees, ca. 80 km von Györ entfernt. Als Nachteil oder Aufgabe des Heimvorteils sieht Konkoly dies aber nicht an: „Alle unsere Fans begleiten uns, dazu kommen die Fans aus Veszprem“. Die Anreise aus Györ wird hierbei professionell organisiert. Um 12 Uhr setzt sich der erste Bus in Bewegung, im Takt von zehn Minuten folgen viele weitere. „Die Halle wird brennen“, darüber sind sich die Verantwortlichen der gastgebenden Mannschaft einig. Zumal die frenetischen Fans rund um den Fanclub „Green Danger“ auch im Hinspiel in Aalborg tonangebend waren.

Györi Audi ETO kann bis auf die am Knie verletzte Anita Görbicz – eine Kniespiegelung erfolgt am nächsten Dienstag – auf alle Stammkräfte zurückgreifen. Auch die im Hinspiel mit einer roten Karte vom Platz gestellte Ersatzspielmacherin Aniko Kovacsics ist einsatzbereit, eine Sperre folgte nicht. Kovacsics, obwohl erst 17 Jahre alt, gehörte bis zu ihrer Disqualifikation in Aalborg zu den spielbestimmenden Personen ihres Teams. Die Spielmacherin ist ein riesengroßes Talent, bereits das zweite, das Györ nach Anita Görbicz hervorgebracht hat. „Seit 20 Jahren funktioniert bei uns eine tolle Nachwuchsarbeit. Hier können diese Talente aufwachsen. In zehn Schulen arbeiten Fachleute mit mehr als 600 Kindern“, ist Konkoly zu Recht stolz auf die Arbeit seines Vereins.

Neben Aniko Kovacsics sollen Spielerinnen wie Zsuzsanna Tomori, Agnes Hornyak und Gabriela Rotis-Nagy den Ausfall von Anita Görbicz kompensieren. Im Hinspiel klappte dies sehr gut, vor allem die mannschaftliche Geschlossenheit beeindruckte. Überhaupt zeigte sich Györi Audi ETO in dieser Champions League Saison disziplinierter und taktisch besser eingestellt als in den Vorjahren, wo man jeweils im Halbfinale des Wettbewerbs scheiterte. Csaba Konkoly macht eine disziplinierte Trainingsarbeit dafür verantwortlich, aber auch eine verbesserte Kondition. „Wir werden im Kopf nicht so schnell müde, dadurch können wir Fehler vermeiden und profitieren von unserem schnellen Spiel mit viel Bewegung“.

Zweimal täglich wird in dem Verein, der anders als die meisten anderen Vereine in Ungarn einen sehr stabilen finanziellen Zustand aufweisen kann, trainiert. Neben dem Hauptsponsor Audi und einigen größeren Sponsoren gibt es mehr als 50 weitere Unterstützer, die Handball auf diesem Niveau in Ungarn möglich machen, Insgesamt beträgt der Etat 1,2 Millionen Euro. Dank des Finaleinzugs haben, trotz Finanzkrise, die Hauptsponsoren für die nächste Saison nochmals nach gelegt. So ist man in der Lage, die besten Spielerinnen Ungarn auch in der kommenden Spielzeit zu halten. Als Abgänge stehen bisher mit der zweiten Torfrau Orsolya Herr sowie ihrer jüngeren Schwester Anita, die in den letzten beiden Champions League Spielen herausragende Leistungen gezeigt hat, fest.

Mit entscheidend für den Ausgang des Finales wird auch die Leistung der Torhüterinnen sein. Mit Katrine Lunde Haraldsen und Katalin Palinger stehen sich zwei absolute Weltklassetorfrauen gegenüber. Das Duell im Hinspiel gewann die Ungarin. Seit Wochen besticht Palinger mit einer unglaublichen Form. Hartes Training mit einem speziellem Torwarttrainer, aber auch eine gute Stimmung in der Mannschaft , Videoanalysen und eine gut funktionierende Abwehr sind für die 30-Jährige der Grund hierfür. Gerade auf ihre Vorderleute hofft Palinger besonders am Samstag: „Viborg wird sich sehr gut vorbereiten. Aber auch wir können uns noch verbessern“. Die Ausnahmetorfrau spielte vor ihrer Rückkehr in die Heimat selbst in Dänemark und Slowenien. „Es war sehr gut, dass ich mich im Ausland ausprobieren durfte. Aber ich freue mich, dass ich jetzt zu Hause in einer so tollen Mannschaft spielen darf“.

Auch wenn es für Siegesfeiern noch deutlich zu früh ist, planen die Verantwortlichen von Györi Audi ETO dennoch eine gemeinsame Feier mit den Fans. Nach dem Spiel geht es zurück nach Györ, dort wird es einem Empfang des Bürgermeisters am Rathausplatz geben mit Feuerwerk, Party und Bankett. Wenn es nach den Gastgeberinnen geht, natürlich am liebsten mit dem Pokal im Arm.