17.02.2009 03:00 Uhr - Pokal der Pokalsieger - Christian Stein

Ein Direktflug, der im Bus beginnt und eine eiskalte Hölle - Eindrücke einer Europapokalreise

Anne Müller kannte Skopje bereits von der EMAnne Müller kannte Skopje bereits von der EM
Quelle: Michael Heuberger
Mit Selbstbewusstsein sind die Elfen aus Skopje zurückgekehrt. Denn gegen eine solche Abwehr müssen sich auch die Topfavoriten aus Larvik oder Kopenhagen erst einmal ihre Torchancen herausarbeiten. „Da macht das Handballspielen einfach Spaß, wenn man hinter so einer Abwehr steht. Das macht es mir natürlich erheblich leichter eine gute Leistung abzuliefern“, freute sich Clara Woltering über das Bollwerk vor ihr, das gegen die erstklassig besetzten Mazedonierinnen in zwei Partien nur 42 Gegentreffer zuließ. Nach der 31:21-Gala im Hinspiel lieferte der Defensivverbund auch im Rückspiel beim 20:21 eine Weltklasseleistung ab.

Woltering stand auch vor und nach der Partie im Blickpunkt der mazedonischen Fans. Die Leistungen bei der Europameisterschaft, die die Keeperin mit der Nationalmannschaft im Dezember in der mazedonischen Hauptstadt abgeliefert hat, hatten sich nachweislich ins Gedächtnis der Zuschauer gebrannt. Applaus für eine Gegenspielerin bei der Vorstellung vor der Partie und nach dem Spiel reihenweise Autogrammwünsche, ein ungewöhnlicher Moment für die Kapitänin der Elfen. „Das war schon etwas Besonderes, das man nicht alle Tage erlebt“, so Woltering über diese freudigen Momente.

Dabei hatte die Reise schon ungewöhnlich begonnen, denn ursprünglich wollte man vom Düsseldorfer Flughafen per Direktflug mit einer mazedonischen Airline nach Skopje reisen, doch die Fluglinie musste den Transport verlegen. Mit dem Bus von Leverkusen nach Düsseldorf, wo weitere Passagiere an Bord genommen wurden, ging es nach Maastricht, dort startete der Flieger Richtung Mazedonien. „Mit zwei Stunden Verspätung sind wir dann angekommen und danach sofort zum trainieren in die Halle. Trotz des Direktfluges war es eine lange Reise“, so Anne Müller.

Die Kreisläuferin wusste, was sie in Skopje erwarten würde, denn während der EM war die DHB-Auswahl im selben Hotel untergebracht. „Das Drumherum war vollkommen okay“, so Müller weiter. Silke Meier, die die Elfen nach der Saison in Richtung Sindelfingen verlässt und sich gerne mit einem Titel verabschieden möchte, stimmt mit ihrer Teamkollegin überein. „Das Hotel und das Essen waren vollkommen okay. Da waren wir positiv überrascht, weil wir in der Vergangenheit schon andere Erfahrungen gemacht haben“, so die Linksaußen.

Ungewöhnlich waren hingegen die Temperaturen in der Halle. „Die Auswechselspielerinnen haben auf der Bank mit Winterjacken gesessen, das war unheimlich kalt. Dafür war jedoch die Atmosphäre schön aufgeheizt. Natürlich wurde Skopje lautstark unterstützt und wir auch mal ausgepfiffen, aber das machte für uns die Sache noch interessanter und hat uns noch mehr angespornt“, so Meier.

Angesichts des beruhigen Polsters aus dem Hinspiel bloß nicht die Spannung verlieren und sich Nachlässigkeiten erlauben hatte sich das Team vorgenommen und dies auch eindrucksvoll zu Beginn der beiden Halbzeiten unter Beweis gestellt. „ Es war entscheidend, dass wir in den Anfangsphasen mit vier, bzw. mit drei Toren Vorsprung gestartet sind. Das hat Skopje ein wenig demoralisiert plötzlich 13 Tore aufholen zu müssen“, so Anne Müller.

Einen Wunschgegner für die kommende Runde, die am heutigen Vormittag um elf Uhr in Wien ausgelost wird, haben die Spielerinnen nicht. Leichte Gegner gibt es in einem Viertelfinale des Pokalsiegerwettbewerbs eh nicht mehr, aber verstecken müssen wir uns nach diesen Leistungen auch vor niemanden – so die selbstbewussten Elfen am Montag nach der Rückkehr aus Skopje. Mögliche Gegner sind die norwegischen Mannschaft von Larvik HK, Levanger HK und Gjerpen Handball, sowie Metz HB (Frankreich), BM Parc Sagunt (Spanien), Otelul Galati (Rumänien) und der FC Kopenhagen, bei dem die ehemalige Leverkuserin Nadine Krause spielt.