10.01.2008 08:02 Uhr - 2. Bundesliga Süd - Denise Heinemann

Landenberger/Harter - Ein Duo, das sich blind versteht

Lena Landenberger auf Barbara Harter - ein ErfolgsrezeptLena Landenberger auf Barbara Harter - ein Erfolgsrezept
Quelle: SV Allensbach
Es steht unentschieden. Um zu gewinnen, braucht der SV Allensbach ein Tor. Und zwar sofort. Lena Landenberger fasst sich ein Herz: An der ersten Gegenspielern geht sie vorbei, jetzt hat sie die Chance auf einen Wurf. Doch sie legt den Ball nur lässig an den Kreis ab. Und zwar zu Babsi Harter, die zur rechten Zeit am rechten Ort auftaucht. Der Rest ist Formsache, Allensbach der Sieger. Eine Szene, wie man sie in dieser Zweitliga-Saison schon mehrfach erlebt hat. Jeder wusste, was kommen würde: Trainer, Gegner, einfach alle. Und doch war das Allensbacher Traumduo Landenberger/Harter wieder mal nicht zu stoppen.

Die beiden verstehen sich blind. Unabhängig voneinander finden beide dafür dieselben Gründe: "Wir spielen seit nunmehr fünf Jahren zusammen. Zudem sind wir auch außerhalb des Spielfeldes eng befreundet." So ist es nicht verwunderlich, das ein Tor der einen zumeist die Koproduktion der anderen ist. Um Tore zu erzielen, ist eine Kreisläuferin abhängig von ihrem Rückraum, ackert im Angriff oft ohne zählbaren Erfolg. Doch da winkt Babsi Harter nur ab und sagt: "Da kann ich mich nicht beschweren. Lennes Anspiele sind erste Sahne." Davon will diese allerdings nichts wissen "Babsi ist die beste Kreisläuferin der Liga. Da kannst du nicht viel falsch machen."

Ein Aussage, typisch für Lena Landenberger. Flapsig und doch absolut aufrichtig. Harter beschreibt ihre Mitspielerin zudem als zuverlässig, willenstark und ungemein zielstrebig. Überhaupt ist die 23-Jährige keine typische Rückraum-Linke. Kein 1,80-Gardemaß, keine meterhohe Sprungkraft. Doch sie hat, wie Harter gerne betont, "eine Peitsche im Arm". Das und ihr gutes Auge machen sie zur derzeit drittbesten Torschützin der Liga. Die Torjägerkrone ist für sie jedoch nicht wichtig: "Man schaut zwar schon, wo man steht. Wie viele Tore ich schieße, interessiert mich aber nicht, solange es noch für den Sieg reicht."

Auch der Allensbacher Trainer Oliver Lebherz kennt Landenberger genau: "Lena ist jemand, der mit Druck umgehen kann. Sie hat eine harte Schale und einen weichen Kern." Und Babsi Harter? Bei dieser Frage muss Lebherz grinsen: "Noch härtere Schale, noch weicherer Kern." Seit sechs Jahren spielt die Kreisläuferin nun schon für den SV Allensbach und ist sowohl im Verein als auch in der Liga längst eine feste Größe.

So weiß SVA-Torhüterin Andrea May aus ihrer Zeit beim Ligakonkurrenten Metzingen folgendes zu berichten: "Vor Spielen gegen Allensbach hieß es in der Mannschaftsbesprechung immer: Lasst bloß die Kreisläuferin nicht an den Ball." Lena Landenberger beschreibt Harter freundschaftlich als einen "Dickkopf, der genau weiß, was er will und immer 150 Prozent gibt". Zudem sei die 26-Jährige willensstark und absolut zuverlässig.

Die Achse Landenberger/Harter ist nicht nur torgefährlich, auch gibt sie der Allensbacher Mannschaft ein Gesicht. So ist es nicht verwunderlich, dass ausgerechnet jene Willensstärke, die beide so aneinander schätzen, eine der Allensbacher Tugenden ist. "Die beiden kämpfen immer bis zum Umfallen. Sie geben in der Mannschaft den Ton an, machen auf und neben dem Spielfeld wenig Fehler", sagt Lebherz über seine beiden Spielführerinnen. "Sie sind in der zweiten Liga zu echten Typen geworden - und das brauchen wir."

Natürlich sind auch die Leistungen des Duos dafür verantwortlich, dass Allensbach zur Überraschungsmannschaft der 2. Bundesliga avancierte. Damit hatten auch die beiden nicht gerechnet, doch Landenberger weiß den Erfolg zu erklären: "Wir haben uns auf zwei ganz wichtigen Positionen verstärkt und alle anderen haben sich weiterentwickelt. Hinzu kam ein günstiges Auftaktprogramm. Der Sieg in Markranstädt gab uns dann den letzten Kick für die Siegesserie."

Allensbach wird ab jetzt nicht nur vom TV Mainzlar, dem Heimspielgegner am Samstag, sondern von der ganzen Liga gejagt werden. Dies ist den Spielführerinnen durchaus bewusst. Doch ihr Blick ist nach vorne gerichtet. "Die Voraussetzungen, die Play-offs zu erreichen, waren noch nie so gut", sagt Harter mit dem Polster von zwei Punkten sowie einem Spiel weniger als die Verfolger im Hinterkopf. Ja, die Play-offs Und dann? Da müssen beide verschmitzt grinsen: "Schauen wir mal. Wir nehmen alles, wies kommt!"