03.12.2007 16:00 Uhr - Weltmeisterschaft - Natalie Leclerq - dpa

Die Lust der «zweiten Reihe» - Brückmann: «Alles fürs Team geben»

Stefanie Melbeck im WM-Spiel gegen die UkraineStefanie Melbeck im WM-Spiel gegen die Ukraine
Quelle: Michael Heuberger
Wenn Welthandballerin Nadine Krause eine Verschnaufpause braucht, schlägt bei der Weltmeisterschaft in Frankreich die Stunde von Neuling Maike Brückmann. Die neue Nummer zwei auf der sogenannten Königsposition im linken Rückraum soll der weltbesten Handballerin den Rücken frei halten. «Wenn ich meinen Einsatz bekomme, werde ich alles geben. Nadine ist die Nummer eins - und das ist auch gut so. Ich bin froh, dass ich von Nadine viel lernen kann», erklärte die 23-Jährige von der TSG Ketsch.

Sie werden Ersatz genannt, Ergänzung, Aushilfe oder Joker - die Spielerinnen der zweiten Reihe sollen für Entlastung der Arrivierten sorgen. «Ein Turnier wie eine WM ist so lang, da kann man nicht nur sieben Spielerinnen einsetzen, dafür reicht die Kraft nicht», sagt Bundestrainer Armin Emrich. 18 Spielerinnen hat er mit nach Nantes genommen, von denen Torhüterin Jana Krause (Nürnberg), Rechtsaußen Ulrike Stange (Leipzig) und Kreisläuferin Anja Althaus (Viborg) nicht fürs Turnier gemeldet sind. «Alle Spielerinnen spielen ihren Part mit positiver Ausstrahlung», erklärt Emrich.

«Ich werde alles fürs Team geben. Das ist für mich nicht Last, sondern Lust. Ich bin hier, um dem Team zu helfen, eine Medaille zu holen», sagt Maike Brückmann. Wie die Rechtshänderin ist ihr Pendant Susann Müller vom HC Leipzig erstmals bei einer WM. Die mit 19 Jahren Jüngste in der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) ist stille Reserve für Rekord-Torschützin Grit Jurack (Viborg). «Das ist auf jeden Fall ein Hammergefühl, dass man hinter so einer großen Spielerin spielen kann», sagt die talentierte Linkshänderin, die schon im Auftaktspiel einen Kurzeinsatz hatte.

Auch Nora Reiche (Viborg) und Anna Loerper (Leverkusen), obwohl Stammpersonal in der Auswahl, gehören nicht zur ersten Sieben. Emrich: «Anna Loerper ist eine Allrounderin, die vielen anderen die Luft verschaffen kann, wenn sie ihre Akkus auffüllen müssen.» Er kündigte nach dem schwer erkämpften 26:21-Auftaktsieg gegen die Ukraine an, schon gegen Paraguay der zweiten Reihe mehr Einsatzzeiten zu geben und die erste Sieben weitgehend zu schonen.

Ihren kometenhafte Aufstieg verfolgt Maike Brückmann noch immer etwas fassungslos. Aus der Personalnot heraus geboren war sie im Sommer erstmals zu einem Nationalmannschafts-Lehrgang eingeladen worden, am 19. Oktober hatte sie ihr erstes Länderspiel bestritten. «Manchmal habe ich Minuten, in denen ich mir überlege, wie schnell das alles gegangen ist. Ich habe noch nicht ganz realisiert, was um mich herum passiert», sagt die gebürtige Heidelbergerin. Sie hatte als Nummer zwei hinter Nadine Krause den Vorzug gegenüber der erfahreneren Ania Rösler (Nürnberg) erhalten. Doch schon in der kurzen Zeit in der Auswahl hat sie erkannt, worin die Stärke der Mannschaft besteht. «Es gibt keine zweite oder dritte Reihe. Es gibt nur ein Team - und das will eine Medaille holen.»




Jubel nach dem Sieg gegen die Ukraine
Foto: Michael Heuberger