11.12.2007 21:45 Uhr - Weltmeisterschaft - Christian Ciemalla

Deutsche Auswahl kassiert erste Niederlage und bekommt Angola im Viertelfinale

Steffi Melbeck erzielte sechs ToreSteffi Melbeck erzielte sechs Tore
Quelle: Michael Heuberger
Im Spiel gegen Rumänien setzte es für die deutsche Auswahl heute die erste Turnierniederlage bei der Weltmeisterschaft in Frankreich. Gegen die engagierter zu Werke gehenden Rumäninnen tat sich die deutsche Auswahl von der ersten Minute an schwer, im zweiten Abschnitt nutzte Emrich dann die Chance und ließ seine Stammspielerinnen Kräfte für das Viertelfinale schonen, in dem es nun gegen Wunschgegner Angola geht. Rumänien ging durch den 32:24-Sieg Titelverteidiger Russland, der nun auf Ungarn trifft, aus dem Weg und trifft nun als Gruppensieger auf Gastgeber Frankreich.

Die Ausgangslage vor dem Spiel war klar, die rumänische Auswahl benötigte den Sieg wesentlich dringender als die deutsche Mannschaft, die nach der Niederlage Ungarns gegen Korea bereits einen der ersten beiden Plätze in der Gruppe sicher hatte. Mit einem Sieg wäre die deutsche Auswahl im Viertelfinale auf Frankreich und im Halbfinale auf den Sieger aus Russland-Rumänien getroffen, bei einer Niederlage hätte mit Angola im Viertelfinale der vermeintlich schwächste aber vielleicht auch gefährlichste Gegner gewartet. Angola hat als Afrikameister als erste afrikanische Mannschaft den Einzug ins Viertelfinale geschafft und reitet auf einer Euphoriewelle, Frankreich hätte als Gastgeber die Fans im Rücken. Und hinter Angola würde im Halbfinale vermutlich Norwegen warten.

Die deutsche Fraktion hatte zuvor erklärt, sich nicht auf taktische Spielereien einzulassen, dennoch war von der ersten Minute an deutlich, dass die Rumäninnen den Sieg einfach mehr wollten. Die erste Führung konnte die an den Kreis eingelaufene Nadine Härdter zwar ausgleichen und die zunächst von Emrich aufgebotene Stammformation konnte nach einem Doppelschlag von Melbeck in der achten Minute sogar in Führung gehen, das Spiel aber dominierten die Rumäninnen. Nach dem 4:3 von nadine Krause folgten vier Treffer der Rumäninnen in Folge, Deutschland geriet mit 4:7 in Rückstand, ein erneuter Ausgleich sollte nicht mehr gelingen.

Vor allem der deutsche Angriff tat sich schwer, Rumänien spielte sehr aufmerksam in der Deckung, vor allem gegen die beiden Halbpositionen. Sowohl Jurack wie auch Krause konnten das deutsche Spiel so nur selten beleben und spätestens als Mairosu in der zwanzigsten Minute auf 11:6 erhöhte, schien die Begegnung bereits entschieden. Doch bei dieser WM zeigt die deutsche Auswahl eine neue Qualität, auch wenn es im eigenen Spiel nicht läuft, das Team bleibt im Spiel. Einige Treffer über die Außenposition und zwei Tore von Grit Jurack sorgten, zusammen mit einer guten Deckungsleistung und einer starken Sabine Englert im Tor beim 12:11 für den erneuten Anschluß.

Bei einer konsequenteren Ausnutzung der Überzahlsituationen hätte die deutsche Auswahl auch wieder in Führung gehen können, doch insgesamt war das Aufbauspiel zu fehlerbehaftet und auch die Chancenverwertung ließ zu wünschen übrig, so wurden zahlreiche freie Gegenstösse vergeben. Rumänien erspielte sich so zum Seitenwechsel wieder eine 16:12-Führung. Maike Brückmann hatte in der Schlußminute zwar zunächst den Abstand auf drei Treffer verkürzt, doch auf der Gegenseite reichten den Rumäninnen zwölf Sekunden, um noch einen Siebenmeter herauszuholen, den Vadineanu sicher zum Pausenstand verwandelte. Armin Emrich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits erkannt, dass seine Mannschaft nicht richtig ins Spiel fand und hatte mit einigen Wechseln geantwortet. So kam Maike Brückmann zu ihrem zweiten WM-Einsatz, den sie zu drei Toren nutzte.

Im zweiten Abschnitt blieb Emrich der Linie aus den Schlußminuten des ersten Abschnitts treu, sowohl Grit Jurack wie auch Nadine Krause wurden nun geschont und die Spielerinnen aus der zweiten Reihe erhielten die Chance wertvolle WM-Erfahrung zu sammeln, während die Stammspielerinnen wichtige Kräfte für das Viertelfinale sparten. Dank einiger Paraden von Clara Woltering, der, wie auch Englert eine Halbzeit reichte, um auf eine zweistellige Anzahl von Paraden zu kommen, blieb die deutsche Auswahl bis zum 15:18 noch in Reichweite, dann aber setzten sich die Rumäninnen vorentscheidend ab, drei Tore in Folge sorgten für das 21:15. Nora Reiche und Maike Brückmann führten mit ihren Treffern die deutsche Auswahl noch einmal auf 22:18 heran, doch eine deutsche Aufholjagd fand nicht mehr statt.

Die Rumäninnen nutzten unterdessen die Chance sich gegen die nicht immer konsequente deutsche Deckung weiter einzuspielen, insbesondere das Zusammenspiel des Rückraums mit Kreisläuferin Ionela Stanca-Galca war dabei beeindruckend. Dem Vizeweltmeister gelangen so mehrfach sehenswerte Kombinationen und Treffer. Das deutsche Team hatte dem nicht mehr viel entgegenzusetzen, die Spielerinnen mühten sich, doch Rumänien diktierte das Geschehen auf dem Parkett. Zwei Minuten vor Spielende hielt sich die Distanz nach dem 24:29 durch Blacha dennoch noch in Grenzen, bevor ein Doppelschlag von Maier und der erste und letzte Treffer von Bradeanu für den 24:32-Endstand sorgten, der auch in der Deutlichkeit den Spielverlauf korrekt wiedergibt.

"Die Niederlage tut uns wahrlich nicht weh. Jetzt konzentrieren wir uns ganz auf Angola. Das ist ein ernstzunehmender Gegner, vor dem man Respekt haben muss. In einem K.o.-Spiel gibt es keine Favoritenrolle", sagte Bundestrainer Armin Emrich. Grit Jurack, die mit 247 Länderspielen in der DHB-Rekordliste nun allein auf Rang fünf steht, erzielte drei Tore und hat damit bereits 50 Turniertreffer auf dem Konto. "Wir wollten das Spiel ordentlich über die Bühne bringen und hatten natürlich eine optimale Ausgangsposition. Jetzt beginnt die Vorbereitung auf Angola. Ich kann nicht sagen, ob wir Favorit sind oder nicht", meinte der deutsche Rückraum-Star. Am Mittwochmorgen reist die DHB-Auswahl mit dem Zug nach Paris.