22.02.2009 15:00 Uhr - 1. Bundesliga - Felix Buß - handball-world.com

Frisch Auf Frauen nach 30:27-Erfolg gegen Dortmund auf Rang acht

Einen wichtigen Teilerfolg im Kampf um den Klassenerhalt in der 1. Bundesliga haben die Frisch Auf Frauen am Sonntagnachmittag gegen den BVB Dortmund eingefahren. Das Team von Emir Hadzimuhamedovic verpatzte zwar den Start völlig und lag nach zehn Minuten gegen zu Beginn überlegene Gäste mit 1:5 zurück, doch die Abwehr stabilisierte sich und über eine Manndeckung an der in Hälfte eins nicht zu haltenden Willemijn Karsten (6/2) kämpfte sich Göppingen zum 12:12-Ausgleich. Danach gelang den Schwäbinnen ein furioser Start, die 15:13-Führung nahmen sie bis zum 30:27 mit. Am Ende fehlten zwei Treffer zum Sprung auf Rang sieben. Katrin Schröder (11) und Torfrau Alexandra Meisl waren die Sieggaranten Göppingens

Katrin Schröder traf elf malKatrin Schröder traf elf mal
Quelle: sportseye.de
Göppingen begann verkrampft, während der letztplatzierte BVB zunächst frech aufspielte. Typisch für den Beginn war gleich die erste Szene, als Martina Fritz für die Frisch Auf-Frauen den Ball gewann, Göppingen ihn sich jedoch wieder abluchsen ließ und durch Robben den ersten Gegentreffer hinnehmen musste. Dortmund präsentierte sich in der Abwehr hellwach und konnte die leicht durchschaubaren Offensivaktionen der Gastgeberinnen immer wieder durchkreuzen, den Rest parierte Torfrau Therese Brorsson. Zudem hatte Dortmund durch Paulus und Karsten Rückraumhoheit, Cocx stellte nach sieben Minuten im Gegenstoß das 1:4 her.

Emir Hadzimuhamedovic reagierte und schickte mit Wendy Smits eine neue Regisseurin aufs Feld, mit viel Elan verbuchte sie nach 13 Minuten beim 3:5 ihren ersten Treffer. Ein Ruck war durch die Gastgeber gegangen, auch Fritz fiel mit guten Aktionen auf. Göppingen entlarvte in dieser Phase die rechte Torseite von Brorsson als die zentrale Schwäche der Gäste. Allerdings hielten allen voran Willemijn Karsten und Tessa Cocx den BVB mit leichten Treffern vorn, sodass die Gäste nach 16 Minuten mit 6:9 führten und kurz darauf durch Zuzana Porvaznikova den alten Abstand wiederhergestellt hatten.

Der erste Treffer über die Flügel sollte den Gastgeberinnen jedoch weiteren Auftrieb verschaffen. Wurde zuvor fast ausschließlich der Weg über den Kreis gesucht, war nun Hannah Breitinger zum 7:10 erfolgreich. Auf der anderen Seite hatte dann Gesine Paulus zweimal Wurfpech und Femke Verboven bedankte sich mit dem 9:10-Anschlusstreffer (20.). „Was die Mannschaft nach der 10. Minute heute gespielt hat, ist absolut erstligareif“, freute sich Hadzimuhamedovic nach dem Abpfiff über das Aufbäumen seiner Schützlinge. Denn Meisl hinter einer guten Abwehr und Schröder am Kreis mit ihren Treffern hielten die Partie jetzt offen, eine Manndeckung an Willemijn Karsten nahm Dortmund das Herzstück im Angriff. In Unterzahl ging Göppingen durch Stratmann beim 12:11 (25.) sogar in Führung, aber dies war zugleich der letzte Treffer der Gastgeberinnen, die bis zur Pause noch den 12:12-Ausgleich hinnehmen mussten.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit war daher weiterhin alles offen. Katrin Schröder gelang dann der erste Treffer und Alexandra Meisl parierte einen BVB-Strafwurf. Die Frisch Auf Frauen hatten nun die besseren Karten, da die Gäste weitere Chancen vergaben und Willemijn Karsten nicht an ihre Leistung anknüpfen konnte. Zwar konnte auch Göppingen die Nervosität nicht ablegen und spielte im Positionsangriff unnötig kompliziert, doch Schröder übernahm weiterhin die Rolle der treffsicheren Torschützin und erhöhte nach 34 Minuten auf 14:12.

