31.01.2009 18:06 Uhr - 1. Bundesliga - Felix Buß - hbvf.de

Leverkusen feiert 24:23-Zittersieg in Göppingen

Clara Woltering war der Rückhalt ihres TeamsClara Woltering war der Rückhalt ihres Teams
Quelle: Christian Ciemalla
Beide Teams schenkten sich über 60 Minuten nichts. Zahlreiche Chancen wurden von beiden Seiten ausgelassen und mit Alexandra Meisl wie Clara Woltering standen die Torfrauen über weite Phasen im Zentrum des Geschehens. Nach dem 12:12-Pausenstand agierte Leverkusen dann wesentlich druckvoller in der Abwehr und verschaffte sich dadurch Vorteile. Eine klare Führung wollte zwar nicht herausspringen. Erst einige glückliche Überzahlsituationen halfen den Werkselfen gegen tapfer kämpfende Göppingerinnen in der Schlussphase, den kleinen Vorsprung über die Zeit zu bringen. Verboven und Vojtiskova (je 7) waren die besten Werfer Göppingens, während bei Leverkusen alle Spielerinnen gleichermaßen zum Erfolg beitrugen.

Beide Teams starteten unkonzentriert. Ahlgrimm brachte die „Werkselfen“ nach einem Pass von Steinbach erst nach drei Minuten die Führung. Das Kreisläuferspiel mit Byl und Müller wollte sich allerdings nicht auszahlen. Zwar kamen die Rückraumspielerinnen der Gäste immer wieder über den Block, doch Alexandra Meisl im Göppinger Tor zeigte sich in guter Form. Ihre Paraden wurden von der Frisch Auf-Offensive jedoch nicht in Zählbares umgemünzt, erst Aline Silva dos Santos traf nach sieben Minuten erstmals und stellte beim 1:2 den Anschluss her.

Die Göppinger Defensive zeigte sich nun deutlich konzentrierter und zwang Leverkusen zu Fehlern. Ballgewinne waren der Lohn, Verboven drehte den Vorsprung nach neun Minuten mit ihrem Gegenstoß (3:2) zugunsten der Gastgeberinnen. Woltering hatten es die Rheinländerinnen zu verdanken, dass der Vorsprung nicht sofort größer wurde, Vojtiskova scheiterte zweimal. Doch Femke Verboven machte es besser, nach ihrem dritten Gegenstoßtreffer zum 6:3 (14.) sah sich Renate Wolf zur Auszeit gezwungen. Ihre Offensivkräfte Leverkusens verwarfen oder scheiterten an Meisl, die Abwehr zeigte nicht den nötigen Biss.

Erneut war es Woltering, die Leverkusen nun ins Spiel zurück brachte. Glankovicova nutzte eine ihrer Paraden zum 6:5-Anschluss (16.). Göppingen agierte nun zu hektisch und musste nach einem Ballverlust den Ausgleich hinnehmen. Nun war es erneut Leverkusen, das mit einer mangelhaften Chancenauswertung gegen Meisl aufwarteten und eine schnelle Führung vergab. Stattdessen blieb das Spiel umkämpft und die Gastgeberinnen konnten immer einen Treffer vorlegen. Heike Ahlgrimm ragte zwar als wurfstarke Spielgestalterin bei Leverkusen heraus, sie scheiterte jedoch mit der Möglichkeit zum 10:10-Ausgleich (25.) an Meisl, sodass Schröder die Chance zur erstmaligen Zwei-Tore-Führung nutzte. Aufgrund von Karin Weigelts Durchbrüchen und eines von Loerper verwandelten Strafwurfs holten die Elfen allerdings auf und lagen beim 12:12-Pausenpfiff auf Augenhöhe. Göppingen vergab kurz vor der Pause noch drei Großchancen.

