19.04.2008 16:04 Uhr - 1. Bundesliga - Heiner Lehmann - handball-world.com

Nürnberg stößt die Tür zum Finale weit auf – Sieg in Frankfurt

Sonderlob vom gegnerischen Trainer: Stephanie Ofenböck.Sonderlob vom gegnerischen Trainer: Stephanie Ofenböck.
Quelle: sportseye.de
Mit einem 37:29-Sieg, der einer Vorentscheidung um den Einzug ins Finale um die Deutsche Meisterschaft schon fast gleich kommt, setzte sich Titelverteidiger 1. FC Nürnberg zum Halbfinalauftakt der Play Off-Runde der Handball-Bundesliga der Frauen beim Frankfurter HC durch. Die Gäste aus Franken fanden erst spät ins Spiel, zeigten dann aber in der zweiten Halbzeit eine tolle Leistung mit viel Tempo und nutzten jeden Fehler der Frankfurterinnen gnadenlos aus. Die Oderstädterinnen boten ihrerseits dem Club lange Paroli und kämpften aufopferungsvoll, mußten sich am Ende der Lauf- und Konditionsstärke der Gäste jedoch geschlagen geben. Für das Rückspiel am kommenden Sonntag in Nürnberg hat der Meister von 2004 nun jedoch eine denkbar schlechte Ausgangsposition.

Vor 1154 begeisterten Zuschauern (unter ihnen Ex-FHC-Coach Thomas Hørlyk und Louise Simonsen) fand der FHC zunächst deutlich besser ins Spiel und zeigte sich hochmotiviert, vor heimischer Kulisse eine gute Ausgangsbasis für das Rückspiel zu schaffen. Bereits nach 21 Sekunden markierte Franziska Mietzner den ersten Treffer für ihr Team. Den Angriffen der Gastgeberinnen hatten die Club-Frauen in den ersten Minuten nur wenig entgegenzusetzen, während ihnen selbst meist nur durch das Ausnutzen von Nachlässigkeiten der Frankfurter Abwehr Treffer gelangen.

Als sich nach der ersten Viertelstunde die Fehler im Spielaufbau des FHC mehrten, konnte der FCN, angetrieben durch die agile Kerstin Wohlbold, mehr und mehr die Regie übernehmen. Immer wieder zeigte sich jedoch Nationaltorhüterin Katja Schülke auf dem Posten und parierte neben einem Strafwurf von Ania Rösler noch mehrere hochkarätige Chancen der Fränkinnen. Doch auch sie konnte den Ausgleich und das – vorerst nur kurzzeitige – Übernehmen der Führung durch die Gäste nicht verhindern. Zu leichtfertig gingen die Frankfurterinnen mit ihren Chancen um und zeigten sich oft auch in der Abwehr nicht voll auf dem Posten. Dennoch behielten die Gastgeberinnen bis zur Pause noch die Kontrolle über das Spiel und durch Tore von Mietzner und Jochin auch beim Halbzeitstand die Oberhand.

Nach dem Seitenwechsel war dann schnell spürbar, welche Marschroute Club-Trainer Herbert Müller seinen Frauen mit auf den Weg gegeben hatte – und diese setzten sie auch konsequent um. Zum einen agierte die Deckung der Fränkinnen nun deutlich wachsamer und aggressiver auf die Frankfurter Angrifssbemühungen. Zum anderen setzte der FCN im Angriffsspiel mit Erfolg auf die Karte Tempospiel. Die schnelle Anwürfe oder Pässe nach vorn ließen der FHC-Deckung kaum Zeit, sich zu finden und setzten diese ständig unter Druck. Vor allem Stephanie Ofenböck bekamen die Oderstädterinnen nicht in den Griff, die dafür nach dem Spiel prompot ein Sonderlob von Dietmar Schmidt bekam: „Sie ist schon ein kleiner Karabatic mit ihrer Beweglichkeit und Torgefährlichkeit!“ Im 1:1 war sie kaum zu halten, die Variabilität ihrer Torwürfe schien die Abwehr der Schmidt-Sieben wie auch Katja Schülke im Tor immer wieder regelrecht zu überraschen. Und wenn für sie selbst kein Durchkommen war, bediente sie ihre Mitspielerinnen. Vor allem die Außen des FCN zeigten sich enorm treffsicher.

Dem FHC schwanden nun ob des enormen Tempos sichtlich die Kräfte. Die Folge waren technische Fehler und voreilig abgeschlossene Angriffe. Die jungen Mannschaft von Dietmar Schmidt stemmte sich zwar tapfer gegen die Niederlage, fand an diesem Nachmittag jedoch keine Mittel mehr, dem amtierenden Meister noch einmal gefährlich zu werden. Im Gegenteil: Nürnberg nutzte die sich häufenden Fehler nun gnadenlos zu einfachen Toren im Tempogegenstoß und vergrößerte den Vorsprung so immer weiter.

Einmal noch keimte etwas Hoffnung im Lager der Frankfurter auf, als Franziska Mietzner mit ihrem siebten Treffer knapp fünf Minuten vor Schluß zum 29:32 verkürzte. Doch die Ex-Frankfurterin Maja Sommerlund, Miriam Simakova und Simone Luber besiegelten mit vier Toren in Folge das Schicksal der Oderstädterinnen. Simakova war es dann auch, die mit dem letzten Tor der Partie für die Nürnbergerinnen das buchstäbliche Bein in die Finaltür stellte.

Stimmen zum Spiel

Herbert Müller (Trainer 1. FCN):: „Zu erst einmal ein Kompliment an das Publikum, das heute wie immer in Frankfurt eine enorm gute Stimmung gemacht hat. Dafür liebe ich diese Halle und komme gern hier her! Kompliment natürlich auch an beide Mannschaften. Denn ich glaube, wir haben heute ein gutes und spannendes Handballspiel gesehen. Der FHC hat aufgrund unserer Deckungsschwäche zu Pause verdient geführt. Ich habe meinen Mädels gesagt, daß wir in der 2. Hälfte mehr zu packen und mehr Gas geben müssen. Wir sind natürlich sehr glücklich über das Ergebnis: acht Tore sind schon eine Menge, und wir werden uns das jetzt auch nicht mehr nehmen lassen. Die Mannschaft will nach dem verpaßten Pokalsieg um den Meistertitel kämpfen und den hätte sie sich auch verdient!“

Dietmar Schmidt (Trainer FHC): „Wir haben uns für heute natürlich viel vorgenommen und wollten gewinnen. 50 Minuten haben wir gut mitgehalten und dann hat uns die Wucht von Nürnberg einfach platt gemacht. Ich bin trotzdem sehr stolz auf meine Mädels. Nach dem 0:8-Start haben sie eine tolle Serie gespielt, stehen jetzt vor Trier, Oldenburg und Buxtehude und spielen in den Play Offs mit dem TOP-Trio der Liga! In Nürnberg werden wir uns so teuer wie möglich verkaufen und noch einmal ein gutes Spiel abliefern.“