11.12.2007 11:28 Uhr - Weltmeisterschaft - Christopher Monz

Mandy Hering: "Meine Tore in den Spielen zuvor waren schon ein gewisses Druckmittel"

Mandy HeringMandy Hering
Quelle: Christian Ciemalla
Sie zählt zu den großen Überraschungen der laufenden Weltmeisterschaft in der Mannschaft von Bundestrainer Armin Emrich, Mandy Hering. Die 23-jährige Linksaußen vom FHC Frankfurt / Oder glänzte bis zur Hauptrundenpartie gegen Polen mit einer einhundert prozentigen Trefferquote, und liegt auch jetzt noch mit 19 WM Toren bei 22 Würfen bei einer sensationellen Quote von 86 %. Im Interview mit handball-world.com, spricht die gelernte Kauffrau für Bürokommunikation über ihre Erlebnisse bei der laufenden WM, und auch über einen möglichen Abschied von ihrem Club Frankfurt/Oder, für den sie seit 1998 spielt.

Mandy Hering im Spiel gegen SpanienMandy Hering im Spiel gegen Spanien
Quelle:
Mandy, Sie gehören zu den großen Überraschungen im deutschen Kader der laufenden Weltmeisterschaft. War für sie überhaupt klar, dass Sie dabei sind, nachdem sie bei der letzten Europameisterschaft im letzten Moment noch aus dem Kader gestrichen wurden? Wann haben Sie von Ihrer Teilnahme erfahren?

Mandy Hering:
Erfahren hab ich es auf dem letzten Lehrgang vor der WM, als der Bundestrainer den 18-köpfigen Kader bekannt gegeben hat. Ich konnte es mir vorher eigentlich schon denken, dass ich dabei bin, da wir mit Nadine Härdter und mir eigentlich nur zwei Linksaußen auf dem letzten Lehrgang waren.

Wie sind Sie aufgenommen worden im Kreis der Nationalmannschaft?

Mandy Hering:
Ich bin sehr angenehm aufgenommen worden, da es auch innerhalb der Mannschaft gut läuft, fühlt man sich sofort wohl.

Im ersten Spiel mussten Sie aussetzen, es folgten drei Spiele in denen der Bundestrainer Sie erst in der zweiten Halbzeit brachte. Dort haben Sie mit einer sensationellen Trefferquote geglänzt. Gegen Polen durften Sie jetzt von Beginn an ran, gleich gab es die ersten Fehlwürfe, auch wenn Ihre Quote immer noch sehr stark ist...

Mandy Hering:
Warum ich gegen Polen von Beginn an gespielt habe, hat mir der Bundestrainer nicht gesagt, nur, dass es so ist. Ich denke aber, dass meine Tore in den Spielen zuvor schon ein gewisses Druckmittel waren, damit er mich auch mal von Beginn an bringt.

Sehen Sie sich als neue Nummer 1 auf Linksaußen?

Mandy Hering:
Das ist schwer zu sagen, ich glaube Nadine Härder und ich sind beide von der Spielweise sehr verschieden, deshalb ergänzen wir uns auch sehr gut. Für mich war es einfach ein Beweis des Vertrauens, dass ich jetzt mal die Chance von Beginn an bekommen habe. Wir bekommen aber beide unsere Spielzeit, das ist wichtig.

Wenn man Ihre Tore gesehen hat fällt auf, dass sie die vermeintlich schweren Treffer alle gemacht haben, vermeintlich leichte im Spiel gegen Polen dagegen nicht. Gibt es dafür eine Erklärung?

Mandy Hering:
Das ist vielleicht eine Kopfsache, manchmal denkt man der Ball muss rein, ansonsten kommt der Schlendrian. Langsam merke ich aber auch den Kraftverlust nach den Spielen der WM, das macht sich natürlich auch bei der Konzentration bemerkbar. Dann gehen eben auch mal Würfe daneben, die man eigentlich machen muss.

Wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Mandy Hering:
Ich habe einfach Spaß am Handball, ich hoffe das erkennt man. Ich sehe mich als Kämpferin auf dem Feld die nie aufgibt. Privat bin ich sehr ehrlich und für jeden Spaß zu haben.

Fangen Sie vor dem abschließenden Hauptrundenspiel gegen Rumänien an zu rechnen, gegen wen sie bei einem Sieg oder einer Niederlage im Viertelfinale von Paris spielen würden?

Mandy Hering:
Nein, ich bin nicht der Typ dafür. Wie es kommt, so kommt es. Das ist mir zu kompliziert mit der Rechnerei. Ich persönlich möchte jedes Spiel gewinnen, und bei unserem Ziel von einer WM-Medaillie muss man eh jede Mannschaft schlagen.

Sieht das der Rest der Mannschaft genauso, oder gibt es eine Mannschaft, gegen die Sie am liebsten nicht spielen würden?

Mandy Hering:
Da müssen sie die anderen Spieler und den Trainer fragen. Ich glaube, egal gegen wen wir in Paris spielen, jede Mannschaft hat ihren Vor- und Nachteil für uns. Norwegen ist sicher am unangenehmsten wenn ich mich festlegen müsste gegen wen wir nicht spielen wollen. Aber ich denke wir hätten zum Beispiel auch gegen Russland unseren Chancen, haben sie beim Turnier in Riesa eigentlich klar beherrscht. Wir sollten uns aber nicht auf die Rechnerei konzentrieren, sondern auf unsere sportliche Leistung.

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer persönlichen Leistung bei dieser WM?

Mandy Hering:
Ich denke ich kann sehr zufrieden sein. Ich habe natürlich gehofft, dass ich vielleicht so 50 Prozent Spielanteile bekomme, und war natürlich entsprechend enttäuscht, als ich zum Auftakt gleich aussetzen musste. Aber meine Spielanteile die ich jetzt bekomme, damit hätte ich vorher sicher nicht gerechnet.

