09.08.2008 20:08 Uhr - Olympische Spiele - Christian Ciemalla

Deutsche Frauen finden im zweiten Abschnitt ins Olympische Turnier

Clara Woltering blieb in den ersten 14 Minuten des zweiten Abschnitts ohne Gegentor<bR><a href="http://www.handball-world.com/bildergalerie/2008/hw_com_-_gallery/Olympische_Spiele/Frauenturnier/20080809_-_GER-BRA/index.html" target="_blank"><small>=> Galerie vom Tag (35)</small></a>Clara Woltering blieb in den ersten 14 Minuten des zweiten Abschnitts ohne Gegentor
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Quelle: Andreas Walz
Im ersten Abschnitt tat sich die deutsche Nationalmannschaft gegen Panamerikameister Brasilien schwer, dessen Spielerinnen in der Deckung kompromisslos zu Werke gingen. Auch aufgrund einer Wurfquote von nur knapp über 30 Prozent lag das DHB-Team beim Seitenwechsel sogar mir 11:12 zurück. Im zweiten Abschnitt zeigte die deutsche Auswahl dann aber ein anderes Gesicht, die eingewechselte Clara Woltering blieb hinter einer nun aufmerksamen Deckung vierzehn Minuten lang ohne Gegentreffer und so setzte sich der Favorit mit acht Toren in Folge vorentscheidend auf 19:12 ab. Diese Führung geriet in den hektischen Schlußminuten gegen eine offensive brasilianische Deckung beinahe noch in Gefahr. Das DHB-Team zitterte sich zu einem 24:22 - der erste Schritt in Richtung Viertelfinale, der zweite soll am Montag um 9:45 Uhr gegen Korea erfolgen.

Durchsetzungsstark: Anna LoerperDurchsetzungsstark: Anna Loerper
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Steine waren den deutschen Spielerinnen von den Herzen gefallen, das war nach Spielende offensichtlich. Vom Papier her galt Brasilien als der leichteste Gruppengegner, ein Sieg war auf dem Weg ins Viertelfinale fest eingeplant. Doch Brasilien war auch der erwartet unbequeme Gegner, mit dem sich die deutsche Auswahl über den Großteil des Spiels schwer tat. Die großgewachsene Aline dos Santos, in der nächsten Spielzeit wahrscheinlich im Trikot von Frisch Auf Göppingen, brachte die brasilianische Auswahl im ersten Angriff mit 0:1 in Führung, doch nach Treffern von Nadine Krause und einem von Steffi Melbeck verwandelten Nachwurf hatte die deutsche Auswahl nicht nur schnell die Führung übernommen, sondern schien aus der Deckung heraus auch das Spiel zu beherrschen.

Doch der Eindruck der ersten drei Minuten trügte, die Deckung stand zwar ordentlich, doch in der Offensive fehlte der deutschen Auswahl die Durchschlagskraft. Immer wieder konnte die großgewachsene Innendeckung der Südamerikaner nicht überwunden werden, immer wieder blieben die deutschen Spielerinnen im Zweikampf hängen. Hinzu kam der Respekt vor Chana Masson. Die frühere Leipzigerin im brasilianischen Tor kam im ersten Abschnitt auf eine beeindruckende Quote von fast fünfzig Prozent abgewehrter Würfe, die deutschen Angreiferinnen setzten zudem zahlreiche weitere Würfe neben das brasilianische Gehäuse. Eine desolate Wurfausbeute von elf Toren aus dreißig Versuchen stand so am Ende des ersten Abschnitts zu Buche.

Die wenigen Glanzlichter, wie das 3:2 von Nadine Härdter unter Bedrängnis von Außen ins kurze Eck, reichten nicht aus, um die Führung gegen Brasilien zu behaupten. Nach einem Doppelschlag von Aline dos Santos führten die Südamerikanerinnen beim 4:6 sogar mit zwei Toren. Auch vier Treffer in Folge und eine zwischenzeitliche 9:7-Führung gab der deutschen Auswahl nicht die erforderliche Sicherheit. Die kompromisslose Arbeit der physisch präsenten Brasilianerinnen schien das deutsche Team zu verunsichern. Ungenaue Abspiele, falsche Entscheidungen und die angesprochene desolate Wurfausbeute erlaubten Brasilien den Ausgleich zum 9:9 sowie den 9:10-Führungstreffer. Einen brasilianischen Pfostentreffer nutzte Nadine Krause dann zwar als Vorlage zum 11:11-Ausgleich, doch mit der Schlußsirene des ersten Abschnitts gelang Fabiana Diniz der 11:12-Pausenstand.