Nach dem Wechsel ging Leverkusen in der Deckungsarbeit offensiver zu Werke und zwang Göppingen zu schwachen Abschlüssen. Es blieb jedoch zunächst ein Spiel der Torfrauen. Erst als Anna Loerper nach 37 Minuten beim Stand von 14:14 das Regiment übernahm, gelangte Leverkusen in Überzahl in Front. Yvonne Filgert erhöhte auf 14:16, ehe Stratmann die richtige Antwort fand. Die richtige Reaktion zeigte auch Meisl, nach zwei Paraden schaffte Vojtiskova den 16:16-Ausgleich (42.). Zudem blockte die Tschechin einen Wurf und zeigte im Angriff Spielübersicht. Die Frisch Auf Frauen lagen wieder in Front.

Erneut gelang es Göppingen nun nicht, den Vorsprung zu verteidigen. Anne Müller drehte das Spiel mit ihrem Gegenstoßtreffer zum 17:18 (44.) ein weiteres mal. Auch diesmal war es Alexandra Meisl, die während einer Offensiv-Schwächephase verhinderte, dass Leverkusen davon zog. In Unterzahl hatte sie dann jedoch das Nachsehen, Fillgert erhöhte per Konter auf 18:20 (48.). Das Publikum beschwerte sich derweil immer öfter über die harte Abwehrarbeit Leverkusens, die nicht die Aufmerksamkeit der Schiedsrichter auf sich zog und trotz der sich die Rheinländerinnen aber doch nicht wirksam absetzen konnten.

Denn Göppingen zeigte Moral und großen Kampf. Fritz glich beim 20:20 (51.) aus und Göppingen jagte in der Schlussphase dem geringen Rückstand hinterher. Beide Teams wurden zusehends nervös und ließen viele Chancen aus. Vojtiskova gelang nach 57 Minuten der 23:23-Ausgleich, gleich darauf musste sie jedoch nach der dritten Zeitstrafe vom Platz. Renate Wolf nahm ihre Auszeit um ihre Mannschaft auf die spannende Schlussphase vorzubereiten. 30 Sekunden vor dem Abpfiff traf zum 23:24, 24 Sekunden blieben Göppingen nach der Auszeit von Hadzmuhamedovic. Der letzte Wurf wurde jedoch zur sicheren Beute von Clara Woltering, die nach dem Abpfiff von ihren Mitspielerinnen bestürmt wurden. Auf der anderen Seite hatte Alexandra Meisl Tränen der Wut in den Augen.

Stimmen zum Spiel:

Renate Wolf, Leverkusen:
Das erste was ich gedacht habe, war „Gott sei Dank“. Das war ein Arbeitssieg, ihr habt uns alles abgefordert. Wir sind relativ gut ins Spiel gekommen und unser Tempospiel gespielt. Meine Mannschat hat dann wohl gedacht, das ginge so weiter. Dabei sind wir aus dem Rhythmus gekommen und haben dann ein Spiel zweier gleich starker Mannschaften gesehen. Am Schluss hatten wir dann das glückliche Ende auf unserer Seite. Wir hatten eine kleine Rechnung offen und haben heute das gute Ende für uns gehabt. Wir sind auf einem guten Weg. Ich glaube, dass meine Mannschaft das Zeug dazu hat um den Meistertitel zu spielen. Die Situation endlich mal oben zu stehen ist auch eine Bürde, alle Mannschaften wollen gegen uns gewinnen und das hat man auch heute wieder gesehen.

Emir Hadzimuhamedovic, Göppingen:
Ich bin sehr zufrieden, dass wir so gut gespielt haben heute. Wir haben jetzt in acht Spielen kaum Punkte geholt. Das ist eine schwere Bürde, daher ein riesen Kompliment an die Mannschaft, was sie heute gezeigt hat. Das Publikum war auch wieder grandios hier, es hat Spaß gemacht Handball zu spielen. Wir wurden nicht belohnt für unsere Arbeit, die Schiedsrichter haben dazu mit Sicherheit 50 % beigetragen. Ich bin mir bewusst, dass es schwer ist als Schiedsrichter, aber das war heute eine absolute Frechheit. Dennoch Glückwunsch an Leverkusen, der Sieg geht insgesamt in Ordnung.