26.01.2009 10:48 Uhr - 2. Bundesliga Süd - Denise Heinemann - Südkurier

Gemischte Gefühle in Allensbach nach der Aufholjagd

Es war ein Spiel, dass vieles beinhaltete, was Handball so spannend und attraktiv macht. Zwei gleichstarke Teams, viel Tempo und ein Comeback einer scheinbar aussichtslos zurückliegenden Mannschaft. Die Entscheidung fiel erst mit dem Schlusspfiff, an Spannung war diese Partie kaum zu überbieten. Mit 10:15 lag der SVA zur Pause zurück, am Ende stand ein 28:28 auf der Anzeigentafel.

Marlene Zapf in der Allensbacher DeckungMarlene Zapf in der Allensbacher Deckung
Quelle: Jürgen Pfliegensdörfer
Nun aber der Reihe nach. Zuerst sah es nämlich ganz und gar nicht danach aus, als würde der SVA in die Verlegenheit geraten, eine furiose Aufholjagd starten zu müssen. Die geplante Revanche für die Heimniederlage der Hinrunde und der zum Greifen nahe Play-off-Platz beflügelten die Allensbacherinnen in der Anfangsphase. Mit einem 4:0-Blitzstart überrumpelten sie die Gastgeberinnen der TSG Ketsch. „Wir hätten danach noch deutlich nachlegen können“, sagte SVA-Trainer Oliver Lebherz. Doch dies geschah nicht. Stattdessen stand der SVA vor dem gleichen Problem, das ihm schon im vergangenen Spiel gegen Weibern das Leben schwer gemacht hatte: Klarste Torchancen wurden nicht genutzt. „Wir haben nicht schlecht gespielt, wir haben nur die Bälle nicht reingemacht. So haben wir Ketsch ins Spiel gebracht, sie stark gemacht“, so Lebherz.

Hinzu kam, dass sich die Allensbacher Abwehr nur schwer auf das Schiedsrichtergespann einstellen konnte. Bei ähnlicher Spielweise beider Mannschaften gab ein Zeitstrafen-Verhältnis von acht zu drei zu Ungunsten Allensbachs nicht die wahren Verhältnisse wieder. „Wir wurden heute nicht gerade bevorzugt. Das hat es unserer Abwehr schwer gemacht, ins Spiel zu kommen“, sagte der Allensbacher Trainer.


Friederike Gubernatis trifft mit einem direkten Freiwurf
Foto: Jürgen Pfliegensdörfer


Nach Ende der ersten Halbzeit lag der SVA bereits mit 15:10 zurück. Ein beträchtlicher Rückstand in einem Auswärtsspiel beim starken Erstliga-Absteiger. Doch Lebherz traf in der Pause den richtigen Ton. „Wir können nichts mehr verlieren“, rief er seiner Mannschaft zu und wies noch mal auf die Schmach einer Niederlage im Baden-Derby hin. Eine Maßnahme, die fruchtete, wenn auch nicht sofort. Zunächst ging Ketsch mit sechs Toren in Führung. Doch dann kam Allensbach. Tor für Tor kämpften sich die SVA-Frauen heran. Besonders Laura Denk spielte nach Meinung ihres Trainers „richtig gut“ und machte „in der entscheidenden Phase wichtige Tore“. So gelang den Allensbacherinnen das zur Pause nicht mehr für möglich geglaubte Comeback.

28:27 für den SVA. Noch 41 Sekunden. Jetzt hätte Allensbach eigentlich das Spiel über die Zeit bringen können. Doch der Abschluss folgte zu früh. Ketsch bekam noch einmal die Chance zum Ausgleich und nutzte diese durch einen direkten Freiwurf von Friederike Gubernatis - und das noch nach dem Schlusspfiff.

„Wenn mir jemand vor dem Spiel gesagt hätte, dass wir in Ketsch einen Punkt holen, wäre ich zufrieden gewesen, nach dem Spielverlauf mit diesem Rückstand vielleicht auch noch. Doch wie wir uns in der letzten Minute verhalten haben, hat mir nicht gefallen“, sagte Oliver Lebherz mit gemischten Gefühlen.