11.11.2008 15:49 Uhr - EHF European League - Ole Rosenbohm - VfL Oldenburg

Oldenburg erwartet Erfahrung aus über 600 Länderspielen

Der Weg des Handball-Bundesligisten VfL Oldenburg im EHF-Pokal wird immer steiniger. Im Achtelfinale trifft das am vergangenen Sonntag in einem Klasse-Drittrundenspiel gegen Dunaferr NK aus Ungarn (29:27 nach 31:31 im Hinspiel) siegreiche Team auf den dänischen Verein Randers HK. Das ergab die Auslosung am heutigen Dienstag in Wien. Oldenburg hat am 7. oder 8. Februar zunächst Heimrecht, eine Woche später findet dann die zweite Partie in Randers statt.

Randers Coach Martin Fruelund Albertsen war einmal Trainer beim HC LeipzigRanders Coach Martin Fruelund Albertsen war einmal Trainer beim HC Leipzig
Quelle: Christopher Monz
Randers HK ist ein guter Gegner. Die dänische Liga gilt als die beste der Welt, nirgendwo sind so viele ausländische Top-Spielerinnen aktiv. "Diese Spielklasse ist ein Kaliber für sich", sagt auch VfL-GmbH-Geschäftsführer Peter Görgen: "Wir sind ganz klar der Außenseiter, auch wenn wir nicht chancenlos sind. Wichtig wird das Hinspiel werden." Görgen sei "sehr zufrieden" mit dem Los.

Nicht weniger als 13 Spielerinnen mit insgesamt über 600 Einsätzen in den jeweiligen A-Nationalmannschaften stehen im Kader von Trainer Martin Albertsen. Der ist auch in der Bundesliga kein Unbekannter, trainierte von 2004 bis 2006 den HC Leipzig und holte dort in seiner letzten Saison das Double aus Meisterschaft und Pokal. Albertsen ging nicht mit leeren Händen und nahm die 173-fache dänische Nationalspielerin Katrine Fruelund (30 Jahre) sowie Nina Wörz mit. Die 28-jährige Wörz ging von 1997 bis 2000 für den VfL Oldenburg auf Torejagd, wechselte dann nach Leipzig. Seit dem Februar 1999 ist die Aufbauspielerin auch Mitglied der DHB-Auswahl. In 144 Länderspielen erzielte die gebürtige Bremerin 281 Tore. 2007 folgte noch die Brasilianerin Chana Masson (29) dem Lockruf ihres früheren Coaches.

Masson ist es auch, vor der die in der vergangenen Serie für Randers aktive Neu-Oldenburgerin Angie Geschke mit den meisten Respekt hat: "Die Mannschaft ist sowieso gut, aber Chana ist Extraklasse", sagt Geschke. Ebenfalls stark und ein völlig anderer Torwart-Typ sei Therese Pedersen (51 Länderspiele für Norwegen), gegen die es laut Geschke vor allem die Außen ungewöhnlich schwer hätten. Geschke: "Wir haben Chance, wenn jede von uns ihr Potenzial ausspielen kann. Aber wir sind ganz klarer Außenseiter. Blöd ist auch, dass wir zunächst zu Hause spielen. Ich freue mich riesig auf die beiden Spiele. Diesen Gegner habe ich mir natürlich am meisten gewünscht."

Randers ist derzeit Achter (8:12 Punkte) in der dänischen Liga. Auch vergangene Saison hatte der Club Startschwierigkeiten, geriet sogar in Abstiegsgefahr, konnte sich letztlich aber doch für den EHF-Cup qualifizieren. Im EHF-Pokal 2007/08 schied Randers schon in der zweiten Runde gegen das spanische Spitzenteam Elda Prestigio aus. Nur ein Tor fehlte zum Weiterkommen, 30 Sekunden vor Schluss hatte RHK im Rückspiel in eigener Halle noch den Ball, verwarf aber und kassierte das entscheidende Gegentor. Dieses Jahr lief es besser: In der dritten Runde setzte sich der Club gegen Motor Zaporozhye aus der Ukraine durch (26:32, 33:23).

"Als wir uns als Challenge-Cup-Sieger entscheiden durften, ob wir wieder im Challenge Cup oder im EHF-Pokal antreten, haben wir uns für den höherwertigen Wettbewerb entschieden, weil wir uns attraktive Gegner gewünscht haben. Bitte sehr: Hier sind sie", sagt VfL-Trainer Leszek Krowicki: "Es werden unheimlich schwere Spiele. Aber wir werden es noch einmal probieren."

Zum etwa 520 Kilometer entfernten Auswärtsspiel fahren die VfL-Handballerinnen mit dem Mannschaftsbus. Auch wird der Club einen Fanbus organisieren. Randers ist eine Hafenstadt in Ost-Jütland. Etwa 93.000 meist sportbegeisterte Menschen leben in der Stadt, in der die Handballerinnen zusammen mit den Erstliga-Fußballern die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen. "Randers ist absolut sehenswert. Die Stadt hat unheimlich viel Charme", berichtet ein Dänemark-Kenner aus Oldenburg.



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