19.04.2009 12:04 Uhr - Champions League - Sandra Pleines - handball-world.com

Györ zieht mit eindrucksvollem 30:21 über Hypo ins Finale der Champions League

Györ jubelt über den FinaleinzugGyör jubelt über den Finaleinzug
Quelle: HAGENpress.com
Mit einem eindrucksvollen 30:21 (12:9) Erfolg über Hypo Niederösterreich zog die Mannschaft von Györ Audi Eto zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in das Finale der Champions League der Frauen ein. In einer randvollen Sporthalle überzeugte der ungarische Meister, der im letzten Jahr im Halbfinale am späteren Sieger Zvezda Zvenigorod gescheitert war, mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung. Herauszuheben daraus waren noch Torfrau Katalin Palinger sowie Spielmacherin Anita Görbicz, die beide ihre Weltklasse bewiesen. Hypo muss den Traum vom neunten Champions League Gewinn nun erneut um ein weiteres Jahr verschieben. Beste Werferinnen waren Anita Görbicz (13/5) für Györ sowie Timea Toth (5/1) für Hypo.

Nach dem knappen Hinspielergebnis lieferten sich die beiden Mannschaften zu Beginn den erwarteten offenen Schlagabtausch. Die Gäste aus Österreich gingen durch Kim in der ersten Spielminute in Führung. Bis zur Mitte der ersten Halbzeit wechselte die Führung aber stets hin und her. Beide Abwehrreihen standen dabei zunächst stabil. Eine frühe Überzahl nutzte Hypo dann zu einer ersten Zwei-Tore-Führung. Alexandra do Nascimento hatte in der achten Minute zum 5:3 getroffen, erfolgreich war dabei auch die kurze Deckung gegen Györs Spielmacherin Anita Görbicz. Deren Mannschaft zeigte sich nun nervös und leistete sich viele unnötige Ballverluste. Fünf Minuten brauchten die Ungarinnen, um zum 5:5 auszugleichen. Anita Görbicz hatte per Siebenmeter getroffen. Nach mäßiger Anfangsphase fand die Weltklassespielerin jetzt zu ihrer Form. Sie lenkte und leitete das Spiel und zeichnete sich als sichere Torschützin aus, vom Siebenmeterpunkt oder aus dem Rückraum. Insgesamt traf sie dreizehn Mal ins gegnerische Netz.

Eine Folge war, dass Györ nun die Führung übernahm. Am ebenfalls von Görbicz geworfenen Siebenmeter zum 9:7 war Hypos Torfrau Sabine Englert dran, der Ball kullerte in Zeitlupe dennoch hinter ihr ins Tor. Hypos ungarischer Trainer Andras Nemeth brachte nun die Brasilianerin Deonise Cavaleiro Fachinello, was sich insofern auszahlte, dass die Spielerin gleich zwei Siebenmeter für ihre Mannschaft herausholte. Den ersten verwandelte Gorica Acimovic zum 9:10 (25.), mit dem zweiten scheiterte sie an Katalin Palinger im Tor von Györ. In sensationeller Manie hielt die Weltklassetorfrau auch den Nachwurf von Acimovic und setzte damit den Startschuß für eine unglaubliche Torhüterleistung. Während Györ durch Anita Herr einen weiteren Siebenmeter verwandelte, scheiterte nun auch Timea Toth vom Siebenmeterpunkt an Palinger. Den Schlußpunkt in der ersten Halbzeit setzte Agnes Hornyak mit ihrem Treffer zum 12:9.

Die Gastgeberinnenund vor allem Anita Görbicz kamen wacher aus der Kabine zurück. Zwei schnelle Treffer der Spielmacherin und der Vorsprung wuchs auf halbwegs komfortable fünf Treffer. Hypo wachte erst nach fünf Minuten wieder auf. Doch der Vorsprung, den sich Györ bis dahin herausgespielt hatte, hielt. Unglücklich agierte am heutigen Tag die deutsche Nationaltorfrau Sabine Englert im Tor von Hypo Niederösterreich. Zwar konnte sie einige gute Bälle, darunter auch zwei Siebenmeter, parieren. Doch insgesamt wurde sie von ihrer Abwehr viel zu oft im Stich gelassen. Hypo baute nun auf eine offene und sehr agressive Abwehr. Dies bremste den Spielfluss der Ungarinnen ein wenig.

Aber die Frauen im grünen Dress konnten sich blind auf ihre Torfrau verlassen. Katalin Palinger hielt einen freien Ball nach dem anderen und zog den Gegnerinnen damit den Zahn. Dadurch bestärkt wurden auch die Angreiferinnen wieder lockerer und mutiger. Immer wieder fanden sie eine Lücke in der gegnerischen Abwehr. Die erst 17-jährige Aniko Kovacsics zeichnete sich hier besonders aus. In der 45. Minute dann eine unschöne Szene: Simona Spiridon wurde von zwei Hypo-Abwehrspielerinnen festgehalten. Sie löste sich aus der Umklammerung und hob die Arme nach oben. Hierbei erwischte sie offensichtlich die hinter ihr stehende Gorica Acimovic im Gesicht. Die Hypo-Spielerin fiel zu Boden und das deutsche Schiedsrichtergespann Methe/Methe entschied, regelkonform aber hart, auf rote Karte gegen Spriridon.

Györ ließ sich dadurch aber überhaupt nicht beeindrucken. Im Gegenteil, jetzt ging es erst richtig los. In der auf die Disqualifikation folgende Unterzahl traf Anita Görbicz zum 19:13. Ab diesem Moment funktionierte im Angriff bei den Ungarinnen nun fast alles. Linkshänderin Anita Herr, die den Verein nach dieser Saison ebenso wie ihre Schwester Orsolya verlassen wird, übernahm Verantwortung und traf fast nach Belieben. Györ war die geschlossenere Mannschaft, taktisch und spielerisch waren die Spielerinnen von Trainer Csaba Konkoly deutlich besser als ihrer Gegnerinnen. Von Hypos Starspielerin Seong-Ok Oh war, wie bereits im Hinspiel, nicht viel zu sehen.

Györs Handballerinnen tanzten nun regelrecht durch die Hypo-Abwehr und erzielten Tor auf Tor. Sabine Englert machte Petra Blazek Platz, doch das Spiel wurde noch zu einem Schützenfest. Eine große Bühne für Anita Görbicz, aber auch für Anita Herr. Die Linkshänderin, bisher nicht allzuviel in den Champions League Spielen eingesetzt, bedankte sich für das Vertrauen des Trainers mit insgesamt fünf Toren. Da Györ nun in der Abwehr ein wenig nachlässig wurde, fielen auch dort noch einige Tore. Der Sieg und der damit verbundene Finaleinzug war aber ungefährdet. Mit ihrem 13. Treffer markierte Anita Görbicz die erste zehn Tore Führung (30:20) für Györ, bevor Timea Toth den Schlußpunkt zum 30:21 setzte.