26.01.2009 07:25 Uhr - 2. Bundesliga Nord - Heiner Lehmann – handball-world.com

Spreebirds trotz ungewisser Zukunft sportlich weiter top

Franziska Müller glänzte mit acht Toren.Franziska Müller glänzte mit acht Toren.
Quelle: sportseye.de
Eine mannschaftlich sehr ansprechende Leistung boten die Berliner Spreebirds am Sonntagnachmittag dem Publikum in der Lichtenberger Anton-Saefkow-Sporthalle. Trotz der vielen existentiellen Fragezeichen, die sich seit den Vorweihnachtstagen bei den Berlinerinnen abzeichnen, rang die junge Hauptstadt-Sieben die durchaus leidenschaftlich kämpfende Gästemannschaft des TuS Lintfort mit dem von ihr bevorzugten Tempohandball am Ende deutlich nieder und ließ die sympathische Truppe vom Niederrhein etwas niedergeschlagen die Heimreise per ICE vom Berliner Ostbahnhof aus antreten. Den Berliner Fans, die ihrem Unmut über den aus ihrer Sicht zu zaghaft agierenden Vereinsvorstand mit einem Transparent Ausdruck verliehen, zeigte sich keinesfalls eine Mannschaft, die ihren wirtschaftlichen Untergang vor Augen hat.

Fabiane Voß stemmte sich vergeblich gegen die NiederlageFabiane Voß stemmte sich vergeblich gegen die Niederlage
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Zunächst jedoch wurde die Berliner Spielfreude durch einen sehr engagierten Beginn der Lintforterinnen gebremst. Kein Zweifel: die Klosterstädterinnen wollten ihre Chance in der Bundeshauptstadt beherzt suchen. Den Gastgeberinnen blieb nach den Toren von den aus der Bayer Leverkusen-Schule stammenden Fabiane Voß und Felicia Idelberger erst einmal nur das Reagieren. Doch schnell befreiten sich die Spreebirds aus dem ihnen von den Gästen aufgezwungenen Spiel.

Zwar blieb die Fehlerquote auf beiden Seiten recht hoch, doch versuchten die Kontrahenten, durch eine temporeiche Spielgestaltung den Gegner jeweils unter Druck zu setzen. Zunächst konnte dabei aber weder die in der Liga bereits bekannte Schnelle Mitte der Spreebirds noch das druckvolle Aufbauspiel der Gäste aus Lintfort eine Überlegenheit herstellen. Erst beim 12:9 durch Juliane Lang (24.) konnten die Berlinerinnen sich etwas deutlicher vom Gegner lösen. Die erneut vor allem im Tempogegenstoß überzeugende Franziska Müller setzte nur Sekunden später gar noch das 13:9 drauf.

Die TuS-Frauen bemühten sich nun zwar, den Anschluß zu halten, hatten dem Berliner Halbzeit-Endspurt jedoch nicht mehr genug entgegenzusetzen. Romy Schöner und erneut Müller sowie Lang sorgten für die erste Fünf-Tore-Führung und den 17:12-Pausenstand für Berlin.

Nach dem Seitenwechsel war dann plötzlich wieder etwas Sand im Berliner Getriebe. Drei Toren durch Felicia Idelberger auf Lintforter Seite hatten die Berlinerinnen lediglich Juliane Rühs Treffer entgegenzusetzen. Die Gäste witterten nun ihre Chance und suchten durch den Kampf die Oberhand im Spiel zu gewinnen. Dabei zeigten sich allerdings die Gastgeberinnen technisch sicherer und auch athletisch ein wenig im Vorteil. Bis zur Mitte des zweiten Durchgangs hielten sie ihren Vorsprung von drei bis vier Toren.

Ab der 47. Minute bestraften die Spreebirds dann nahezu jeden Fehler der Lintforterinnen im Angriff und zogen ihr gefürchtetes Konterspiel auf. Beim 28:20 durch Berlins Regisseurin Janine Wegner war das Spiel dann so gut wie entschieden. Kreisläuferin Juliane Rüh erhöhte zwischenzeitlich gar auf elf Tore für die Spreebirds. Am Ende stand mit dem 33:23 ein sehr hoher, aber letztlich verdienter Sieg der Berlinerinnen. Wie viel dieser Sieg für den Hauptstadtclub wert ist, wird die nächste Zukunft zeigen. Die Tabelle sieht sie derzeit punktgleich mit den fünftplazierten Magdeburgerinnen nur einen Zähler hinter den Play off-Rängen. Doch augenscheinlich hat der Berliner Frauenhandball derzeit drängendere und existentiellere Probleme als einen möglichen sportlichen Aufstieg.


Die Berliner Fans geben ihrem Unmut Ausdruck und fordern auch personelle Konsequenzen. Foto: sportseye.de