25.04.2009 15:32 Uhr - 1. Bundesliga - Felix Buß - handball-world.com

Buxtehude bleibt mit 37:27-Auswärtssieg im Titelkampf – Göppingen Achter

Katharina Schulz traf sieben MalKatharina Schulz traf sieben Mal
Quelle: sportseye.de
Nichts zu bestellen hatten die Frisch Auf Frauen beim letzten Hauptrundenspiel. Der BSV Buxtehude war zu Gast und benötigte beide Punkte, um eventuell noch den zweiten Platz in den Meister-Play-offs zu erreichen. Das merkte man den Norddeutschen an, die über 2:8 (11.) und 5:17 (22.) Druck machten. Göppingen wollte sich aber nach dem bereits feststehenden Klassenerhalt nicht kampflos geschlagen geben und bot dem Tabellenvierten bis zum Schluss noch Paroli. Nach dem 9:20-Pausenstand schien sich der BSV zwar weiter absetzen zu können und baute dabei auf eine geschlossene Teamleistung mit Schulz (7) als bester Werferin, nach dem 13:27 (42.) wechselte Dirk Leun jedoch durch und bot Göppingen so die Möglichkeit, die Niederlage beim 27:37-Endstand in Grenzen zu halten. Auf Seiten der Schwäbinnen setzten Anna-Lena Unseld (3) und Katrin Schröder (4) einige Impulse.

Ein furioser Start mit fünf Toren in den ersten zwei Minuten zeigte, dass sowohl die Frisch Auf Frauen als auch die Gäste aus dem fernen Buxtehude zum Abschluss der Hauptrunde in der Bundesliga nochmals Werbung für den Frauenhandball machen wollten. Besser gelang dies den Gästen vor allem wegen des guten Starts von Torfrau Debbie Klijn, die Schulz und Bülau im Gegenstoß die 2:5-Führung (4.) ermöglichte.

Gegen die offensive Deckung taten sich die Göppingerinnen in der aufgrund der Hitze des Tages etwas stickigen Wernauer Neckartalsporthalle schwer, immer wieder griffen sich die BSV-Spielerinnen in der Abwehr den Ball und nahmen den Funken ihrer Torhüterin auf. Nach zwölf Minuten hatte sich Buxtehude unter der Regie von Diane Lamein mit einiger Leichtigkeit und sehenswerten Spielzügen auf 8:2 abgesetzt und schien bereits auf den Sieg zuzusteuern.

Dem scheidenden Göppinger Trainer Emir Hazimuhamedovic blieb nur das Mittel der Auszeit um den Lauf der Gäste zu unterbrechen. Seine Schützlinge trafen danach zwar wieder, doch enteilte Katharina Schulz sofort zum 3:9-Konter, die kurz darauf den Ball bereits zum vierten Mal versenkte. Während Göppingen den Klassenerhalt bereits mit dem unerwarteten 24:33-Erfolg in Oldenburg fixiert hatte, benötigte Buxtehude einen hohen Auswärtserfolg, um sich noch Hoffnungen auf ein Rückspielheimrecht im Halbfinale zu machen. Für den dritten Rang hätte bereits ein Remis gereicht, doch Buxtehude wollte mehr.

Diese Ausgangssituation merkte man dem Spiel immer mehr an: Der BSV gab weiterhin Gas, brannte ein engagiertes und teilweise übermotiviertes Feuerwerk ab und drängte die Schwäbinnen in die Defensive, auch dort war der Tabellenachte dem hohen Tempo der Norddeutschen aber nicht gewachsen. Nur Anna-Lena Unseld brachte etwas Elan ins Göppinger Spiel und traf mit einer Einzelleistung zum 5:14 (20.).

