12.09.2008 15:56 Uhr - 2. Bundesliga Nord - Heiner Lehmann – handball-world.com

Berliner Spreebirds gehen mit MUT in die neue Saison

Nach dem Ausstieg des bisherigen Hauptsponsors Berliner Verkehrsbetriebe schien die Zukunft der Zweitliga-Handballerinnen der Spreebirds lange ungewiß. Doch obwohl noch kein adäquater Ersatz für das hauptstädtische Verkehrsunternehmen gewonnen werden konnte, hat sich einiges getan bei den Berlinerinnen. Es herrscht sogar regelrechte Aufbruchstimmung beim Lichtenberger Club. Und aus der Not, noch keinen Sponsor für die Hauptwerbefläche zur Hand zu haben, machten die Spreebirds eine nachahmenswerte Tugend: in dieser Saison tragen sie die Initiative „MUT gegen rechte Gewalt“ in die Handballhallen der Republik und zeigen so ein seltenes, wenn nicht gar einzigartiges gesellschaftliches Engagement im Leistungssport.

Spreebirds-Kapitänin Juliane LangSpreebirds-Kapitänin Juliane Lang
Quelle: sportseye.de
„Wir waren ganz baff“, so Holger Kulick von der Internet-Redaktion „MUT gegen rechte Gewalt“ über den Vorschlag der Spreebirds, in Zukunft derart zusammenzuarbeiten. Und Kulick ist nicht nur die Freude, sondern auch die Hochachtung vor dem mutigen Schritt des jungen Spreebirds-Teams anzumerken, als er am Montagabend bei der Präsentation der neuen Trikots direkt am Spreeufer das Wort an Sponsoren und Presse richtet. „Der Bezirk Lichtenberg war vor allem mit dem Weitling-Kiez in den letzten Jahren immer wieder Brennpunkt rechter Gewalt. Um so bedeutungsvoller und auch mutiger ist die Entscheidung der Mannschaft zu sehen.“

„Uns war besonders wichtig, dass die ganze Mannschaft geschlossen hinter der Initiative steht“, hebt Handball-Abteilungsleiter André Schünke hervor. Das ist den jungen Damen auch anzusehen: sie machen in den hellblauen Trikots mit dem roten MUT-Logo nicht nur eine ausgesprochen gute Figur, sondern präsentierten ihre Spielkleidung auch selbstbewusst bei der Vorstellung des Teams am Montagabend.

Doch nicht nur dieses Selbstbewusstsein spricht für Aufbruchstimmung in der Hauptstadt. Auch der Auftritt der Spreebirds wird ab dieser Saison ein neuer, ein professionellerer sein. „Wir wollen das Spiel als Event mehr in den Vordergrund stellen“, erläutert Schünke die Pläne. Ein neuer Einlauftrailer und eine stimmungsvolle Präsentation der Mannschaft vor dem Spiel zeigen, dass die Spreebirds in der „neuen Handballwelt“ ankommen wollen. Selbstverständlich gehört auch die Präsenz der Initiative „Mut gegen rechte Gewalt“ in der Heimhalle und vielleicht auch bei dem ein oder anderen Auswärtsspiel zum neuen Spreebirds-Auftritt. „Wir wollen die Mannschaft medial begleiten und so auf ihrem Weg unterstützen“, so Holger Kulick zu den Details der Zusammenarbeit, „auf unserer Website wird es u.a. einen Blog der Mannschaft geben und wir wollen bei den Spielen über unsere Arbeit informieren.“


Das Team der Spreebirds 2008/09 präsentiert die neuen Trikots mit dem Logo von Mut gegen rechte Gewalt auf der Brust. Foto: sportseye.de


Gesicherter Mittelfeldplatz ist das sportliche Ziel

Doch natürlich zählt auch die sportlich Seite, auf der die Berlinerinnen noch kleinere Brötchen backen müssen. „Unser Ziel ist es, so schnell wie möglich nichts mehr mit dem Abstieg zu tun zu haben“, gibt Bundesliga-Vorstand Wolfram Eschenbach das Saisonziel vor. „Wir streben einen gesicherten Mittelfeldplatz an.“ Auch auf der wirtschaftlichen Seite waren die Hauptstädter nicht untätig. Der Etat sei, so Eschenbach, bereits zu zwei Dritteln gesichert. An der Deckung der Lücke arbeiten die Spreebirds-Macher intensiv.

Die Neuzugänge der Spreebirds sind allesamt junge, ergo auch hungrige Spielerinnen. Aus der Frankfurter Talenteschmiede kamen Torhüterin Christine Korves, Rechtsaußen Janine Klein und Rückraumspielerin Kristin Spremberg, aus Neubrandenburg Torhüterin Anne Luttkus, vom Berliner TSC Juliane Wittkopf und von Pro Sport Berlin 24 Kreisläuferin Theresa Loll.

Für sie und natürlich auch die „alten“ Spreebirds wird es am Samstagabend erstmals Ernst, wenn der TSV Nord Harrislee in der Lichtenberger Anton-Saefkow-Halle zu Gast ist. Die Norddeutschen waren in der vergangenen Saison noch Play off-Teilnehmer, hatten aber nach der Spielzeit 2007/08 die Abgänge wichtiger Leistungsträgerinnen wie Randy Bülau und Kaja Schmäschke (bei zum Buxtehuder SV) zu verkraften. Auch die Nord-Frauen sind wirtschaftlich alles andere als auf Rosen gebettet: „Unser finanzielles Umfeld ist abgegrast“, so Teammanager Tim Petersen gegenüber dem Flensburger Tageblatt.

So ist auch der TSV, ähnlich wie die Spreebirds,, dazu "verdammt", auf die Jugend zu setzen. Säulen des Teams aus dem hohen Norden werden dabei vor allem Jana Lembke, Melanie Warr und Bente Maassen sein. Für beide Mannschaft wird dabei nicht unerheblich sein, wie sie am Samstagabend in Berlin in die Saison starten, welches der beiden Teams damit vielleicht die Grundlage für einen kleinen „Lauf“ gleich zu Beginn der Saison legen kann. Anwurf in der Anton-Saefkow-Halle ist um 19.30 Uhr.