Können Sie sich die extreme Leistungsschwankungen im Spiel der Nationalmannschaft erklären? Gegen Polen wurde am Ende fast noch eine Elf-Tore-Führung verspielt.

Mandy Hering:
Das ist schwer zu erklären, aber man sieht, dass es auch anderen Mannschaften so geht. Ungarn hat gegen Rumänien die Partie auch nach einem hohen Rückstand noch gedreht und gewonnen. Vielleicht hängt es bei uns mit dem Kräfteverschleiss zusammen, weil wir unseren Leistungsträgern wie Grit Jurack einfach mal eine Pause geben müssen. Dann kommt einfach mal der Hänger.

Wir haben jetzt keine schwachen Gegner mehr, spielen eigentlich noch eine Europameisterschaft. Das kostet einfach sehr viel Kraft. Ich glaube das war auch ein Problem im letzten Jahr und dem vierten Platz in Schweden wo Deutschland zuerst das Halbfinale und dann das Spiel um Platz drei verloren hat.

Wenn die Leistungsträgerinnen wie Grit und Nadine (Nadine Krause, d. Red) einfach schon zu viel Kraft in den vorherigen Spielen gelassen haben. Da fehlt es uns eben an der Ausgeglichenheit im Kader um mit den Großen mithalten zu können. Deshalb brauchen wir eben unsere Pausen, die wir hier bei einer WM nicht wirklich bekommen.

Würden Sie etwas am Turnierplan ändern?

Mandy Hering:
Das ist schwer zu sagen. In der Vorrunden, wo wir mit der Ukraine und Korea wirklich starke Gegner hatten, hatten wir keinen freien Tag, der erste freie Tag ging für die Reise zur Hauptrunde nach Dijon drauf. Das Programm ist wirklich hart, in Paris folgen auch Halbfinale und Finale an zwei Tagen aufeinander. Für die Zuschauer ist das sicher toll, aber die Spielerinnen würden sich über einen zusätzlichen Ruhetag sicher nicht beklagen.


Mandy Hering im Spiel gegen Polen
Michael Heuberger


Stichwort Zuschauer, was sagen Sie zur Unterstützung in den Hallen?

Mandy Hering:
Das hätte ich vorher nicht gedacht, als ich gehört habe, dass alles ausverkauft sein soll. Besonders toll finde ich unsere Fans. Manche Eltern sind hier, aber auch zahlreiche andere Fans, die mit der Mannschaft eigentlich ja nichts zu tun haben aber uns einfach vor Ort unterstützen wollen. Das finde ich super, die Leute hätten es sich ja auch einfacher machen können und die Spiele zu Hause vor dem Fernseher verfolgen können.

Was sagen Sie zur Medienpräsenz bei dieser WM?

Mandy Hering:
Ich war ja noch nicht bei so vielen Großereignissen, kann da also nur schwer ein Urteil abgeben. Aber die anderen Nationen haben schon bedeutend mehr Journalisten dabei als wir, da herrscht ein ganz anderer Rummel um die Spielerinnen. Auf der einen Seite natürlich schön, weil der Frauenhandball so in den Medien ist, auf der anderen gefällt es uns Spielerinnen natürlich auch gut, weil wir unsere Journalisten hier vor Ort alle sehr gut kennen und sicher ein persönlicheres Verhältnis pflegen.

Besonders toll fand ich, dass das ZDF Morgenmagazin über uns berichtet hat. Darauf haben mich auch viele Leute angesprochen. Das Team war sehr nett und nicht aufdringlich. Ich glaube sie haben in ihren Berichten die gute Stimmung bei uns rübergebracht, dazu haben sie uns den Eindruck gegeben, dass wir wirklich wichtig sind und nicht einfach nur irgendwie eingeschoben werden.

Ihr Vertrag beim FHC läuft aus, durch ihre WM-Teilnahme werden natürlich auch andere Clubs auf Sie aufmerksam. Ist ein Wechsel ein Thema, wäre vielleicht sogar das Ausland für Sie mal interessant?

Mandy Hering:
Dänemark ist natürlich immer ein Ziel einer Handballerin, aber man muss natürlich sehen das alles passt. Ich bin ein Familienmensch und momentan in Frankfurt/Oder nur eine Stunde von meiner Familie getrennt. Deshalb müsste ich bei einem Wechsel abwiegen was ist mir wichtiger ist. Aber eigentlich ist es schon mein Ziel mich noch mal zu verändern, wobei ich beim FHC auch schon viele Trainer gehabt habe, von denen ich immer etwas neues mitgenommen habe. Ansonsten ist in der Bundesliga in Frankfurt aber alles optimal für mich, ich liebe die Stadt, die Leute, die Fans, den Club. Aber wenn ein Angebot kommt zu dem man einfach nicht nein sagen kann, dann würde ich wohl schon wechseln, wenn auch mit schweren Herzens, denn ich bin in Frankfurt einfach groß geworden mit dem Handball.

Was geht für den FHC noch in der Bundesliga?

Mandy Hering:
Wir hatten einen schwierigen Saisonstart mit den frühen Spielen gegen Leipzig und Nürnberg. Auch in Trier hätten wir eigentlich gewinnen müssen, zudem haben wir einfach Zeit gebraucht um uns zu finden, jetzt läuft es wieder. Wir hoffen natürlich das Trier noch einmal patzt und wir noch auf Platz vier rutschen. Die Saison ist aber noch lang, mal sehen was noch passiert, vorher zählt für mich aber nur die WM.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg bei der WM.