Nur 100 Sekunden später stand es bereits 5:17 und es schien, als hätten die Schwäbinnen kapituliert. Doch Göppingen zeigte Moral und kämpfte gegen den Spielstand und den inneren Schweinehund an. Vojtiskova mit einem Doppelschlag und Katrin Schröder nach einer sehenswerten Kombination brachten die Frisch Auf Frauen auf 8:18 (26.) heran. Auch nutzten die Gastgeberinnen in dieser guten Phase aus, dass sich Jana Stapelfeldt ob der bequemen Führung einige Würfe nahm und vergab. Diane Lamein setzte zudem einen Strafwurf übers Tor und stagnierte der Vorsprung beim 9:20-Pausenstand bei elf Toren.

Aus der Kabine kam Göppingen trotz Unterzahl zwar engagiert, wurde aber von einer weiteren Zeitstrafe sofort ausgebremst. Die Gäste setzten sich derweil auf 23:9 (35.) ab. Auch wenn Alexandra Meisl eine ordentliche Leistung zeigte und Diane Lamein von der Strafwurflinie das Fürchten lehrte, schien eine Blamage der Gastgeberinnen beim 12:26 (42.) durch Janne Wode unausweichlich. Allerdings gelang einzelnen Akteurinnen immer wieder gute Aktionen, Wendy Smits traf nach 46 Minuten zum 16:28, wobei die BSV-Defensive viel von ihrer anfänglichen Schlagkraft eingebüßt hatte. Buxtehudes Trainer Dirk Leun hatte durchgewechselt und nutzte den großen Vorsprung um allen Feldspielerinnen Einsatzzeiten zu geben.

So blieb das Heimpublikum bei guter Stimmung und konnte zehn Minuten vor dem Abpfiff das 19:29 durch Anna-Lena Unseld beklatschen, die in der zweiten Hälfte weiter die Fäden in der Hand hielt. Nun griff auch Ex-Göppingerin Mami Tanaka auf Seiten der Gäste ein und parierte sofort einen Strafwurf von Martina Fritz. Doch die Differenz sollte sich in der restlichen Spielzeit noch etwas verringern, Verena Breidert verkürzte auf 23:33 (55.). Die in der ersten Hälfte vermisste Konzentration war nun bei Gastgeberinnen fast durchweg vorhanden, sodass Dirk Leun seinen Spielerinnen beim 24:33 (57.) nochmals eine Verschnaufpause gönnte. Danach erhöhten beide Teams nochmals das Tempo, mit der Sirene gelang Anna-Lena Unseld der 27:37-Schlusstreffer, danach knallten bei den BSV-Spielerinnen die Sektkorken.

Stimmen zum Spiel

Dirk Leun, Trainer BSV Buxtehude: "Ich bin überglücklich, weil meine Mannschaft heute ein phänomenale Leistung gezeigt hat. Wir haben gut in der Abwehr gespielt und sind tolle Konter gelaufen. Wir hatten natürlich auch etwas Glück, dass wir so weit weg ziehen konnten, aber Glück hat nur der Tüchtige und ich bin einfach stolz auf meine Mannschaft und darauf, was sie heute gezeigt hat. Jetz spielen wir um um die deutsche Meisterschaft, da gibt es immer Druck. Wir wissen selbst, dass es gegen Leipzig schwer wird und werden uns auf die nächsten Spiele sehr gut vorbereiten. Wenn es dann nichts wird, okay. Wir haben uns heute einen Traum erfüllt, mit einer Mannschaft, die ganz unten eingestuft war, in die Play-offs vorzustoßen.

Emir Hazimuhamedovic, Trainer Frisch Auf Frauen: "Die heutige Leistung können wir nicht schönreden. So darf sich eine Mannschaft nicht präsentieren. Wir waren zu keinem Zeitpunkt in der Lage Akzente zu setzen und haben auch in der Abwehr zu wenig gemacht. Das ist wohl die schlechteste Saisonleistung. Wir können mit Sicherheit besser spielen, ich hätte mir zum Abschiedsspiel mehr erwartet, aber wir waren nicht in der Lage, gegen eine richtig gute Mannschaft heute mehr zu zeigen. An einem guten Tag sind wir in der Lage, jede Mannschaft zu schlagen. In den kommenden Wochen wollen wir nochmals richtig gut trainieren und Gas geben um zu schauen, was wir letztlich erreichen können."