09.12.2005 16:41 Uhr - Weltmeisterschaft - Martin Kloth - dpa

Vom Kapitän zur Co-Trainerin - Architektin Schmidt baut am Erfolg mit

Co-Trainerin Heike SchmidtCo-Trainerin Heike Schmidt
Quelle: Andreas Walz
In der Kasaner Kathedrale schlug ihr Architekten-Herz ebenso hoch wie ihr Handball-Herz im Sportpalast Jubileini: Heike Schmidt kommt bei der Handball-Weltmeisterschaft in St. Petersburg voll auf ihre Kosten. Während der Stadtrundfahrt am Ruhetag war die Oldenburgerin für ein paar Stunden wieder mehr Architektin als Co-Trainerin der deutschen Nationalmannschaft. «Kirchen faszinieren mich», bekannte sie.

Vor allem die gewaltigen Dimensionen der Petersdom-Kopie hatten es Heike Schmidt angetan. «Das war das Schönste», sagte die 34 Jahre alte ehemalige Spielerin des Bundesligisten VfL Oldenburg. Weniger Anklang fanden bei ihr die berühmten Paläste und Bauten im barocken und klassizistischen Stil. «Ich schreie nicht gleich vor Entzückung auf. Ich finde das zwar toll, aber es reißt mich nicht vom Hocker.»

In den barocken Winterpalast will Heike Schmidt aber trotzdem unbedingt, weil dort die Eremitage untergebracht ist. «Es wäre eine Schande, wenn man in St. Petersburg ist und dort nicht drin war.» Der Job als Co-Trainerin lässt ihr allerdings kaum Gelegenheit dafür. «Ich bin froh, wenn ich mal eine halbe Stunde Ruhe habe», sagte sie.

Bis vor fünf Monaten sah das ganz anders aus. Erst seit Juli baut Heike Schmidt als Assistentin von Bundestrainer Armin Emrich am erhofften Erfolg der deutschen Handball-Frauen mit, statt Häuser zu entwerfen. Am 18. Juni hatte die Mittelspielerin mit ihrem 168. Länderspiel ihre sportliche Laufbahn nach 23 Jahren Handball beendet. In dieser Zeit hatte sie WM-Bronze gewonnen sowie je zwei deutsche Meisterschaften und DHB-Pokalsiege und den Gewinn des Europacups der Pokalsieger gefeiert. Leicht gefallen ist ihr dieser Schritt nicht: «Wenn man nur Handball im Mittelpunkt hat, steht man da und muss sein Leben umkrempeln.»

Dass die Oldenburgerin nun nicht mehr der Kapitän der Nationalmannschaft, sondern deren Co-Trainerin ist, hat sie Armin Emrich zu verdanken, der sie nach seinem Amtsantritt im März unbedingt an seiner Seite haben wollte. «Die Idee ist in seinem Kopf geboren. Er hat auch nicht locker gelassen und ich habe gesagt, sportlich reizt mich das», begründete sie ihren Wechsel vom Parkett auf die Bank, «aber so richtig realisiert habe ich das erst jetzt, wo ich weiß, dass ich nicht mehr eingewechselt werde.»

Verglichen mit ihrer Rolle als Mannschaftsführerin auf dem Spielfeld ist ihr Betätigungsfeld um ein Vielfaches gewachsen - angefangen vom Erstellen des Tagesplanes über das Videostudium bis hin zum Training. Und manchmal ist Heike Schmidt auch als Trostspenderin für die Spielerinnen gefragt, die nur wenig oder gar nicht zum Einsatz gekommen sind. «Dazu gehört auch Seelenmassage. Ich kann mich genau in die Situation hinein versetzen. Wenn der Trainer zu einem kommt und sagt, dass man nicht spielt, geht einem das durch Mark und Bein», berichtete sie.