28.09.2008 17:32 Uhr - 1. Bundesliga - Ole Rosenbohm und Christian Stein

Oldenburg ist gegen Leverkusen siegreich

Siegreich mit dem VfL: Sabrina NeuendorfSiegreich mit dem VfL: Sabrina Neuendorf
Quelle: Thorsten Helmerichs
Die Talfahrt des vermeintlichen Titelkandidaten Bayer Leverkusen hält an. Mit 32:27 (14:14) setzte sich der VfL Oldenburg gegen das Team von Trainerin Renate Wolf durch. Im ersten Durchgang wogte das Spiel hin und her, kein Team konnte sich entscheidend absetzen, auch wenn lange Zeit die Gäste dominierten. Nach der Pause hatte Oldenburg den besseren Start, nach einem Doppelschlag von Angie Geschke zum 23:19 (44.) musste Wolf per Time-out die Reißleine ziehen. Aber Leverkusen schaffte die Wende nicht mehr, im Gegenteil, Oldenburg marschierte weiter davon und hatte beim 30:22 (55.) durch Haege Fagerhus die Weichen Richtung Sieg gestellt. Damit ist der schlechteste Saisonstart seit sieben Spielzeiten perfekt. Zuletzt legten die Elfen im Jahr 2001 einen Start von 2:6 Punkten hin.

Mit der Niederlage ist der schlechteste Saisonstart Leverkusens seit sieben Spielzeiten perfekt. Zuletzt legten die Elfen im Jahr 2001 einen Start von 2:6 Punkten hin. Für Oldenburg war es das erste Mal, dass in der EWE Arena - seit der Serie 2005/06 die Spielstätte des VfL - eine Spitzenmannschaft geschlagen wurde. Gegen Bayer Leverkusen lag der zuvor letzte Erfolg der Oldenburgerinnen schon fünf Jahre zurück: Am 4. Oktober 2003 gewann der VfL noch in der Brandsweg-Halle mit 25:22. Damit ist der Challenge-Cup-Sieger hinter Frisch Auf Göppingen (beide 8:2 Punkte) Zweiter. Leverkusen ist Zehnter. 1100 begeisterte Zuschauer sahen die Partie, der mit Abstand beste Besuch der laufenden Saison. Zunächst gehörte den Gästen vor allem dank einer guten und aggressiven Abwehrarbeit die Anfangsphase der Partie. Die früh heraus gespielte zwei Tore Führung hatte auch nach einer Viertelstunde noch Bestand, nachdem Anne Müller ihr erstes Saisontor zum 6:8 erzielt hatte. "Es war wie gegen Göppingen, wo wir bereits in der Anfangsphase die Chancen auf eine höhere Führung leichtfertig vergeben", so Trainerin Renate Wolf nach der Partie.

Doch die Gäste verpassten es, davon zu ziehen, weil der VfL hinten auch gut stand und vor allem in Tatiana Surkova abermals eine überragende Kraft zwischen den Pfosten hatte. In der neunten Minute (gegen Anna Loerper) hatte die Oldenburgerin bereits fünfmal gehalten, sieben Minuten später verhinderte Surkova wieder gegen Loerper aber diesmal vom Kreis das 5:7, entschärfte gegen Claudia Schückler (4.) und Penda Maria Böninghausen (20.) zudem Gegenstöße in überragender Manier.

Denn danach kam ein Bruch ins Spiel der Gäste. Mit einem Doppelpack von Ines Gümmer glich der VfL aus. Gümmer spielte das erste Mal überhaupt in einem Bundesligaspiel von Anfang an und enttäuschte das Vertrauen ihres Trainers Leszek Krowicki keineswegs. Beim 4:5 (11.) nach tollem Diagonal-Pass Angie Geschkes düpierte sie Gegenspielerin Yvonne Fillgert, beim 7:8 (18.) traf die eingelaufene Gümmer nach Vorlage von Julia Wenzl aus der mittleren Rückraumposition, beim kurz darauf folgenden 8:8 per Gegenstoß ließ sich die 24-Jährige auch durch ein Foul Loerpers nicht stoppen. "Ines hat sich diese Chance verdient, und es war die richtige Entscheidung", sagte Krowicki später. Auch Rechtsaußen-Konkurrentin Haege Fagerhus gab zu: "Ines hat gut gespielt, da ist es nur natürlich, dass sie ihre Chancen bekommt. So muss ich dann um meine Chancen kämpfen, das habe ich heute etwas später getan." Erstmals in Führung ging der VfL durch Carolin Schmele (9:8/20.).

