29.05.2008 11:26 Uhr - 1. Bundesliga - Sandra Degenhardt - dpa

Ikone, Diva, Urgestein: Handballerin Ingrida Radzeviciute sagt Servus

Ingrida RadzeviciuteIngrida Radzeviciute
Quelle: sportseye.de
Ikone, Diva, Urgestein: Kaum eine andere Spielerin hat in den letzten zehn Jahren die Handball-Szenerie in Leipzig so bestimmt wie Ingrida Radzeviciute. Seit 1994 begeisterte die gebürtige Litauerin mit Tricks, Schnelligkeit und Präzision und war an allen neun Titeln des Clubs beteiligt. Doch nun soll Schluss sein. Am Samstag wird die 33-Jährige mit einem Abschiedsspiel offiziell verabschiedet. "Irgendwann muss man ja mal aufhören. Und meine Füße tragen mich nicht mehr so wie ich will", begründete sie ihren Rücktritt.

Ingrida RadzeviciuteIngrida Radzeviciute
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Am Samstag will sie noch mal richtig feiern - mit Fans, Wegbegleitern und Freunden. Aber besonders freut sich die lebenslustige Blondine, dass ihre Familie aus Litauen anreist. «Es wird ein richtig schönes Fest und da sollte man nicht traurig sein», sagte die Rückraumspielerin. Ganz aufhören aber sie nicht. Denn nach den vielen Jahren Hochleistungssport muss und will sie abtrainieren. "Ich werde mich fit halten und falls Not am Mann ist, wäre ich bereit, auszuhelfen", sagte die Bankkauffrau und hielt sich damit ein Hintertürchen für eine eventuelle Rückkehr offen.

Für Club-Manager Kay-Sven Hähner war die Frau mit Spielwitz und Übersicht ein absoluter Glücksfall. "Ihr Name ist untrennbar mit dem HCL verbunden und wird in die Historie des Clubs eingehen. Sie war eine Identifikationsfigur und Publikumsliebling", zollte er der litauischen (65 Einsätze) sowie deutschen Nationalspielerin (54) Respekt. Er ist überzeugt, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hat: "Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist."

Zudem trainierte die Mode-Liebhaberin aufgrund von «Zipperlein» zuletzt nur noch eingeschränkt. "Ich hatte nach jedem Training Schmerzen", erzählte Ingrida Radzeviciute. Auch in der Vergangenheit hatte sie so manche Sonderbehandlung erhalten, was ihr den Ruf einer «kleinen Diva» einbrachte.

Angefangen hat Ingrida Radzeviciute, die vom litauischen Club Egle Vilnius an die Pleiße wechselte, allerdings klammheimlich, "um den Büchern und dem Pauken zu entfliehen. Das gefiel meiner Mama natürlich gar nicht", erinnerte sie sich mit einem Schmunzeln. Nun tritt sie ab mit fünf DHB-Pokalsiegen sowie vier deutsche Meistertiteln. Nur in der Nationalmannschaft blieb sie oft den Beweis ihres Könnens schuldig.

In Leipzig hat sie ihre zweite Heimat gefunden und deshalb auch lukrativere Auslands-Angebote immer ausgeschlagen. "Für mich ist die Nähe zu meiner Familie und Freunden wichtiger als Geld. Warum sollte ich weggehen, wenn ich hier glücklich bin", meinte Ingrida Radzeviciute. Wie ihre Zukunft aussieht, hängt auch davon ab, was ihr Freund Marcel Rozgonyi - Fußballer beim FC Sachsen Leipzig - macht. Zudem hatte sie ihr bisheriger Arbeitgeber Sparkasse Leipzig, angesichts des anstehenden Personalabbaus aufgefordert, sich anderweitig zu orientieren. "Es ist noch alles offen, planen kann ich noch gar nichts", sagte die Handballerin. Nur sicher ist: Demnächst wird sie sich ihren Traum erfüllen und mit Delphinen schwimmen - dieses Geschenk machten ihr Mannschaft und Verein.