02.04.2008 22:49 Uhr - 1. Bundesliga - Ole Rosenbohm - VfL Oldenburg

Oldenburg schlägt nach hartem Kampf ProVital Blomberg-Lippe

Wichtiger Treffer: Wiebke KethornWichtiger Treffer: Wiebke Kethorn
Quelle: Thorsten Helmerichs
Der VfL Oldenburg beendet die Hauptrunde der Bundesliga mindestens auf Platz acht und somit in der Platzierungsrunde. Mit 28:24 (15:11) besiegte das Team von Trainer Leszek Krowicki die HSG ProVital Blomberg-Lippe. Danach sah es allerdings im ersten Drittel des Spiels nicht aus, noch beim 9:9 war der Gast dran, ehe drei Tore in Folge für einen größeren Vorsprung der Gastgeberinnen zur Pause sorgten. In der zweiten Halbzeit kamen die Gäste beim 24:23 knapp acht Minuten noch einmal in Reichweite, aber in Unterzahl sorgte Wiebke Kethorn mit dem 26:23 (57.) für die Entscheidung zugunsten der Oldenburgerinnen.

Den zunächst größten Applaus gab es am Mittwochabend in der EWE Arena zu Beginn der Halbzeitpause. In dieser nämlich gab Hallensprecher André Klöcker dem Oldenburger Publikum bekannt, dass Sabrina Neuendorf ihren Vertrag beim Handball-Bundesligisten VfL Oldenburg um ein Jahr verlängert hatte und bat dann den ersten Zugang für die kommende Saison auf die Platte: Angie Geschke, die Bundesliga-Torschützenkönigin der Saison 2006/07, stellte sich vor 500 Zuschauern beim Spiel gegen ProVital Blomberg-Lippe persönlich den VfL-Anhängern vor. "Klar freue ich mich auf Oldenburg, besonders nach diesem tollen Empfang", sagte die 22-Jährige, die vorher einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben hatte und sich dann mit Geschwistern und Freund das 28:24 (15:11) ansah.


Drei Abwehrspielerinnen reichen nicht –
ProVital Blomberg/Lippe hatte das Nachsehen
Foto: Thorsten Helmerichs


Geschke sah einen "ohne Zweifel verdienten" (Blomberg-Trainer André Fuhr) aber nicht eindeutigen Sieg des VfL. Die Gastgeberinnen hätten fast ihre lange Zeit klare Führung in der Schlussphase verspielt. Dass Oldenburg nach dem 24:23-Zwischenstand (53. Minute) nicht noch die Punkte aus der Hand gab, lag vor allem an der Einstellung. "Oldenburg wollte den Sieg einfach mehr als wir", sagte Fuhr, und auch VfL-Trainer Leszek Krowicki meinte: "Solche Siege nennt man wohl Arbeitssiege. Die kämpferische Einstellung war entscheidend."

Der VfL konnte erst in der 24. Minute erstmals mit zwei Toren (11:9) in Führung gehen. Nach einem durch die sehr gute Abwehr gewonnenen Ball bediente Torfrau Tatiana Surkova Linksaußen Kim Birke fast am gegnerischen Kreis, die Natalie Hagel im Gäste-Tor keine Chance ließ. Der darauf schnell hergestellte Vier-Tore-Vorsprung hatte bis zur 48. Minute Bestand, als Wiebke Kethorn ein Neuendorf-Anspiel vom Kreis zum 23:19 nutzte. Nach dem Anschlusstor per Strafwurf durch Kateryna Valyushek benötigten die überwiegend jungen Oldenburgerinnen die Hilfe der Etablierten: Haege Fagerhus verwandelte nach einem Foul von Karen Rücker an Alexandra Temp auch ihren dritten Siebenmeter sicher, danach hielt Surkova gegen Rechtsaußen Daniela Noveska die Führung fest. Kethorn vom Kreis nach einem Temp-Pass (57.), Neuendorf (59.) und Kathrin Scholl mit dem Schlusspfiff stellten das Endergebnis her.

