06.12.2007 22:19 Uhr - Weltmeisterschaft - Felix Buß - hbvf.de

Polen verpasst gegen wankelmütige Ungarinnen Sieg

Keine Punkte für Polen und Dorota MalczewskaKeine Punkte für Polen und Dorota Malczewska
Quelle: Hermann Jack
Zwischen Polen und Ungarn ging es um wichtige Punkte für das Erreichen der Viertelfinales. Ungarn konnte nur einen Punkt aus der Vorrunde mitnehmen und wollte mit einem Sieg zu Rumänien und Deutschland aufschließen. In den ersten zwanzig Minuten konnte Ungarn den schwachen Polinnen das Spiel aufzwingen. Als nach einem Time-out Karolina Kudlacz endlich traf, eroberte Polen jedoch die Führung und zeigte nun ein bissiges Spiel. Erst ein von Görbicz dirigierter Zwischenspurt brachte dem Favoriten die Führung zurück, der allerdings nach 55 Minuten (22:26-Führung) schon wieder das Handballspiel beendete und der gut haltenden Katalin Palinger am Ende die Punkte fast allein zu verdanken hatte, da Polen noch einmal der Anschluss gelang. Ungarn siegte mit 28:26 (11:13).

Piroska SzamoranskyPiroska Szamoransky
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Beide Teams starteten, der Bedeutung der Partie entsprechend, nervös im Angriff und verbuchten einige technische Fehler, die Polen erst nach einem Time Out in der 18. Minute abstellen konnte. Die Deckungsarbeit funktionierte jedoch sowohl bei den Ungarn als auch bei den Polinnen. Der erste Treffer fiel daher erst nach vier Minuten nach einem „No-look“-Anspiel auf Damiencka. Wenig später glich Ungarn aus und konnte sich bei Torfrau Katalin Palinger bedanken, dass aus den vergebenen Chancen bislang kein Rückstand resultierte. Die Polinnen nahmen Anita Görbicz in kurze Deckung und dem ungarischen Angriffsspiel den Dreh- und Angelpunkt. Diese Maßnahme konnte allerdings nicht verhindern, dass Polen nach sieben Minuten nach einem Abpraller das 1:2 durch Ungarns Kovacsicz hinnehmen musste.

Ungarn nahm sich durch die hohe Fehlerquote die Möglichkeit, im weiteren Verlauf höher in Führung zu gehen, nur unter großen Schwierigkeiten wurde der knappe Vorsprung verwaltet. Die Polen hatten dem Gegner die Angelegenheit in dieser Phase einfach gemacht, sie hatten große Schwierigkeiten in der Überzahl den Ball zu halten und erlaubten sich viele technische Fehler und Fehlwürfe. Karolina Kudlacz kam bis zu diesem Zeitpunkt nicht ins Spiel, nur Magdalena Chemicz war mit ihren Paraden dafür verantwortlich, dass die Polinnen bis zu Timea Tóths 4:6-Gegenstoß (16.) Anschluss hielten. Bis dahin standen somit die Keeper im Zentrum des Geschehens, wobei sich teilweise die aggressiven Abwehrspielerinnen Ungarns mit bereits drei Zeitstrafen in den Vordergrund spielten.

Beim Stand von 5:8 nach 18 Minuten nahm der polnische Coach Zenon Lakomy die Auszeit, danach wirkten seine Schützlinge etwas sortierter und bissiger. Ungarn kam über die gute Abwehr zwar nach wie vor zu Kontern, jedoch ließ die Chancenauswertung gegen Chemicz zu wünschen übrig. Polen machte es besser: Der gut spielenden Malczewska, die als Passgeberin und Werferin gefiel, gelang bereits nach 23 Minuten der 8:8-Ausgleich. Die Polinnen kamen nun vor allem über die erste Welle besser ins Spiel und suchten immer wieder mit Erfolg den Ausgleich. Mutige Würfe wurden jedoch zunächst nicht belohnt, stattdessen erzielte Ungarns Hypo-Spielerin Kirsner nach einem waghalsigen Pass die 9:10-Führung (25.).

Als Kudlacz dann traf, war der Bann für Polen gebrochen und es kam neue Dynamik ins Spiel. Gleichermaßen baute Ungarn in der Schlussphase der ersten Hälfte ab und agierte unclever, zeigte ein schwaches Offensivspiel und Rückzugsverhalten. Nach dem 11:12 vergab das Team erneut einen Gegenstoß und produzierte im Folgeangriff ein Stürmerfoul. Die jetzt hochmotiviert aufspielenden Polinnen bedankte sich mit der 11:13-Pausenführung und bauten den Vorsprung nach Wiederanpfiff unter der Regie von Kudlacz sofort weiter aus, während Ungarn mit schwachen Würfen und einem statischem Spiel auffiel. Kinga Polenz traf nach einem schönen Dreher zum 15:12 (35.).

Kleine Unkonzentriertheiten in der Deckung und das recht ausrechenbare Spiel über Kudlacz nutzten dann allerdings Ungarn um den Anschluss wieder zu erhalten. Agnes Hornyak markierte nach 38 Minuten den 15:15-Ausgleich und zwang Polen zu einer Auszeit. Dann eine Schrecksekunde für das Team: Malczewska musste nach einem Foul behandelt werden und in Überzahl fiel wieder der Ausgleich. Die Polinnen wurden jetzt beim Wurf teils hart attackiert, Ibolja Mehlmann und zwei Paraden von Palinger brachten Ungarn die Führung zurück. Die gut heraus gespielten Treffer von Balogh und Csatane zum 16:19 (42.) dokumentierten das wieder gewonnene Selbstvertrauen im ungarischen Spiel. Görbicz kam mit ihrem zweiten Treffer beim 16:20 zum Zug und legte nach einem technischen Fehler des Gegners sofort nach. Lediglich ein Treffer war in Polen innerhalb der vergangenen neun Minuten gelungen, die Mannschaft war völlig von der Rolle.

Zalecznas Gegenstoß zum 20:24 (50.) war eine der wenigen guten Aktionen der Polinnen, die den dynamisch aufspielenden Ungarinnen kämpferisch entgegenheilten und so zumindest mitspielten. Der Favorit erlaubte sich erneut Schwächen und technische Fehler, Polen agierte aber nicht zielstrebig genug, um zu verkürzen. Nur mit Glück gelang Pielecz das 22:26 (55.), die heute schwach aufspielende Izabela Duda verkürzte erneut. Görbiczs Strafwurf und Palingers Siebenmeter-Parade drei Minuten vor Schluss klärten dann die Verhältnisse, wenngleich es Ungarn in der Schlussphase noch einmal spannend machte. Polen hätte mit einer besseren Chancenauswertung und einem besseren Überzahlspiel leicht Siegchancen gehabt, denn am Ende musste Palinger mit ihren Paraden die Punkte für Ungarn im Alleingang festhalten. Baloghs 26:28-Treffer machte wenige Sekunden vor dem Abpfiff den Sack zu und die Erleichterung bei Ungarn war riesengroß, nachdem das Spiel in schwachen fünf Schlussminuten fast noch verloren wurde