21.09.2008 16:49 Uhr - 1. Bundesliga - Ole Rosenbohm - VfL Oldenburg

Starke Oldenburgerinnen überzeugen gegen Blomberg

Anna BadenhopAnna Badenhop
Quelle: Jürgen Pfliegensdörfer
Überragend in der Abwehr, kreativ und schnell im Angriff: Bundesligist VfL Oldenburg hat am heutigen Sonntagnachmittag in der EWE Arena alle Experten und vielleicht auch sich selbst überrascht und ProVital Blomberg-Lippe überzeugend geschlagen. "Oldenburg war in allen Belangen besser, der Unterschied war noch deutlicher als das Ergebnis", gab Blombergs Trainer André Fuhr nach der 23:29 (15:17)-Niederlage seiner vor der Saison deutlich verstärkten Mannschaft zu. Blomberg rutschte auf den neunten Rang ab, Oldenburg ist nun Vierter.

Zunächst aber konnte sich niemand absetzen. Bei den Gästen schalteten besonders Sabrina Neukamp und Michaela Seiffert nach Belieben. Das vom Spitzenteam Bayer Leverkusen verpflichtete Duo war für die ersten zehn Tore Blombergs verantwortlich. Seiffert (vier Treffer bis zur 15. Minute) bestach durch körperliche Präsenz, die oft geschickt von Rechtsaußen einlaufende Neukamp (sechs Tore bis zur 17. Minute) durch Schnelligkeit und Kreativität.

Damit war es aber nach etwa 17 Minuten vorbei. Neukamp scheiterte mit einem Siebenmeter an Oldenburgs Tatiana Surkova, Seiffert wirkte nun zunehmend müde, produzierte Fehler und vergab Torchancen. "Es ist eben auch ein Nachteil, wenn man so ausrechenbar ist", sagte Fuhr später. Julia Wenzl brachte den VfL mit 12:10 in Führung (21.), Anna Badenhop erhöhte per Gegenstoß und nach traumhaften Zusammenspiel mit Wiebke Kethorn auf 13:10 (22.).

Solche und ähnliche Aktionen zeigte Oldenburg den 400 Zuschauern in der EWE Arena zur Genüge. So etwa beim 23:19 (41.), als Surkova Badenhop bediente und diese quer zur mitlaufenden Ines Gümmer passte. Gümmer spielte in der zweiten Halbzeit für Haege Fagerhus, wieder erledigte die 24-Jährige ihre Aufgabe souverän.

Übertroffen wurde Gümmers Leistung aber von Linksaußen Anna Badenhop. "Ihr bestes Spiel, seit sie beim VfL ist", war auch VfL-GmbH-Geschäftsführer Peter Görgen von der 23-Jährigen begeistert. Badenhop traf siebenmal, scheiterte bei nur zwei Versuchen und hatte mit zunehmender Spielzeit auch Gegenspielerin Neukamp im Griff. "Wir haben gekämpft und aus einer sicheren Abwehr unsere Stärke, die Schnelligkeit, ausgespielt", stellte Badenhop nach dem Spiel die mannschaftliche Leistung in den Vordergrund.

Allerdings hätte sich Oldenburg Ende erster und Anfang zweiter Halbzeit fast um den verdienten Lohn der Arbeit gebracht. Nach dem 14:11 unter angezeigtem Zeitspiel durch Sabrina Neuendorf (24.) verpasste es der VfL, mehr Nutzen aus der Deckungsarbeit zu ziehen. Blomberg fiel zwar weiterhin wenig ein, vorne verschenkten die Oldenburgerinnen allerdings mehrmals ihren Ballbesitz. Zwei Minuten vor der Pause vergab Fagerhus einen von Neuendorf heraus geholten Strafwurf. Kurz danach hielt Blombergs Natalie Hagel wieder gegen die Norwegerin, nachdem ihre Mitspielerinnen mit schnellem Direktspiel Platz für die Rechtsaußen gemacht hatten.

Nach dem Seitenwechsel glich Blomberg sogar zweimal aus. Geschke, Neuendorf und Gümmer scheiterten an der Latte oder an Hagel, auch schlossen Natalja Parchina und Geschke je einen Angriff etwas übermotiviert, früh und vor allem ohne Torerfolg ab. Annamária Ilyés sorgte zweimal für Gleichstand (18:18/34., 19:19/35.).

Mehr Positives gab es von den Gästen aber nicht zu sehen. Die Schiedsrichter Robert Schulze und Tobias Tönnies zeigten bei drei fast aufeinander folgenden Blomberger Angriffen Zeitspiel an, zudem blockten Neuendorf, Geschke und Scholl Würfe der unter ihrem Niveau agierenden Mirja Mißling. Etwas offensiver und noch aggressiver als vor der Pause nahm die Abwehr der Gastgeberinnen die Schlüsselspielerinnen der Gäste aus der Partie. In der Folge klappte das Offensiv-Spiel Oldenburgs wieder, die Mannschaft knüpfte auch im Positionsangriff an die Leistung der ersten Hälfte an, die Gegenstöße funktionierten sowieso reibungslos.

Der VfL verzichtete auf Maike Schirmer, die die zeitgleich spielende A-Jugend verstärkte. Der Rest des Teams zeigte eine überwiegend sehr starke Leistung. Fast alle befragten Beteiligten erwähnten Surkovas Spiel und die Deckung als Basis des zweiten Sieges im dritten Saisonspiel. Oldenburgs zweite Torfrau Julia Renner kam deswegen wieder einmal nicht zum Einsatz. Badenhop wurde verdient zur besten Spielerin gewählt. Nur wenig stand ihr Geschke nach, die fünfmal selber traf, aber über ein halbes Dutzend Torvorlagen fabrizierte. Auch Spielgestalterin Neuendorf, die bereits nach 14 Minuten ihre zweite Zeitstrafe kassierte, verdiente sich eine Bestnote. Gut hinten wie vorne spielten die Kreisläuferinnen Kethorn und Scholl. Parchina kam diesmal auffallend oft und lange im Angriff zum Einsatz - ein taktischer Zug Krowickis, der sich als gelungen erwies. Alles in allem: Die beste Saisonleistung des VfL katapultierte die Oldenburgerinnen auf einen Playoff-Platz.

Stimmen:

Leszek Krowicki, Trainer VfL: Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Wir haben die berechtigte Kritik in den vergangenen Wochen sehr ernst genommen. Wir haben nach vorne mit Risiko und Tempo agiert, waren physisch topfit und ausgeglichen. Wir haben im Gegensatz zum letzten Spiel die Außen integriert und unsere Angriffe konsequent ausgespielt. Für diesen Sieg haben wir hart gearbeitet, es hat sich gelohnt.

André Fuhr, Trainer Blomberg: Oldenburg war in allen Belangen besser, der Unterschied war noch deutlicher als das Ergebnis. Jetzt stecken wir mittendrin im Abstiegskampf, das müssen wir aber noch den Letzten bei uns im Kader aber noch klarmachen. Bei uns kamen frische und motivierte Leute von der Bank, bei uns kamen müde Leute. Ich muss aber auch sagen, dass nicht alles schlecht war. In der ersten Halbzeit haben beide Mannschaften schnellen und attraktiven Handball gezeigt. Aber immer, wenn es kritisch wurde, haben wir Fehler gemacht.