30.12.2007 17:38 Uhr - 1. Bundesliga - Christan Schulze - PM Bayer Leverkusen / Ole Rosenbohm - PM VfL Oldenburg / cie

Oldenburg hält mit, doch Leverkusen siegt am Ende mit 30:27

Auch fünf Treffer von Kim Birke reichten Oldenburg am Ende nichtAuch fünf Treffer von Kim Birke reichten Oldenburg am Ende nicht
Quelle: Thorsten Helmerichs
Noch beim 22:22 zwölf Minuten vor Spielende träumten die Oldenburgerinnen von der Sensation in Leverkusen, doch am Ende setzte sich die größere Cleverness des Vizemeisters durch, der durch das 30:27 die Tabellenspitze in der Frauenbundesliga verteidigen konnte. Oldenburg, das in Dagmara Kowalska (7/3), Kim Birke (5) und Sabrina Neuendorf (5/1) seine besten Werferinnen hatte, dürfte mit der heute gezeigten Leistung den Abstand auf die Abstiegsplätze in den nächsten Spielen aber vergrößern können. Der Blick der Leverkusenerinnen, für die Yvonne Fillgert sieben Treffer erzielte, geht bei neun Punkten Vorsprung auf den fünften Platz unterdessen erneut in Richtung Play-offs.

Zum Jahresabschluss wurde den 550 Zuschauern in der Ulrich-Haberland-Halle noch einmal ein richtig spannendes Handballspiel geboten. Vor Spielbeginn wurden zunächst Clara Woltering, Anne Müller und Anna Loerper für den dritten Platz bei der Weltmeisterschaft in Frankreich geehrt und auch dem anwesenden Bundestrainer Armin Emrich sowie der ehemaligen Leverkusenerin Nadine Krause wurde gratuliert. Gleich zu Spielbeginn deutete sich schon an, dass es ein spannendes Spiel werden würde.

Was Oldenburg aber vor allem in der ersten Hälfte geboten hatte, war bemerkenswert. Mit einer überraschend offensiven Abwehr (3-2-1-System mit Kathrin Scholl vorne) kauften die Gäste dem Vizemeister lange den Schneid ab. Durch die Mitte ging bei Bayer fast nichts, lediglich die sehr gute Fillgert auf Linksaußen konnte in Szene gesetzt werden und setzte Akzente. Tempogegenstöße nach Ballgewinnen und ein gutes Positionsspiel ließen den VfL auf 7:4 (10.) und 10:7 (15.) davonziehen. Sabrina Neuendorf, Dagmara Kowalska und Natalja Parchina trafen zumeist mit Schlagwürfen aus der zweiten Reihe, auch die Oldenburger Außen Haege Fagerhus und Kim Birke wurden ins Angriffsspiel integriert und nutzten ihre Möglichkeiten.

Stand von 4:6 verfinsterte sich die Miene von Bayer-Trainerin Renate Wolf zunehmend und entsprechend deutlich müssen ihre Worte in der Auszeit, welche Leverkusen nach gut acht Minuten nahm, gewesen sein. "Oldenburg hat uns das Leben schwer gemacht", sagte Wolf nach dem Spiel. Dennoch konnten die Gäste die Führung weiter behalten, daran änderte zunächst auch der Wechsel im Leverkusener Tor nichts. Für Lena Knipprath kam Clara Woltering ins Spiel, die aufgrund ihrer Erkältung eigentlich geschont werden sollte.

Leverkusen produzierte in der ersten Halbzeit zu viele Fehler und Oldenburg nutzte diese konsequent mit Gegenstößen aus. Erst kurz vor Halbzeit gelang Michaela Seiffert der Ausgleich zum 14:14 und schließlich ging Oldenburg mit nur einem Tor Vorsprung in die Halbzeit (15:16). In der zweiten Hälfte agierte Bayer in der Abwehr aggressiver, Wolf hatte die Deckung nach vorne beordert und auf eine 5-1-Abwehr umgestellt. Die Oldenburgerinnen hatten dadurch weniger Freiraum, ihr Angriffsspiel lief nicht mehr rund. Doch auch die „Elfen“ kamen nur schwer ins Offensivspiel. Zwischen dem 19:18 durch einen Siebenmeter von Michaela Seiffert (38.) und dem Ausgleich durch Birke per Konter nach einem langen Pass von Torfrau Tatiana Surkova (43.) überboten sich beide Mannschaften im Übertreffen von Unzulänglichkeiten: Oldenburg vergab in dieser Phase durch Birke (gehalten von Clara Woltering), zweimal Kowalska (jeweils an den Pfosten) und Temp (gehalten) gute Chancen, auf der anderen Seite entschärfte Surkova einen Wurf vom Kreis durch Lyn Byl und einen Versuch aus dem Rückraum von Heike Ahlgrimm. Pass- und Schrittfehler rundeten diese hektische Phase ab.