In den letzten zehn Minuten entwickelte sich eine ausgeglichene Partie, in der sich keine Mannschaft bis zur Pause einen Vorteil erspielen konnte. Personell verzichtete Krowicki auf Wechsel zwischen Angriff und Abwehr, vertraute aber wieder auf Rotation im Zentrum. So kam die wie gegen den Thüringer HC (26:24) überzeugende Julia Wenzl auf viel Einsatzzeiten. Erst 13 Sekunden vor der Pause nahm Krowicki seine Auszeit, brachte eine siebte Feldspielerin und wurde durch diesen Zug mit dem 14:14 durch Schmele belohnt. So wurden beim Stand von 14:14 die Seiten gewechselt.

Im zweiten Spielabschnitt erwischten die Gastgeber den besseren Start. Der immer schneller und beweglicher agierende VfL ließ sich nicht mehr von der Gäste-Abwehr aufhalten, vorne fehlten den Leverkusenerinnen Ideen. "Leverkusen fehlte die Gefahr aus dem Rückraum, dadurch konnten wir etwas tiefer stehen, und die ja ziemlich guten Kreisläuferinnen hatten weniger Platz", analysierte Sabrina Neuendorf treffend. Mit Lyn Byl und Anne Müller versuchten es die Elfen in der zweiten Hälfte wie Oldenburg (Kethorn und Kathrin Scholl) oft mit zwei Kreisläuferinnen. Neuendorf aus der zweiten Reihe sorgte für das 19:16 (38.), Geschke für das 20:17 (39.), Wenzl per Einzelaktion für das 21:18 (40.): Antworten hatte an diesem Nachmittag nur der VfL, Bayer rieb sich zunehmend in Einzelaktionen auf.

Die Elfen hielten jedoch noch zunächst den Anschluss, doch als Angie Geschke mit einem Doppelschlag die Niedersächsinnen mit 23:19 in Front brachte, beantragte Trainerin Renate Wolf ihre Auszeit. Noch einmal kamen die Elfen durch Schückler und Müller auf zwei Tore heran. Dann jedoch spielte nur noch Oldenburg. "Das war einfach nur desolat", sagte Trainerin Renate Wolf zur Leistung nach der Pause. "Wir haben uns in Einzelaktionen aufgerieben, ohne System gespielt und Oldenburg zu Gegenstößen eingeladen." Einen nutzte die im letzten Viertel des Spiels eingewechselte Fagerhus zum 28:22 (52.). Kurz darauf erhöhte Kethorn von Linksaußen, wieder Fagerhus sorgte für den höchsten Vorsprung: 30:22 (55.). Die Entscheidung war gefallen. Die Schlussminuten gehörten dann jedoch wieder den Elfen, die noch einmal Moral bewiesen und noch einmal auf vier Tore herankamen, ehe Angie Geschke mit dem Treffer zum 32:27 den Schlusspunkt setzte.

Wieder einmal bestach der VfL durch eine sehr gute Mannschaftsleistung. Die treffsichere Gümmer und die hinten mit vielen Ballgewinnen und vorne durch vier Tore effektive Natalja Parchina stachen auf dem Feld leicht heraus. Beste VfLerin aber war Surkova. Bei Leverkusen überzeugte noch Anne Loerper am ehesten, gute Aktionen hatte auch die später eingewechselte Heike Ahlgrimm. Am nächsten Wochenende steht für die Elfen die nächste Heimaufgabe auf dem Programm. Gegner im Schulzentrum Ophoven ist dann der Buxtehuder SV, der durch den 29:28 Erfolg über den Thüringer HC in der Tabelle an den Elfen vorbeizog und schon in Trier seine Auswärtsstärke demonstrierte.

„Die Art und Weise unseres Spiels hat Spaß gemacht. Wir haben vorher an unsere Chance geglaubt, weil wir wussten, dass wir Leverkusen unter Druck setzen können. Danke an die Zuschauer, die Stimmung hatte wieder Europapokal-Niveau“, bilanzierte VfL-Trainer Leszek Krowicki. Renate Wolf war hingegen bedient: „In der ersten Halbzeit hat prinzipiell noch viel gepasst, die zweite aber war einfach nur desolat. Wir haben nicht mehr das Tor gesucht, ohne System gespielt und Oldenburg zu Gegenstößen eingeladen. Ich stelle fest: Wir haben im Moment kein Selbstvertrauen im Team und glauben auch nicht an uns selbst.“

„Ich weiß auch nicht, was mit uns passiert ist“, stellte Tatiana Surkova fest: „“Fest steht, wir halten momentan unser hohes Niveau. Es könnte sein, dass wir einfach erfahrener geworden sind. Heute hat der Wille gestimmt, das war entscheidend.“ „Das Spiel von Leverkusen war längst nicht so gut wie in der vergangenen Saison. Unser Plus ist unsere Ausgeglichenheit, heute haben wir wieder aus allen Positionen getroffen. Es gibt allerdings auch Situationen, in denen man Leute braucht, auf die man sich verlassen kann“, ergänzte Sabrina Neuendorf.