In der Pause schien Armin Emrich aber die richtigen Worte gefunden zu haben. Für die keineswegs enttäuschende Sabine Englert beorderte er Clara Woltering zwischen die Pfosten, die in der Folge auch von einer stark verbesserten Leistung der Deckung profitieren sollte. Zwar blieben auch die ersten beiden deutschen Würfe im zweiten Abschnitt erfolglos, dann aber startete das deutsche Team eine beeindruckende Serie. Während Woltering vierzehn Minuten ohne Gegentreffer blieb, erzielten ihre Vorderleute acht Treffer in Folge. Dank zahlreicher Ballgewinne in der Deckung und einer nun nicht überzeugenden aber "normalen" Wurfausbeute zog die deutsche Auswahl Tor um Tor davon. Als nach einem Steal von Nina Wörz zunächst Nadine Krause an Chana Masson scheiterte, dann aber Steffi Melbeck den Abpraller mit einem Hechtsprung zum 19:12 ins verwaiste brasilianische Tor beförderte, schien die Vorentscheidung gefallen.

Brasilien hatte komplett die Linie verloren, Aline dos Santos wirkte sichtlich müde und ihre Treffer aus dem Rückraum fehlten den Südamerikanerinnen nun. Zudem bereitete die zum Ende des ersten Abschnitts eingewechselte agile Anna Loerper, dem großgewachsenen brasilianischen Abwehrspielerinnen sichtlich Probleme. Doch dos Santos sollte noch der Weckruf für ihr Team gelingen, als sie nach vierzehn Minuten des zweiten Abschnitts den ersten brasilianischen Treffer setzte. Aber Deutschland schien das Spiel zu beherrschen, die Deckung stand weiterhin sicher, Woltering hatte die brasilianischen Werferinnen sichtlich beeindruckt und so fielen auch die sich wieder einschleichenden Unkonzentriertheiten in der Offensive zunächst nicht ins Gewicht. Beim Stand von 22:16 entschied sich der brasilianische Coach Juan Oliver zehn Minuten vor Spielende für eine offensive Deckung, ein letzter Versuch.

Der deutsche Bundestrainer Armin Emrich erkannte den Versuch und nahm sofort seine Auszeit, um seine Mannschaft auf die neue Deckungsvariante des Gegners einzustellen. Die zuvor stark auf der Spielmacherposition agierende Anna Loerper kam in der Schlussphase nur noch in der Deckung als Entlastung für Nadine Krause zum Einsatz. Vorne agierte nun wieder Maren Baumbach neben Jurack und Krause. Doch die DHB-Auswahl konnte die Anweisungen nur bedingt umsetzen, die Chancen, die sich das Team zunächst noch erspielte, wurden im Stile der ersten Halbzeit wieder fahrlässig ausgelassen. Und mit jedem Treffer, der Brasilien gelang, stieg die Nervosität im deutschen Spiel und schlug sich in Ballverlusten in der Offensive wieder. Nach drei Treffern in Folge hoffte Brasilien beim 23:20 wieder, doch als Nadine Krause in einer Einzelaktion das 24:20 schien die Partie zwei Minuten vor Spielende entschieden. Doch die brasilianische Pressdeckung sorgte für einen deutschen Ballverlust und Amorim traf. Damit nicht genug, Maren Baumbach vergab freistehend im Gegenstoß, Althaus kassierte eine Hinausstellung und wieder traf Amorim. 24:22 hieß es so achtzig Sekunden vor dem Ende und Brasilien hoffte zumindes auf einen Punkt. Doch die letzte Minute konnte sich die deutsche Auswahl über die Zeit retten und so nach einem durchwachsenen Spiel mit dem 24:22-Erfolg die ersten Punkte feiern.

"Das ist eine riesige Erleichterung", kommentierte Bundestrainer Armin Emrich: "Ein Einstieg ins Turnier mit einem Sieg ist eminent wichtig." Der deutsche Nationalcoach kritisierte: "Wir hatten nicht die Killerinstinkt, die Chancen zu versenken", wollte aber nicht zu kritisch sein: "Heute zählt nur das Resultat." Maren Baumbach fügte mit einem Blick auf die kompromisslose Deckungsleistung der Südamerikanerinnen an: "Das war ein verdienter Sieg, vor allem nach den vielen Schlägen, die wir einstecken mussten."

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:: Olympische Spiele
Sp. Beg. Spiel Resultat
Samstag | 09.08.2008
1. 03:00 Frankreich - Angola 32 : 21 (13:14)
1. 04:45 Ungarn - Schweden 30 : 24 (15:14)
1. 08:00 Rumänien - Kasachstan 31 : 19 (13:10)
1. 09:45 Russland - Korea 29 : 29 (16:13)
1. 13:00 Norwegen - China 30 : 23 (13:12)
1. 14:45 Deutschland - Brasilien 24 : 22 (11:12)