"Gerade in der Schlussphase musst du 100 Prozent geben", erkannte Blombergs Nadja Nadgornaja nach Spielschluss. "In der Abwehr waren wir aber in dieser Phase in der Arbeit gegen den Kreis nicht konsequent genug." Die 19-Jährige, die in der kommenden Serie für die DJK MJC Trier auflaufen wird, gehörte vorher zu denen, die dem VfL mit ihren gelungenen Kreisanspielen vor Probleme stellte. Die starke Rückraumreihe um Mirja Mißling (nur ein Tor in der ersten Hälfte) hatte der Europacup-Halbfinalist aber lange im Griff.

Das Angriffsspiel des VfL kam erst nach elf Minuten in Fahrt. Dann stellte Krowicki erstmals um, brachte Temp und die 17-jährige Carolin Schmele, die nach 20 Sekunden Spielzeit von Halblinks unhaltbar einwarf (5:6) und weitere zwei Minuten später von Halbrechts zum 6:7 traf. Für die erstmalige Führung sorgte Temp per Strafwurf nach Foul an Scholl (9:8/19.), für das 10:9 (21.) war wieder Schmele verantwortlich, diesmal mit einem Durchbruch. "Es macht Spaß, wenn Caro reinkommt und gleich trifft", traf Krowicki das Empfinden des Publikums.

Spielentscheidend war die gute Leistung Schmeles aber nicht - beste Oldenburger Akteurin war Tatiana Surkova. Die Torhüterin des VfL parierte zwei Siebenmeter, weiter 16 Würfe und hatte mit guten Pässen auch Anteil an einigen Gegenstoßtoren. "Tatianas Paraden haben uns sehr geholfen", sagte Krowicki, der nun wieder auf den siebten Platz schielen darf. Sollte nämlich der VfL am Samstag (19 Uhr) beim so gut wie sicheren Absteiger TSG Ketsch verlieren, Buxtehude gleichzeitig in Frankfurt verlieren, würde Oldenburg den Nordrivalen noch überholen.

Oldenburg profitierte neben der guten Einstellung von der zumeist konzentrierten Spielweise seiner Deckung. Einmal mehr wussten in ihr Scholl und Neuendorf zu gefallen, auch Natalja Parchina gab der Abwehr besonders in der entscheidenden Phase Stabilität. Rechtsaußen Fagerhus (sechs Tore) kam auf eine gute Quote, ebenso wie Linksaußen Birke. Einzig Dagmara Kowalska konnte nicht überzeugen, die sonst beste Torschützin des VfL ging allerdings wegen Rückenschmerzen stark gehemmt in die Partie und spielte nur gelegentlich. Ihren nicht geringen Anteil am Sieg hatten auch Schmele, Julia Wenzl, Temp und Kethorn, die nicht zur Ersten Sieben gehört hatten. Zurecht zur Spielerin des Spiels gewählt wurde aber Surkova. Bei Blomberg, das sich als ebenbürtiger Gegner präsentierte, machte Hagel ein starkes Spiel, Kreisläuferin Tessa Cocx traf viermal vor der Pause, Valyushek kam auf der Mitte für Katrin Dorna und lenkte das Blomberger Spiel daraufhin klug.

Stimmen zum Spiel:

Leszek Krowicki, Trainer VfL: Lange Zeit hatten wir eine sehr junge Mannschaft auf der Platte, die uns nach ihrer Einwechselung die Führung ermöglicht hat. In der Abwehr haben wir zunächst zu passiv begonnen - so hatten Nadgornaja und Mißling zu viele Möglichkeiten. Später wurde das viel besser.

André Fuhr, Trainer Blomberg: Durch unsere Nachlässigkeiten ist die Niederlage, ein, zwei oder drei Tore zu hoch ausgefallen. Oldenburg war etwas breiter aufgestellt und war vor allem über die Außen torgefährlicher. Wenn wir in Oldenburg gewinnen wollen, müssen wir 110 Prozent geben und hoffen, dass der VfL nur auf 90 kommt. Das war heute nicht der Fall. Oldenburg wollte diesen Sieg mehr als wir.

Wiebke Kethorn, VfL: Wir waren kämpferisch stärker. Durch den Erfolg im Challenge Cup ist noch einmal ein Ruck durch die Mannschaft gegangen. Wir sind einfach voll da. Auch als es eng wurde, hatte ich nicht das Gefühl, dass wir das noch verlieren.



cs