08.05.2008 12:06 Uhr - 1. Bundesliga - Matthias Kornes - hbvf.de

Vor dem Endspiel: Else-Marthe Soerlie-Lybekk entspannt, Kerstin Wohlbold rasiert

Kerstin Wohlbold Kerstin Wohlbold
Quelle: Wolfgang Zink
Am Sonntag steht das entscheidende Rückspiel um die deutsche Meisterschaft an. Mit 34:32 setzte sich der Titelverteidiger 1. FC Nürnberg gegen den Pokalsieger HC Leipzig durch, nun kann Nürnberg im Rückspiel vor eigenem Publikum die Meisterschaft klar machen. hbvf.de befragte Else-Marthe Soerlie-Lybekk und Kerstin Wohlbold zum aktuellen Stand der Vorbereitung und zu ihrer ganz persönlichen Vorbereitung auf das Meisterschaftsfinale.

Else-Marthe Sørlie-Lybekk Else-Marthe Sørlie-Lybekk
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Seit zwei Jahren spielt Kerstin Wohlbold beim FCN, mittlerweile zählt die 24-Jährige zu den Leistungsträgerinnen der Fränkinnen, beim Final Four in Riesa wurde sie zur besten Spielerin ihrer Mannschaft im Finale gewählt. Und die Mittelfrau zeigt sich vor dem Finale selbstbewusst: "Wir werden Meister, weil wir den besseren Teamgeist haben und weil wir die besseren Kämpferinnen haben", so Wohlbold. "Wir werden alle alles geben um am Sonntag zu gewinnen." Else-Marte Soerlie-Lybekk, die erfahrende Kapitänin des HC Leipzig, kontert – Meister wird der HCL, meint die Norwegerin: "Wir werden Meister, weil wir unser Potenzial im Heimspiel nicht abrufen konnten und das werden wir am Sonntag in Nürnberg machen. Wir werden von unseren Fehlern lernen und uns dort ganz anderes präsentieren als in Leipzig. Wir haben individuell starke Spielerinnen, und alle sind heiß auf der Titel", bekräftigt Soerli-Lybekk.

Das Hinspiel war insbesondere für die Messestädterinnen ein Wechselbad. Zwischenzeitlich war der HCL beim 12:18 schon fast weg vom Fenster, dann kämpfte sich das Team von Trainer Morten Arvidsson zurück und führte noch beim 30:29 – um dann doch noch zu verlieren. "Am Anfang der zweiten Halbzeit hatten wir eine sehr gute Phase, in der wir in kürzester Zeit vier Tore aufgeholt haben. Da hat unsere Abwehr gut gestanden und wir konnten die taktischen Sachen im Angriff so umsetzen, wie wir uns das vor dem Spiel vorgenommen hatten", schaut Soerlie-Lybekk zurück. Auch Kerstin Wohlbold sah starke und schwache Phasen bei ihrer Mannschaft: "Gut war natürlich, dass wir am Ende mit zwei Toren Vorsprung gewonnen haben, nicht gut war, dass wir wieder eine Schwächephase hatten. Wir haben ja zwischenzeitlich mit sechs Toren geführt", so Wohlbold, für die am Ende die Einheit Deckung und Torfrau den Ausschlag gegeben hat: "Am Ende war dann die Abwehr klasse, das hat es Jana erleichtert, noch einige Hundertprozentige zu halten – das hat also gut funktioniert." Ihre Kontrahentin aus Leipzig sieht beim HCL Steigerungspotential: "Auf Außen und am Kreis waren wir am gefährlichsten, unsere Rückraumspielerinnen können dagegen viel besser spielen und das werden sie in Nürnberg auch machen. Da bin ich mir sicher", kündigte Soerlie-Lybekk an.

Die Woche vor dem Finale hat bei beiden Teams keine großen Besonderheiten: "Am Anfang der Woche haben wir Regeneration und Kraft gemacht, ab Dienstag wurde wieder Handball wieder trainiert. Wir machen es so, wie wir es die letzten Wochen gemacht haben, das hat in Riesa und bei den Halb-Finals gut funktioniert", erzählt die HCL-Kapitänin. "Wir machen immer die gleichen Aufwärmspiel, wenn es dann klappt mit dem Spiel, dann machen wir die auch weiter. Wie immer, werden wir auch am Samstag vor dem Spiel trainieren", berichtet Wohlbold. Um die besondere Einstimmung vor dem Duell am Sonntag zu finden, setzt der HCL auf Geschlossenheit: "Wir haben am Mittwoch ein Teambuilding-Event gemacht und danach zusammen gegessen", sagt Soerlie-Lybekk.

