17.08.2008 07:39 Uhr - Olympische Spiele - dpa

Handball-Frauen ausgeschieden - Emrich: Druck zu groß

Armin Emrich wird mit seinen Spielerinnen die Gründe des Ausscheidens beleuchten.Armin Emrich wird mit seinen Spielerinnen die Gründe des Ausscheidens beleuchten.
Quelle: Michael Heuberger
Kein Wunder in Peking: Die Rückkehr der deutschen Handball-Frauen zu Olympischen Spielen endete am Sonntag unter Tränen bereits nach der Vorrunde. Nach drei Jahren stetigen Aufschwungs erlitt der hoch gehandelte WM-Dritte bei seinem ersten Olympia- Turnier seit 1996 einen bitteren Rückschlag und muss in vier Jahren in London erneut einen Anlauf zur ersten Olympia-Medaille für eine deutsche Frauen-Mannschaft nach Bronze für die DDR 1980 nehmen. «Im Endeffekt war der selbst auferlegte Druck zu groß. Grundmangel war die schwache Torausbeute», konstatierte Bundestrainer Armin Emrich.

Noch bevor die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) zu ihrem letzten Vorrundenspiel gegen Weltmeister Russland auf das Parkett des Olympic Sports Center Gymnasium kam, war das Olympia-Aus besiegelt. Nach dem 20:30-Fiasko gegen Südkorea sowie den verschenkten Punkten bei den knappen Niederlagen gegen Ungarn (24:25) und Schweden (26:27) war dem Team um die angeschlagene Rekord-Torschützin Grit Jurack am Ende auch das Glück nicht mehr hold. Weil sich Schweden am Sonntag mit 25:22 gegen Brasilien durchsetzte, konnte selbst ein Sieg gegen Russland nicht mehr zum Einzug ins Viertelfinale verhelfen. Nur eine Punkteteilung zwischen Schweden und Brasilien hätte dem DHB-Team diese letzte Chance eröffnet.

«Wir haben so ein großes Leistungsvermögen. Aber es zeigt sich, wenn nur zwei Spielerinnen pro Spiel das abrufen, ist es zu wenig», beklagte Spielmacherin Maren Baumbach. Zu schwankend waren die Leistungen in jeder Partie. Das sei keine Frage des Kopfes gewesen. «Wir sind nicht ins Turnier gegangen und waren verkrampft», erklärte die Spielerin vom dänischen Spitzenclub FC Kopenhagen.

Damit urteilte sie anders als der Bundestrainer, der durchaus mentale Gründe für das Scheitern anführte: «Es wäre im Nachhinein besser gewesen, alles wie eine Leiter aufzubauen: Sprosse für Sprosse. Wenn man vorher schon vom Halbfinale spricht, wird der Druck größer.»

WM-Sechster 2005, EM-Vierter ein Jahr darauf und schließlich Platz drei bei der WM 2007 - die Erfolgsstory unter Emrich ist zunächst beendet. Geht es allerdings nach dem Bundestrainer und seinen Spielerinnen, ist sie nur unterbrochen. Schon bei der EM vom 2. bis 14. Dezember in Mazedonien wollen die deutschen Frauen wiedererstarkt zurückkehren. «Wir sind lediglich an Nuancen gescheitert. Allerdings werden wir das Turnier genau analysieren, um die richtigen Schlüsse für unsere nächste Aufgabe zu ziehen - und das ist bereits im Dezember die Europameisterschaft in Mazedonien», kündigte der Bundestrainer an.