Die stärkste Leverkusener Phase startete dann mit einem Tor von Anna Loerper in der 49. Minute. Ihr Treffer zum 23:22 war der Startschuss für einen fulminanten Zwischenspurt, deren Schlusspunkt das 28:22 durch die überragende Yvonne Fillgert in der 55. Minute bildete. In der verbleibenden Spielzeit kämpfte sich Oldenburg erneut ran, eine nun jedoch starke Clara Woltering sorgte dafür, dass das Team von Renate Wolf zum Jahresausklang einen 30:27-Sieg feiern durften und als Tabellenführer ins Jahr 2008 gehen kann.

Leverkusens Trainerin Renate Wolf zeigte sich nach der Partie überglücklich über den Sieg in einem wahren Kampfspiel: „Überall hört man, dass Leverkusen absoluter Favorit ist und Oldenburg hat uns gezeigt, dass so ein Erfolg nicht mal eben möglich ist. Wir sind nicht aggressiv ins Spiel gekommen und haben vorne viele Fehler gemacht, die zu Gegentoren geführt haben. Ich hake dieses Spiel unter dem Motto Arbeitssieg ab.“ „Zum Glück haben wir das Ergebnis in der ersten Halbzeit offen gestalten können, in der zweiten Hälfte haben wir in der Abwehr besser zugepackt", so Wolf weiter. Krowicki machte die "fehlende Routine" des VfL als Hauptgrund für die Niederlage aus: "In der entscheidenden Phase haben wir mehr Fehler gemacht."

Zurecht dürften sich die Gäste nach dem Gastspiel beim hoch favorisierten Vizemeister gefragt haben, ob vielleicht doch mehr als nur das Einstreichen von Komplimenten in der Ulrich-Haberland-Halle möglich gewesen wäre. "In Leverkusen kann man auch mit drei Toren verlieren. Aber wenn ich mir den Spielverlauf anschaue, können wir auch über zwei verlorene Punkte reden. Zum Schluss fehlten uns die Konzentration, die Lauffreude und die Kraft. Leverkusen dagegen hat konstant durchgespielt", sagte Sabrina Neuendorf. Spielführerin Kathrin Scholl ärgerte sich zwar über die Niederlage, sagte aber zum meist ausgeglichenem Spielverlauf: "Im Angriff haben wir unsere Möglichkeiten gesucht und gefunden. Ausschlaggebend für unser gutes Spiel aber war die konzentrierte 3-2-1-Deckung. In der entscheidenden Phase hatten wir für zehn Minuten einen Hänger."

Der VfL zeigte eine konzentrierte Mannschaftsleistung, in der alle auf der Platte stehenden Spielerinnen sich für die gute Leistung verantwortlich zeigten. Die am Sonntag 31 Jahre alt gewordene Dagmara Kowalska (deren Platz in der Abwehr in der ersten Hälfte Wiebke Kethorn eingenommen hatte) stach etwas heraus. Leverkusen hatte in Fillgert (Wolf: "Yvonne hat ein Riesenspiel gemacht") seine beste Spielerin. Nach der Pause steigerte sich auch Woltering vor den Augen von Bundestrainer Armin Emrich und Co-Trainerin Heike Schmidt und hielt den letztlich verdienten Sieg fest. "Es ist klar, dass wir uns nach der WM noch finden müssen. Aber in der entscheidenden Phase haben wir unser schnelles Spiel aufziehen können und haben die einfachen Tore geworfen", sagte Leverkusens Heike Ahlgrimm.