Kerstin Wohlbold weiß um die Eigenheiten von Spielerinnen vor großen Spielen: "Jede hat da ihren ganz persönlichen Aberglauben. Ich gehöre zum Beispiel zu denjenigen, die sich grundsätzlich am Spielvortag rasieren müssen", lacht Wohlbold und blickt damit tapfer der "Wer-rasiert-verliert"-Fraktion ins Auge. "Ich mache immer dasselbe, versuche nicht so viel an das Spiel zu denken. Wenn man das Spiel vorher schon hundert mal im Kopf gespielt hat, hat man keine Energie mehr, wenn man auf dem Spielfeld steht und das "wirkliche" Spiel losgeht", offenbart Else-Marthe Soerlie-Lybekk ihre ganz persönliche Vorbereitung. Kerstin Wohlbold setzt vor allem auf den Faktor Ruhe: "Ich werde vor allem schauen, dass ich vor dem Spiel genug Schlaf bekommen werde, so neun bis zehn Stunden müssen sein. Ansonsten werde ich keine besondere Vorbereitung machen oder eine Runde schwimmen oder ähnliches." Auch Soerlie-Lybekk versucht vor der Partie zu innerer Stärke zu finden: "Um abzuschalten gucke ich DVD, lese in meinem Buch oder höre Musik. Vor so einem Spiel muss man lieber die Spannung ein bisschen abbauen als aufzubauen. Durch Visualisierung und Atemübungen kriege ich meine optimale Spannung", berichtet die Norwegerin.

Die 29-Jährige, die bei der WM 2007 Vizeweltmeisterin wurde, wird den HCL nach Ende der Saison verlassen und nach Norwegen zurückkehren. "Ich weiß nicht ob ich ein Fazit habe. Ich habe immer große Ziele, für die Mannschaft und für mich selbst. Diese helfen mir, jeden Tag beim Training besser zu werden", schaut Soerlie-Lybekk zurück. "Wenn man Vertrauen spürt, von der Mannschaft, vom Trainer und vom Umfeld, ist es auch einfacher, eine gute Leistung zu bringen. In Leipzig wird viel trainiert und das gefällt mir, außerdem trainiere ich viele mentale Sachen. Das hat mir unheimlich viel geholfen und wird, aus meiner Sicht, bei vielen Sportlern unterschätzt", erzählt die Norwegerin.

Kerstin Wohlbold avancierte in der laufenden Saison zum wichtigen Faktor des 1. FC Nürnberg. "Ich denke, dass ich im Vergleich zum letzten Jahr einen riesigen Schritt gemacht habe. Im letzten Jahr war ich ein ganz kleiner Punkt in der Mannschaft, nun bin ich bei den Stammspielerinnen", bilanziert Wohlbold, die vom SV Allensbach zum FCN fand und beim Final Four in Riesa von einer Expertenkommission zur wichtigsten Spielerin des Turniers gewählt worden war. "Das ist natürlich auch ein ganz anderer Druck, jetzt weißt du, dass deine Leistung wichtig ist für das Ergebnis der ganzen Mannschaft“, so Wohlbold weiter. An weitere Ziele, beispielsweise mit der Nationalmannschaft, verschwendet ie Rückraumspielerin noch keine Gedanken: "An Olympia denke ich überhaupt nicht. Ich sehe auf meiner Position mindestens drei andere Spielerinnen, die genauso stark sind. Da wird der Bundestrainer jetzt vor Olympia nichts mehr ändern", meint Wohlbold.

Am kommenden Sonntag werden Else-Marthe Soerlie-Lybekk und Kerstin Wohlbold mit ihren Teams aufeinander treffen - Sechzig Minuten Zeit für den HCL, das Hinspiel auszugleichen und die Wende zu schaffen und sechzig Minuten Zeit für den 1. FC Nürnberg, um auch das Rückspiel erfolgreich zu gestalten. Am Sonntag gegen 18:00 Uhr wird die Entscheidung gefallen sein.