Das weiterhin schwache Rückzugsverhalten verhinderte allerdings, dass Göppingen sich absetzen konnte und so gelang Dortmund bereits drei Minuten später durch die eingewechselte Spriestersbach und Lütz der erneute Ausgleich. Doch der BVB blieb im Hintertreffen, Femke Verboven nutzte eine Parade von Meisl, die nun mit zahlreichen guten Aktionen auffiel, zum 18:15 (39.). Die Gäste suchten, obwohl Karstens Spielraum nicht mehr eingeschränkt war, weiterhin ihren Spielrhythmus und ließen sich nach der Pause von der Nervosität des Gastgebers anstecken.

Die Partie blieb hektisch, doch die Göppinger Führung hatte Bestand. Beide Teams kamen in dieser Phase immer wieder zu leichten Treffern. Svenja Spriestersbach antwortete ohne Zögern auf Stratmanns 22:19-Treffer. Nach 50 Minuten hatte Göppingen nach einer guten Abwehraktion schließlich die Möglichkeit erstmals auf vier Tore davon zu ziehen. Vojtiskova traf jedoch nur den Pfosten und Cocx verkürzte im Gegenstoß auf zwei Tore. Der Anschlusstreffer sollte jedoch nicht fallen, die Frisch Auf Frauen hielten die verbissen kämpfenden Dortmunderinnen auf Distanz.

Dos Santos und Vojtiskova sowie Meisl sorgten dafür, dass fünf Minuten vor dem Ende erneut die Chance auf eine Vier-Tore-Führung bestand. Katrin Schröder versenkte in Volleyballmanier im Nachfassen zum 27:23 (56.). Dortmund war angezählt und Vojtiskova sorgte mit dem 28:23-Strafwurf für die Vorentscheidung. Die Tschechin zeigte sich nun torhungrig und treffsicher, mit dem 29:24-Siebenmeter war die Tür zu Rang sieben wieder weit offen. Verboven vergab jedoch die große Chance auf das 31:25 und die Gastgeber erlaubten stattdessen dem BVB nochmals eine Ergebniskosmetik bis zum 30:27-Endstand. Somit blieb die Kür am Ende aus, doch die Pflicht hatte Göppingen erledigt, während sich Dortmund nach dem Einbruch in der zweiten Hälfte weiterhin im Tal der Tränen befindet.

Stimmen zum Spiel

Gustl Wilke (Trainer Dortmund):
Sie haben gesehen, unsere Mannschaft hat sich nicht aufgegeben. Wir haben uns durch die Fehler, die in der Abwehr passiert sind, selbst geschlagen. Mit acht gehaltenen Bällen können wir kein Spiel in der Bundesliga gewinnen. Wenn Göppingen so spät erst die erste Zeitstrafe bekommt, haben wir sie sicher nicht vor unlösbare Aufgaben gestellt. Wir haben Katrin Schröder am Kreis nicht an den Griff bekommen. Ich gehe mal davon aus, dass ich Charakter mitbringen muss, wenn ich in der ersten Liga spielen möchte. Wenn jetzt jemand von uns die Saison abhakt, hat er schlechte Karten. Ich gehe davon aus, dass wir keine Wettbewerbsverzerrung machen. Wir werden weiterhin in jedem Spiel alles geben.

Emir Hadzimuhamedovic (Trainer Göppingen):
Das war mit Sicherheit noch nicht der Klassenerhalt. Ich bin überzeugt, dass Trier und die Rhein-Main-Bienen noch ein paar Punkte holen werden. Aber wir auch. Wir müssen uns in der Liga vor niemandem verstecken. Was die Mannschaft nach der 10. Minute heute gespielt hat, ist absolut erstligareif. Deswegen Respekt an die Mannschaft. Wir haben nach 10 Minuten gewechselt, das hat gefruchtet. Wir haben dann viele leichte Tore erzielt. Nach der Pause wussten wir, dass wir gegen eine 6:0-Abwehr gut aussehen können. Wir haben jetzt ein paar wichtige Spiele vor uns. Am Freitag sind wir für eine Überraschung gut. Hier zu Hause können wir sicherlich mit dem Rückhalt der Fans Leipzig ärgern. Das Spiel heute wird sicher einige Kräfte freisetzen. Zuhause spielen wir dann gegen Frankfurt und Trier, danach wollen wir dann sagen: "Ja, wir haben es geschafft". Schrödi hat vor einigen Wochen eine Verletzung am Sprunggelenk gehabt. Sie hat unwahrscheinlich gut gearbeitet. Am Dienstag hat sie in einem Freundschaftsspiel schon acht Tore gemacht. Da hat man gesehen, dass sie auf einem guten Weg ist. Mit diesen Leistungen gehört sie bestimmt zu den besten Kreisläuferinnen.